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Ertragslage

Prognosebericht – Entwicklung der Ertragslage

Die Gruppe Deutsche Börse sieht sich mit ihrem diversifizierten Geschäftsmodell und ihren vielfältigen Erlösquellen weiterhin sehr gut aufgestellt und rechnet mittel- und langfristig mit einer positiven Entwicklung ihrer Ertragslage. Diese Erwartung basiert u. a. auf den Wachstumschancen, die das Unternehmen mittel- bis langfristig nutzen wird. Für den Prognosezeitraum erwartet die Gruppe einen weiteren Anstieg der Nettoerlöse. Diese Annahme basiert im Wesentlichen auf zwei Faktoren. Erstens könnte ein weiterer leichter Anstieg des Wirtschaftswachstums das Investorenvertrauen verbessern und u. a. zu einer weiter anhaltenden Rückkehr von US-Investoren nach Europa führen. 2018 könnten zudem Spekulationen der Marktteilnehmer über die Zinsentwicklung in den USA und Europa den Handel von Zinsderivaten an der Terminbörse Eurex weiter beflügeln und die gestiegenen bzw. weiter steigenden US-Zinsen könnten zu einem neuerlichen Anstieg der Nettozinserträge aus dem Bankgeschäft führen. Zweitens erwartet die Gruppe einen weiter steigenden Beitrag aus ihren strukturellen Wachstumsinitiativen sowie der Erschließung von neuen Wachstumschancen (für Details siehe den Chancenbericht).

Die Gruppe Deutsche Börse erwartet im Prognosezeitraum einen Anstieg der Nettoerlöse aus strukturellen Wachstumschancen sowie aus dem Erfolg neuer Produkte und Funktionalitäten von mindestens 5 Prozent. Gleichzeitig erwartet die Gruppe, dass sich die zyklischen Rahmenbedingungen so entwickeln, dass in Summe zumindest kein Rückgang der Nettoerlöse in den von zyklischen Faktoren abhängenden Geschäftsfeldern eintreten wird. Die Basis für das erwartete Nettoerlöswachstum im Prognosezeitraum bilden die 2017 erreichten Nettoerlöse in Höhe von 2.462,3 Mio. €.

Sollten sich die Rahmenbedingungen wider Erwarten schlechter entwickeln als eingangs beschrieben und die Kunden, insbesondere in den vom Handel abhängigen Geschäftsbereichen der Gruppe, ihre Geschäftsaktivitäten wieder zurückfahren, sieht sich die Gruppe Deutsche Börse aufgrund ihres erfolgreichen Geschäftsmodells sowie ihrer Kostendisziplin trotzdem weiterhin in der Lage, ihr Geschäft profitabel zu betreiben.

Im Rahmen ihrer Wachstumsstrategie verfolgt die Gruppe Deutsche Börse konkrete Prinzipien zur Steuerung der operativen Kosten. Kernbestandteil dieser Prinzipien ist es, die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells der Gruppe zu gewährleisten. Um dies zu erreichen, steuert das Unternehmen die um Einmaleffekte bereinigten operativen Kosten kontinuierlich in Abhängigkeit von der Entwicklung der Nettoerlöse. Die notwendige Flexibilität bei der Steuerung der operativen Kosten erreicht die Gruppe im Wesentlichen durch zwei verschiedene Initiativen zur Verbesserung der operativen Effizienz. Zum einen hat das Unternehmen einen kontinuierlichen Prozess zur Verbesserung der operativen Effizienz implementiert. Hierbei wird das Unternehmen Kundenbedürfnisse noch stärker berücksichtigen, um die Qualität und Effizienz der angebotenen Dienstleistungen weiter zu verbessern. Gleichzeitig werden dabei auch gruppeninterne Prozesse vereinfacht und damit Kosteneinsparungen erzielt. Zum anderen hat das Unternehmen im Berichtszeitraum eine Reihe von strukturellen Kostenreduktionen beschlossen und damit begonnen, diese umzusetzen. So wurde beispielsweise die Zahl der externen Dienstleister reduziert. Teilweise wurden dabei die Aufgaben auf interne Mitarbeiter verteilt bzw. die externen Dienstleister als interne Mitarbeiter übernommen. Im Jahr 2018 und den Folgejahren wird das Unternehmen den Fokus u. a. auf die kontinuierliche Steigerung der Effizienz durch Digitalisierung, Automatisierung und Cloud-Infrastruktur legen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses zusammengefassten Lageberichts rechnet das Unternehmen bei den operativen Kosten mit Einmaleffekten in Höhe von rund 80 Mio. €. Diese entfallen mehrheitlich auf die Integration akquirierter Unternehmen, aber auch auf Kosten für Effizienzmaßnahmen und Restrukturierung sowie Kosten in Zusammenhang mit strafrechtlichen Ermittlungen in den USA gegen die Clearstream Banking S.A. 

Aufgrund des erwarteten Anstiegs der strukturell getriebenen Nettoerlöse von mindestens 5 Prozent, der Skalierbarkeit des Geschäftsmodells und des effizienten Kostenmanagements wird für den Periodenüberschuss, der den Anteilseignern der Deutsche Börse AG zuzurechnen ist, im Prognosezeitraum mit einem Wachstum (ohne Einmaleffekte) von mindestens 10 Prozent gerechnet. Basis für diese Prognose ist der bereinigte Wert von 857,1 Mio. € im Jahr 2017.

Auch für die Muttergesellschaft Deutsche Börse AG wurden die in diesem Prognosebericht für die Gruppe Deutsche Börse dargestellten Faktoren hinsichtlich des zyklischen Umfelds und der strukturellen Wachstumsinitiativen in der Planung berücksichtigt. Demnach rechnet das Unternehmen für 2018 mit Umsatzerlösen, die mindestens 5 Prozent über dem Niveau des Vorjahres liegen (2017: 1.348,0 Mio. €).

Aufgrund des erwarteten Anstiegs der Umsatzerlöse der Deutsche Börse AG von mindestens 5 Prozent und eines effizienten Kostenmanagements wird für den bereinigten Jahresüberschuss (2017: 618,1 Mio. €) im Prognosezeitraum mit einem Wachstum (ohne Einmaleffekte) von mindestens 10 Prozent gerechnet.

Segment Eurex

Im zurückliegenden Jahr haben die zyklischen Einflussfaktoren (für Details siehe den Abschnitt „Entwicklung der Ertragslage“) zu einem Rückgang der Handelsvolumina im Derivatebereich insgesamt geführt. Aufgrund eines deutlichen Rückgangs der Aktienmarktvolatilität, insbesondere im zweiten Halbjahr 2017, sind die Handelsvolumina in Aktienindexderivaten deutlich gesunken. Der Handel mit Zinsderivaten profitierte dagegen von dem verbesserten Zinsumfeld in den USA und hat daher deutlich zugelegt – dies konnte den Rückgang in den anderen Produktgruppen jedoch nicht kompensieren. Die Gruppe Deutsche Börse geht davon aus, dass strukturelle Wachstumsfaktoren langfristig dominieren und das Handelsvolumen in allen Produktsegmenten positiv beeinflussen werden (für Details siehe den Chancenbericht). Kurzfristig würde ein positives wirtschaftliches Umfeld sowie ein Anstieg der Aktienmarktvolatilität zu einem Anstieg der Handelsvolumina, insbesondere im Bereich der Aktienindexderivate, führen und die Geldmarktpolitik, insbesondere in den USA, sich positiv auf den Handel von Zinsderivaten auswirken.

Im Prognosezeitraum wird Eurex weiter konsequent in den Ausbau des Produktangebots investieren, um von strukturellen Treibern wie Regulierung und veränderten Kundenbedürfnissen zu profitieren. Der Schwerpunkt wird dabei darin liegen, Geschäft zu gewinnen, das heute noch nicht börslich oder in einem Clearinghaus abgewickelt wird. Dies kann beispielsweise über die regulatorische Anforderung gelingen, OTC-Derivategeschäfte über eine zentrale Gegenpartei zu verrechnen. Diese ist 2016 endgültig in Kraft getreten. Die Gruppe hat 2017 bereits die ersten zusätzlichen Nettoerlöse aus diesen Investitionen im vorangegangenen Geschäftsjahr erzielt und plant diese 2018 weiter zu steigern. Mittel- bis langfristig erwartet die Gruppe zusätzliche Nettoerlöse aus dieser Initiative in bedeutendem Umfang, nicht zuletzt aufgrund des zusätzlichen Potenzials, welches sich aus der Unsicherheit über den Ausgang der laufenden Brexit-Verhandlungen und den möglicherweise daraus resultierenden Veränderungen für das Clearing von Euro-denominierten Zinsswaps ergeben könnte. Die Handelsvolumina von Commodities an der European Energy Exchange AG (EEX) sind 2017 im Wesentlichen aufgrund des Rückgangs der Volumina am deutschen Strommarkt gesunken. Dies ist vor allem auf die erhebliche Unsicherheit im Markt infolge der angekündigten Aufteilung der deutsch-österreichischen Strompreiszone zu Beginn des Jahres 2017 zurückzuführen. Vor diesem Hintergrund führte die EEX im April 2017 separate Strom-Futures für Deutschland und Österreich ein. Seit der Einführung sind die Handelsvolumina in diesen Produkten kontinuierlich gestiegen. Die neuen Produkte haben sich bis zum Ende des Jahres 2017 als neuer Benchmark für europäischen Strom etabliert. Aufgrund des anhaltend positiven Marktumfelds für den Handel mit Strom- und Gasprodukten erwartet die Gruppe für den Prognosezeitraum, dass die Geschäftsaktivität im Commodities-Sektor strukturell wieder steigen wird, u. a. durch den Gewinn von Marktanteilen zu Lasten der OTC-Energiemärkte, aber auch durch zyklisches Wachstum, wenn sich das Marktumfeld für Stromprodukte in Deutschland und Österreich weiter stabilisiert. Im Devisenhandel erwartet die Gruppe, dass die steigende Nachfrage nach Plattformen, an die mehrere Banken angebunden sind, zu einem weiteren Anstieg der Geschäftsaktivität der Devisenhandelsplattform 360T® führen wird. Diese hat mit der Einführung der elektronischen Handelsplattform weiter an Attraktivität gewonnen. Das Unternehmen plant im laufenden Geschäftsjahr, die Wertschöpfungskette im nun vollelektronischen Devisenhandel um das Clearing zu erweitern, um die mit der Akquisition von 360T angestrebten Umsatzsynergien zu erzielen.

Segment Xetra

Wie bereits in der Vergangenheit werden im Kassamarktsegment Xetra die Nettoerlöse auch künftig maßgeblich von der zyklischen Entwicklung der Aktienmärkte und deren Volatilität abhängen. Im Prognosezeitraum könnte auf der einen Seite eine graduelle Verbesserung des Wirtschaftswachstums und eine Verbesserung des Investorenvertrauens zu einem Anstieg der Handelsvolumina führen. Zum anderen rechnet das Unternehmen mit zumindest temporär höherer Aktienmarktvolatilität, was ebenfalls positiv für die Geschäftsentwicklung wäre.

Neben der Weiterentwicklung des Kassamarktes wird das Unternehmen auch künftig Veränderungen im wettbewerblichen Umfeld der europäischen Kassamärkte aufmerksam verfolgen. Das Unternehmen sieht sich nach wie vor gut positioniert, um Marktführer im Handel deutscher Bluechip-Aktien zu bleiben und seinen Kunden weltweit ein attraktives Spektrum von Produkten und Services für den Kassahandel in deutschen und europäischen Aktien sowie für das Aktienclearing anzubieten. Wegen des gestiegenen Wettbewerbs im Kassamarkt ist jedoch nicht auszuschließen, dass sich die Marktanteile aller Wettbewerber weiter verschieben werden. 

Segment Clearstream

Das Segment Clearstream erzielt seine Nettoerlöse in erster Linie mit der Abwicklung und Verwahrung internationaler Anleihen – einem Geschäft, das im Vergleich zum Handelsgeschäft weitaus stabiler ist und den Schwankungen an den Kapitalmärkten nur in geringerem Maße unterliegt. Vor dem Hintergrund regulatorischer Anforderungen rechnet die Gruppe mit einem strukturell bedingten Anstieg der Nachfrage nach Dienstleistungen für das Sicherheiten- und Liquiditätsmanagement. Mittel- bis langfristig erwartet Clearstream wegen seines attraktiven Sicherheiten- und Liquiditätsmanagements und seiner starken Position im TARGET2-Securitites (T2S)-Netzwerk einen Anstieg der Geschäftsaktivität und infolgedessen zusätzliche Nettoerlöse in bedeutendem Umfang. Nachdem sich Clearstream im Februar 2017 an T2S angebunden hat, geht die Gruppe für 2018 zunächst von einem moderaten Nettoerlösbeitrag aus. Im Prognosezeitraum wird auch die Geldmarktpolitik der Zentralbanken das Geschäft von Clearstream weiterhin beeinflussen. Aufgrund des Ankaufprogramms von Staats- und Unternehmensanleihen, das die EZB mindestens bis September 2018 weiterführen wird, kann mittelfristig von einer erhöhten Transaktionstätigkeit ausgegangen werden. Gleichzeitig könnte sich dies jedoch weiter dämpfend auf die Emissionstätigkeit im Wertpapierbereich sowie das Liquiditätsmanagement auswirken. Sollte die Geldmarktpolitik wider Erwarten restriktiver werden, hätte dies positive Folgen für die Emissionstätigkeit im Wertpapierbereich, die Nutzung der Dienstleistungen im Sicherheiten- und Liquiditätsmanagement und die Nettozinserträge im Bankgeschäft. Die im Dezember 2016 initiierte und 2017 fortgeführte Zinswende in den USA wird die Nettozinserträge 2018 bei gleichem Liquiditätsbestand steigen lassen, da ein signifikanter Teil der Kundengelder in US-Dollar gehalten wird. Zudem erwartet Clearstream aufgrund der Attraktivität der Fondsdienstleistungen eine Fortsetzung des Wachstums in diesem Bereich. Clearstream deckt das gesamte Fondsportfolio – von traditionellen Investmentfonds über börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETFs) bis zu Hedgefonds ab. Da auch die Regulatoren effizientere Abwicklungs- und Verwahrlösungen fordern, um höchste Sicherheit für das verwahrte Kundenvermögen zu gewährleisten, erwartet die Gruppe weitere Kundenportfolios zu gewinnen.

In Bezug auf die Kundenstruktur geht das Unternehmen weiterhin davon aus, dass sich die Konsolidierung in der Finanzbranche fortsetzen wird und sich Kunden im nationalen und internationalen Geschäft von Clearstream zusammenschließen werden. Die dann größeren Kunden würden von höheren Rabatten profitieren, was zu einem Rückgang der durchschnittlichen Entgelte führen könnte.

Die Deutsche Börse steht im Bereich der Abwicklung und Verwahrung von internationalen Anleihen in einem besonders intensiven Wettbewerb, rechnet für den Prognosezeitraum aber nicht mit größeren Auswirkungen des Wettbewerbs auf ihre Nettoerlöse bzw. einem Verlust von Marktanteilen.

Segment Market Data + Services

Ziel des Segments ist der beschleunigte Ausbau der Technologieführerschaft und der Expertise im Marktdatenbereich, indem alle entsprechenden Kräfte im Unternehmen in einer eigenen, marktorientierten Geschäftseinheit zusammengeführt sind. Dies soll mittel- bis langfristig ungehobene Wachstumspotenziale eröffnen.

Im Prognosezeitraum rechnet das Unternehmen mit einem weiteren Anstieg der Nettoerlöse im Bereich Market Data + Services. Diese Erwartung beruht auf der kontinuierlichen Erweiterung der Produktpalette in allen Bereichen und der zunehmenden Vermarktung dieser Produkte in Wachstumsregionen. Von dieser Entwicklung sollte insbesondere das Indexgeschäft der Gruppe profitieren. Zudem sieht die Gruppe in Anbetracht des strukturell deutlich wachsenden Marktes für passiv verwaltete Vermögen einen zusätzlichen Wachstumstreiber, der die Nachfrage nach Indexlizenzen für ETFs weiter stärken sollte. Neben dem Vertrieb der Indexlizenzen partizipiert die Gruppe auch an wachsenden Anlagevolumina in diesen Produkten. Die Gruppe sieht sich vor diesem Hintergrund gut aufgestellt, ihre global ausgerichtete Indexpalette zunehmend auch im asiatischen Markt positionieren zu können.

Zudem erwartet das Unternehmen zusätzliches Wachstum im Zuge des im Januar 2018 eingeführten Regulatory Reporting Hub. Er wurde in Zusammenarbeit mit den Kunden der Gruppe entwickelt und bietet diesen gebündelt Lösungen für deren Reportingverpflichtungen gemäß MiFID II.

 

Weiterentwicklung der Preismodelle

Für den Prognosezeitraum rechnet die Deutsche Börse mit anhaltendem Preisdruck in einigen ihrer Geschäftsbereiche. Das Ziel des Unternehmens ist dabei, den Preisdruck über die kontinuierliche Verbesserung der Produkte und Dienstleistungen sowie über selektive Anreize für preiselastisches Geschäft abzufedern.

Langfristig gesehen ist damit zu rechnen, dass die durchschnittlichen Nettoerlöse pro relevanter Einheit (z. B. Handels- oder Clearingentgelte pro Transaktion oder Entgelte für Verwahrdienstleistungen) in allen Bereichen der Gruppe leicht zurückgehen. Dies resultiert aus den gestaffelten Preismodellen, die bei einem Wachstum der Geschäftsaktivität der Kunden dazu führen, dass der Ertrag pro Einheit zurückgeht.