Die Entwicklung militärischer Technik von der Schleuder, mit der David einst Goliath erschlug, bis zum Tarnkappenbomber ist eine parallel zur Kulturgeschichte fortschreitende Negativfolie. Dass der Krieg der Vater aller Dinge sei, wussten schon die alten Griechen; es liegt wohl daran, dass das so genannte Böse so alt ist wie die Menschheit selbst. Seit jeher gibt es Leute, die sich gegen den Krieg empören. Von historischen Dimensionen und der Macht des Faktischen lassen sie sich nicht beeindrucken. Sie wollen sich nicht damit abfinden, dass der Mensch einen beträchtlichen Teil seiner intellektuellen Energie und materiellen Ressourcen ans Töten von Artgenossen verschwendet, dass der kollektive Aggressionstrieb so viele Aspekte unseres Lebens bestimmt – und dass wir nicht in der Lage sind, die Welt so einzurichten, dass Angehörige aller Nationen, Religionen und sozialen Klassen friedlich zusammenleben können. Leute, die so denken, nennt man Pazifisten. Simon Norfolk ist einer von ihnen. Norfolk hat dem Krieg den Kampf angesagt, seine Waffe ist die Kamera. Jedoch nicht die Kleinbildkamera des Kriegsberichterstatters, mit der er mitten im dramatischen Geschehen steht, sondern die großformatige Plattenkamera des Fotokünstlers, die Distanz herstellt. Mit ihr bereiste er Afghanistan – wo Krieg und Zerstörung die Landschaft und die Architektur seit Jahrtausenden prägen – und komponierte Bilder von großer Klarheit, Ruhe und Erhabenheit. Zu sehen ist auf ihnen, was man heute als „Kollateralschäden“ bezeichnet: die Front eines zerschossenen Regierungsgebäudes, die Überreste eines Teehauses, Ruinen eines Busbahnhofs, ein Friedhof für Flugzeuge oder eine verlorene Panzerkette, die sich wie Teile eines Saurierskeletts auf dem Wüstenboden windet. „Ich hätte sehr viel schlimmere Bilder mitbringen können“, sagt Simon Norfolk, „aber keiner will verstümmelte Körper und so etwas mehr sehen.“ Deshalb hat Norfolk einen anderen Weg gewählt, um die Schrecken des Krieges anzuklagen: den der bizarren Schönheit. Wenngleich seine Bilder den Anschein erwecken – ein Klassizist ist Norfolk keineswegs. Schönheit gilt ihm nirgendwo als Selbstzweck, sondern als Mittel, um den Betrachter zu seiner pazifistischen Perspektive zu verführen. Dem wohlgefälligen Blick künden die stummen Zeugen vom schrecklichen Geschehen, das die Bilder aussparen – von Blutbädern, menschlichen Abgründen und unendlichem Leid. Abbildung: A government building close to the former Presidential palace at Darulaman, destroyed in fighting between Rabbani and the Hazaras, 2001/2002, 100 x 127 cm Biografische Daten 1963 | | geboren in Lagos, Nigeria | | | | | | Studium der Soziologie und Philosophie an der Universität Bristol | | | | | | Studium der Dokumentarfotografie in Newport bei Davis Hum | | | | | | lebt und arbeitet in London | | | | |