Der Deutsche Börse Photography Prize ist eine internationale Auszeichnung für zeitgenössische Fotografie. Der Preis wird jährlich von der Photographers’ Gallery in London an einen Fotokünstler vergeben, der im Vorjahr einen bedeutenden Beitrag (Ausstellung oder Publikation) zur Fotografie geleistet hat. Der Photography Prize wurde 1996 von der Photographers’ Gallery ins Leben gerufen. Die Gruppe Deutsche Börse ist seit 2005 Titelsponsor des Deutsche Börse Photography Prize, der heute zu einem der renommiertesten internationalen Kunstpreise zählt. Aufgrund ihrer Zusammenarbeit haben die Photographers' Gallery und die Deutsche Börse für den Deutsche Börse Photography Prize eine Nominierung für den Arts & Business International Award 2008 erhalten. Deutsche Börse Photography Prize 2009 Paul Graham, Emily Jacir, Tod Papageorge und Taryn Simon wurden für den Deutsche Börse Photography Prize 2009 ausgewählt. Der Preis wird von der Photographers’ Gallery in London vergeben. Der Preisträger wird am Mittwoch, den 25. März 2009, bekannt gegeben. Die Photographers’ Gallery in London ist gleichzeitig Ort der Eröffnungsausstellung vom 20. Februar – 12. April 2009. Im Laufe des Jahres wird die Ausstellung im C/O Berlin in Berlin und im Hauptsitz der Deutschen Börse in Frankfurt gezeigt. Die Jury Die Kandidaten des Deutsche Börse Photography Prize werden von der „Academy“, einer Gruppe von über hundert internationalen Fotografieexperten, nominiert. Sie benennt jeweils einen zeitgenössischen Fotografen beliebiger Nationalität. Eine jedes Jahr neu besetze, internationale Jury bestimmt vier der nominierten Fotografen zu Finalisten, aus denen sie später den Gewinner ermittelt. Die Mitglieder der diesjährigen Jury sind: David Campany, Autor/Dozent, Universität Westminster, Großbritannien; David Goldblatt, Fotograf, Südafrika; Chus Martínez, leitende Kuratorin, Museu d'Art Contemporani de Barcelona, Spanien; Anne-Marie Beckmann, Kuratorin, Art Collection Deutsche Börse, Deutschland. Brett Rogers, die Direktorin der Photographers’ Gallery, führt den Vorsitz (ohne Stimmabgabe). Die Finalisten des Deutsche Börse Photography Prize  Paul Graham (1956 in Großbritannien geboren) wurde aufgrund seiner Veröffentlichung „A Shimmer of Possibility“ (steidlMACK, Oct 07) nominiert. Die Arbeit Grahams ist geprägt durch die Herausforderung des Mediums durch den Künstler. Er konzentriert sich ganz auf sein Medium als Dokumentationsmittel einzelner Momente, die Abhängigkeit von Licht und das Erkennen einzelner Details. Sein soziales Engagement und die historische Perspektive seiner Fotografien sind unerbittlich, seine bildhafte Brillanz erleuchtend. Den Effekt seiner Bilder erzielt er durch das Andeuten des Großen und Ganzen sowie die Balance von Auslassen und Einbeziehen von Elementen. „A Shimmer of Possibility“ stellt aktuelle Bilder vom Alltag in den USA zusammen, eine Art Anspielung an die japanische Gedichtform Haiku, die keine komplexen Geschehnisse beschreibt aber auch nichts ausschließt. Woran denken Sie und was sehen Sie, wenn Sie die Straße entlang laufen? Wie beeinflusst dies ihr Erlebnis und inwiefern wird es durch Ihre Erlebnisse beeinflusst? Sie belehren den Betrachter nicht darüber, was er sehen soll, sondern erinnern ihn daran, wie. Graham’s Bilder vermitteln die Macht der flüchtigen Begegnung, die Notwendigkeit, die Umwelt bewusst wahrzunehmen und die Fülle an Erfahrungen, die das Alltägliche zu bieten hat. Abbildung: Untitled, 2007; © Paul Graham.  Emily Jacir (1970 in Saudi Arabien geboren) wurde nominiert für ihre Multimedia-Installation „Material For A Film“ von der Biennale in Venedig 2007. Jacirs Arbeiten sind durchzogen von geschichtlichen Bezügen, die den Widerstand und die Macht intellektueller Vordenker sowie die Übersetzung von Theorie in Praxis in den Fokus der Betrachtung rücken. Die Stärke ihres Oeuvres liegt in der Kombination von Gegensätzlichkeiten, die nahtlos wechseln zwischen dem Hehren und Niederen, Sentimentalität und Zynismus, Spontaneität und Bedachtheit, Poetik und Politik. In ihren aktuellen Werken thematisiert sie das Schicksal palästinensischer Intellektueller Anfang der 70er-Jahre als im Zeitraum von 1972-73 mehr als ein Dutzend in Europa beheimateter Palästinenser, zumeist Künstler und Intellektuelle, von israelischen Agenten in Reaktion auf das Massaker der Olympischen Spiele von München ermordet wurden. Bis heute sind diese Geschehnisse Teil des kollektiven Gedächtnisses der Palästinenser: „Ich kenne diese Geschichten seit meiner Kindheit“, sagt Jacir. „Sie verfolgen uns. Und ich wusste immer, dass ich mich in einer Arbeit den 13 Künstlern und Intellektuellen widmen werde, die zwischen 1972 und 1973 in Europa ermordet wurden.“ Abbildung: Installation shot of Material for a Film (2005 - ongoing, multimedia installation); © Alexander and Bonin, New York.  Tod Papageorge (1940 in den USA geboren) wurde auf Grund seiner Ausstellung 2008 „Passing Through Eden – Photographs of Central Park“ in der Michael Hoppen Gallery in London nominiert. Er lebte mehr als 25 Jahre in New York City. “Passing Through Eden” ist eine Kollektion von Fotografien, die zwischen 1966-1992 entstanden sind. Die frühesten Bilder sind mit 35mm Kameras aufgenommen worden. Seit 1977 verwendete Papageorge Mittelformat Kameras um noch fesselnder das Licht im Park darzustellen − vor allem, wie herrlich dieses Licht die Körper der Menschen beleuchtete, die sich im wild wuchernden Gras des damaligen eher ungepflegten Central Parks ausstreckten. Aufgrund der Intensität und Ernsthaftigkeit dieser Bilder, ist Passing Through Eden in ihrer fast shakespearhaften Auswahl an Ansichten als richtungsweisendes Werk zu betrachten. Es vermittelt die Fähigkeit, eine erstaunliche Vielzahl von Gesten, unheimlicher fotographischer Schönheit und roher emotionaler Wahrheit einzufangen. Abbildung: Untitled (25)  Taryn Simon (1975 in New York geboren) bedient sich für das Projekt „An American Index of the Hidden and Unfamiliar“ der dualen Rolle scharfsinniger Informantin und Sammlerin von Kuriositäten, um Dinge zu zeigen, die im Verborgenen der amerikanischen Gesellschaft stattfinden. Sorgfältig durchleuchtet sie die amerikanische Kultur und dokumentiert ihre Abgründe in Wissenschaft, Staat, Medizin, Unterhaltung, Natur, Sicherheit und Religion. Die Künstlerin macht Gebrauch von der Ausdrucksfähigkeit des Bildes, um die Öffentlichkeit aufzurütteln und zu informieren. Texte und Bilder unterstreichen dabei das komplizierte Beziehungsgeflecht zwischen der Fotografie und dessen Kontext. Das Visuelle wird ästhetisch verarbeitet, um dann durch den Text eine neue Definition zu erfahren. Ihre zeitweilig ätherischen, teils von düsterer Vorahnung gezeichneten Kompositionen, die über einen Zeitraum von vier Jahren entstanden sind, variieren ebenso wie ihre Motive – von einer radioaktiven Kapsel in einer nuklear verseuchten Lagerstätte bis hin zu einem Schwarzbär im Winterschlaf. Mit ihrer Auseinandersetzung, die integraler Bestandteil der amerikanischen Gründung, Mythologie und der täglichen Arbeitensweise ist, schafft Simon eine einzigartige Sammlung von Arbeiten, welche die nationale Identität Amerikas reflektiert und offen legt. Abbildung: White Tiger (Kenny), 2007; © Taryn Simon, Steid/Gagosian. |