Die Szene spielt in der Serra Pelada im brasilianischen Bundesstaat Pará. 50.000 menschliche Gestalten graben hier nach Gold. Täglich steigen sie in eine offene Grube, so groß wie ein Fußballstadion. Je drei Gestalten graben, sechs schleppen die ausgehobene Erde in Säcken aus der Mine. Der Aufstieg führt über Hunderte von Holzleitern die Grubenhänge hinauf. Wegen der Beschaffenheit des Geländes können keine Maschinen eingesetzt werden. Die Männer, die dort nach Gold graben, werden „garimpeiros“ genannt: „Schlammschweine“. Für seine wohl bekannteste Bilderserie, die 1993 veröffentlichte „Archäologie des Industriezeitalters“, hat der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado sechs Jahre lang die Welt bereist. Seine monografische Aufmerksamkeit gilt den Arbeitern: kubanischen Zuckerrohrbauern, ruandischen Teepflanzern, galizischen Fischern, indonesischen Schwefelträgern, chinesischen Fahrradmonteuren, brasilianischen Goldsuchern, aserbaidschanischen Ölarbeitern. Seine Fotografien geben Einblick in eine Zeit, die uns zivilisationsgesättigten Nordeuropäern längst vergangen scheint, – eine Zeit, in der Menschen arbeiten, wie sie das Generationen lang getan haben: unter Einsatz ihres ganzen Körpers. Und verleihen dabei ihrer Tätigkeit eine Würde, die sie fast als Helden erscheinen lässt. Sebastião Salgados Monografie der Arbeiterklasse führt uns ein geografisches Gefälle vor Augen: die Dritte Welt in Unterdrückung und Elend und die Zweite Welt in sozialistischen Trümmern kontrastieren zur Ersten Welt, die dem Konsum und der Verschwendung huldigt. Doch seine Porträts von Schlachtern in Nordamerika, von Werftarbeitern in Polen oder von Fischern in Spanien dokumentieren, dass es auch in hoch industrialisierten Regionen heute noch Arbeit gibt, die ist, was sie schon vor Jahrhunderten war: körperliche Schinderei und Kampf ums tägliche Überleben. Abbildung: Schiffsabwrackung, Chittagong, Bangladesch, 1999, 40 x 50 cm Biografische Daten 1944 | | geboren in Aimorés, Brasilien | | | | | | Studium der Rechtswissenschaften und der Wirtschaft an der Universität von São Paolo und an der Ecole Nationale de Statistique et de l’Administration Economique, Paris | | | | 1968/69 | | Ökonom im Finanzministerium, São Paolo | | | | 1979-94 | | Mitglied der Fotoagentur Magnum | | | | 1982 | | Eugene Smith Award für humanitäre Fotografie | | | | 1988 | | Auszeichnung als Fotojournalist des Jahres, International Center of Photography, New York | | | | 1994 | | Grand Prix National, Ministerium für Kultur, Frankreichrand Prix National, Ministerium für Kultur, Frankreich | | | | 2001 | | Sonderbeauftragter der UNICEF | | | | 2003 | | Internationaler Preis der Photographic Society of Japan | | | | | | lebt und arbeitet in Paris | | | | |