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Ertragslage

Prognosebericht – Entwicklung der Ertragslage

Die Gruppe Deutsche Börse sieht sich mit ihrem diversifizierten Geschäftsmodell und ihren vielfältigen Erlösquellen weiterhin sehr gut aufgestellt und rechnet mittel- und langfristig mit einer positiven Entwicklung ihrer Ertragslage. Diese Erwartung basiert u. a. auf den Wachstumschancen, die das Unternehmen mittel- bis langfristig nutzen wird. Für den Prognosezeitraum erwartet die Gruppe einen weiteren Anstieg der Nettoerlöse. Diese Annahme basiert im Wesentlichen auf zwei Faktoren. Erstens hat sich das zyklische Umfeld, insbesondere die Aktienmarktvolatilität, seit dem Ende des dritten Quartals 2014 deutlich verbessert und wirkt sich positiv auf die Handelsvolumina in Aktien und Aktienindexderivaten aus. 2016 könnten zudem Spekulationen der Marktteilnehmer über die Zinsentwicklung in den USA und Europa den Handel von Zinsderivaten an der Terminbörse Eurex beflügeln und die gestiegenen US-Zinsen könnten zu einem leichten Anstieg der Nettozinserträge aus dem Bankgeschäft führen. Zweitens erwartet die Gruppe einen weiter steigenden Beitrag aus ihren strukturellen Wachstumsinitiativen sowie der Erschließung von neuen Wachstumschancen im Rahmen des 2015 ins Leben gerufenen Programms „Accelerate“ zur Beschleunigung des Wachstums (für Details siehe den Chancenbericht).

In Abhängigkeit von der Entwicklung der Rahmenbedingungen, der Ausprägung sowohl der zyklischen als auch der strukturellen Wachstumstreiber sowie dem Erfolg neuer Produkte und Funktionalitäten erwartet die Gruppe Deutsche Börse im Prognosezeitraum und in den darauf folgenden Jahren einen jährlichen Anstieg der Nettoerlöse in einer Bandbreite von 5 bis 10 Prozent. Die Basis für das erwartete Nettoerlöswachstum im Prognosezeitraum bilden die 2015 erreichten pro-forma Nettoerlöse in Höhe von rund 2.423 Mio. €. Diese setzen sich zusammen aus den berichteten Nettoerlösen in Höhe von 2.367,4 Mio. € zuzüglich rund 56 Mio. €, um die Effekte der Vollkonsolidierung der Strombörse APX innerhalb der EEX-Gruppe zum 1. Mai 2015 und der 360T Beteiligungs GmbH (360T) zum 1. Oktober 2015 auf das ganze Jahr hochzurechnen.

Sollten sich die Rahmenbedingungen wider Erwarten schlechter entwickeln als eingangs beschrieben und die Kunden, insbesondere in den vom Handel abhängigen Geschäftsbereichen der Gruppe, ihre Geschäftsaktivitäten wieder zurückfahren, sieht sich die Gruppe Deutsche Börse aufgrund ihres erfolgreichen Geschäftsmodells sowie ihrer Kostendisziplin trotzdem weiterhin in der Lage, ihr Geschäft profitabel zu betreiben.

Im Rahmen ihrer Wachstumsstrategie „Accelerate“ hat die Gruppe Deutsche Börse 2015 Prinzipien zur Steuerung der operativen Kosten eingeführt. Kernbestandteil dieser Prinzipien ist es, die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells der Gruppe zu gewährleisten. Um dies zu erreichen, steuert das Unternehmen die operativen Kosten kontinuierlich in Abhängigkeit von der Entwicklung der Nettoerlöse. So wird das untere Ende der Spanne des Nettoerlöswachstums von rund 5 Prozent im Prognosezeitraum und den darauf folgenden Jahren zu stabilen operativen Kosten gegenüber dem Vorjahr führen. Erreichen die Nettoerlöse das obere Ende der Spanne von rund 10 Prozent Wachstum können die operativen Kosten im Berichtsjahr und in den folgenden Jahren jährlich um bis zu 5 Prozent ansteigen. Die Basis für die erwartete Entwicklung der Kosten im Prognosezeitraum bilden die pro-forma operativen Kosten 2015 in Höhe von 1.296,0 Mio. €. Diese setzen sich zusammen aus den berichteten operativen Kosten in 2015 von 1.248,8 Mio. € zuzüglich 47 Mio. €, um den Ganzjahreseffekt der Vollkonsolidierung der APX Holding-Gruppe, der Indexium AG und der 360T Beteiligungs GmbH abzubilden.

Die notwendige Flexibiltät bei der Steuerung der operativen Kosten erreicht die Gruppe im Wesentlichen durch zwei verschiedene Initiativen zur Verbesserung der operativen Effizienz. Zum einen hat das Unternehmen einen kontinuierlichen Prozess zur Verbesserung der operativen Effizienz implementiert. Hierbei wird das Unternehmen Kundenbedürfnisse noch stärker berücksichtigen, um die Qualität und Effizienz der angebotenen Dienstleistungen weiter zu verbessern. Gleichzeitig werden dabei auch gruppeninterne Prozesse vereinfacht und damit Kosteneinsparungen erzielt. Für den Berichtszeitraum erwartet das Unternehmen in diesem Bereich Einsparungen in einer Größenordnung von 5 Mio. €. Bis 2018 sollen sich die Einsparungen auf insgesamt 50 Mio. € erhöhen. Zum anderen hat das Unternehmen im Berichtszeitraum eine Reihe von strukturellen Kostenreduktionen beschlossen und damit begonnen, diese umzusetzen. Dabei wurde die Führungsstruktur der Gruppe durch Hierarchieabbau verschlankt, um ihre Entscheidungsgeschwindigkeit und Agilität zu erhöhen. Ferner wird die operative Effizienz durch das Zusammenlegen von Funktionen in Kompetenzzentren und eine weitere Verbesserung bei Einkauf und Beschaffung erhöht. Aus den strukturellen Maßnahmen erwartet das Unternehmen im Prognosezeitraum Einsparungen in Höhe von rund 50 Mio. €. Insgesamt wird damit bis 2018 eine zusätzliche Investitionskapazität von rund 100 Mio. € freigesetzt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses zusammengefassten Lageberichts rechnet das Unternehmen bei den operativen Kosten zudem mit Sondereffekten in Höhe von rund 75 Mio. €. Rund die Hälfte hiervon entfällt auf Kosten für Effizienzmaßnahmen sowie Kosten in Zusammenhang mit strafrechtlichen Ermittlungen in den USA gegen die Clearstream Banking S.A. Die andere Hälfte entfällt auf Fusionen und Übernahmen, insbesondere auf die Integration der 2015 getätigten Zukäufe.

Aufgrund des erwarteten Anstiegs der Nettoerlöse in einer Bandbreite von 5 bis 10 Prozent und der operativen Kosten in einer davon abhängigen Bandbreite von 0 bis 5 Prozent wird für das EBIT und den Periodenüberschuss, der den Anteilseignern der Deutsche Börse AG zuzurechnen ist, im Prognosezeitraum und den darauf folgenden Jahren mit einem jährlichen Wachstum (ohne Sondereffekte) von rund 10 bis 15 Prozent gerechnet.

Auch für die Muttergesellschaft Deutsche Börse AG wurden die im Prognosebericht für die Gruppe Deutsche Börse dargestellten Faktoren hinsichtlich des zyklischen Umfelds und der strukturellen Wachstumsinitiativen in der Planung berücksichtigt. Demnach rechnet das Unternehmen für 2016 mit Umsatzerlösen, die über dem Niveau des Jahres 2015 (2015: 1.182 Mio. €) liegen und sich in Abhängigkeit von der Entwicklung der beschriebenen Faktoren in einer Bandbreite von 5 bis 10 Prozent erhöhen.

Aufgrund des erwarteten Anstiegs der Umsatzerlöse in einer Bandbreite von 5 bis 10 Prozent und der operativen Kosten in einer davon abhängigen Bandbreite von 0 bis 5 Prozent wird für das bereinigte EBIT und den bereinigten Periodenüberschuss (2015: 390 Mio. €), der den Anteilseignern der Deutsche Börse AG zuzurechnen ist, im Prognosezeitraum und den darauf folgenden Jahren mit einem jährlichen Wachstum (ohne Sondereffekte) von rund 10 bis 15 Prozent gerechnet.

Segment Eurex

Im zurückliegenden Jahr haben die zyklischen Einflussfaktoren (für Details siehe den Abschnitt „Ertragslage“) zu einem Anstieg der Handelsvolumina im Derivatebereich insgesamt geführt. Aufgrund einer deutlich höheren Aktienmarktvolatilität seit Ende 2014 sind insbesondere die Handelsvolumina in Aktienindexderivaten deutlich gestiegen. Die Gruppe Deutsche Börse geht davon aus, dass strukturelle Wachstumsfaktoren langfristig dominieren und das Handelsvolumen in allen Produktsegmenten positiv beeinflussen werden (für Details siehe den Chancenbericht). Kurzfristig wird das zyklisch positive Geschäftsumfeld zu einem Anstieg der Handelsvolumina insbesondere im Bereich der Aktienindexderivate und – abhängig von der Geldmarktpolitik in den USA und Europa – auch der Zinsderivate führen.

Im Prognosezeitraum wird Eurex weiter konsequent in die Implementierung der Technologie-Roadmap und den Ausbau des Produktangebots investieren. Der Schwerpunkt der Investitionen liegt dabei weiterhin auf dem Risikomanagement. Beispielsweise werden ab Mitte 2016 alle gelisteten Derivate ausschließlich über die neue C7-Clearingarchitektur abgewickelt. Diese Neuerungen sind u. a. vorgesehen, um die Attraktivität der Clearingdienstleistungen für außerbörslich gehandelte Derivate aus Sicht der Kunden weiter zu erhöhen. Mittel- bis langfristig erwartet das Unternehmen aus dieser Initiative zusätzliche Nettoerlöse in bedeutendem Umfang. Da die regulatorischen Anforderungen, außerbörsliche Derivategeschäfte über eine zentrale Gegenpartei zu verrechnen, erst im Jahresverlauf 2016 endgültig in Kraft treten werden, erwartet die Gruppe für 2016 jedoch noch keinen wesentlichen zusätzlichen Nettoerlösbeitrag aus diesen Investitionen. Nach der sehr positiven Entwicklung der Handelsvolumina an der EEX-Gruppe im Berichtsjahr und dem anhaltend positiven Marktumfeld für den Handel mit Strom- und Gasprodukten erwartet die Gruppe hier für den Prognosezeitraum einen weiteren strukturell bedingten Anstieg der Geschäftsaktivität. Zudem wird erwartet, dass die steigende Nachfrage nach Plattformen, an die mehrere Banken angebunden sind, zu einem weiteren Anstieg der Geschäftsaktivität der 2015 akquirierten Devisenhandelsplatform 360T® führen wird. Was die zyklischen Treiber für das Geschäft im Segment Eurex betrifft, so könnte eine andauernd hohe Aktienmarktvolatilität die Geschäftsaktivität weiter antreiben. Eine Aktienmarktvolatilität auf dem Niveau der letzten Monate vor Veröffentlichung dieses Berichts hätte einen deutlich positiven Einfluss auf den Handel mit Aktienindexderivaten. Zudem kann die Spekulation der Marktteilnehmer über die Geldmarktpolitik der Zentralbanken, die durch den Zinsschritt der US-Notenbank Fed Ende 2015 ausgelöst wurde, zu höheren Handelsvolumina im Bereich Zinsderivate führen.

Segment Xetra

Wie bereits in der Vergangenheit werden im Kassamarktsegment Xetra die Nettoerlöse auch künftig von der Entwicklung der Aktienmärkte und deren Volatilität abhängen, aber auch von strukturellen und zyklischen Veränderungen im Handelsgeschehen.

Seit Ende des dritten Quartals 2014 ist die Aktienmarktvolatilität signifikant angestiegen und führte auch im Kassamarkt zu teilweise deutlichen Steigerungen der Handelsvolumina. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Konzernlageberichts rechnet das Unternehmen für 2016 mit einer weiterhin hohen Aktienmarktvolatilität. Zudem sollte sich die nach wie vor expansive Geldmarktpolitik der EZB weiterhin positiv auf die Nachfrage nach Aktien auswirken. Vor diesem Hintergrund kann für das laufende Jahr von einem leichten Anstieg der Nettoerlöse gegenüber dem Berichtsjahr ausgegangen werden.

Neben der Weiterentwicklung des Kassamarktes wird das Unternehmen auch künftig Veränderungen im wettbewerblichen Umfeld der europäischen Kassamärkte aufmerksam verfolgen. Das Unternehmen sieht sich nach wie vor gut positioniert, um Marktführer im Handel deutscher Bluechip-Aktien zu bleiben und seinen Kunden weltweit ein attraktives Spektrum von Produkten und Services für den Kassahandel in deutschen und europäischen Aktien sowie das Aktienclearing anzubieten. Wegen des gestiegenen Wettbewerbs im Kassamarkt ist jedoch nicht auszuschließen, dass sich die Marktanteile aller Wettbewerber weiter verschieben werden.

Segment Clearstream

Das Segment Clearstream erzielt seine Nettoerlöse in erster Linie mit der Abwicklung und Verwahrung internationaler Anleihen – einem Geschäft, das im Vergleich zum Handelsgeschäft weitaus stabiler ist und den Schwankungen an den Kapitalmärkten nur in geringerem Maße unterliegt. Vor dem Hintergrund regulatorischer Anforderungen rechnet die Gruppe mit einem strukturell bedingten Anstieg der Nachfrage nach Dienstleistungen für das Sicherheiten- und Liquiditätsmanagement. Zudem wird sich Clearstream im Prognosezeitraum weiter auf die künftige zentrale Abwicklungsplattform der EZB TARGET2-Securities (T2S) vorbereiten. Mittel- bis langfristig erwartet Clearstream wegen seines attraktiven Sicherheiten- und Liquiditätsmanagements und seiner starken Position im T2S-Netzwerk einen Anstieg der Geschäftsaktivität und infolgedessen zusätzliche Nettoerlöse in bedeutendem Umfang. Da die neuen Partner aber sukzessive angebunden werden und Clearstream selbst erst im Jahr 2017 an T2S angebunden wird, geht die Gruppe für 2016 zunächst von einem moderaten Nettoerlösbeitrag aus. Im Prognosezeitraum wird auch die Geldmarktpolitik der Zentralbanken das Geschäft von Clearstream weiterhin beeinflussen. Aufgrund des Ankaufprogramms von Staats- und Unternehmensanleihen, das die EZB im März 2015 gestartet und im Jahresverlauf erweitert hat, kann mittelfristig von einer erhöhten Transaktionstätigkeit ausgegangen werden. Gleichzeitig könnte sich dies jedoch dämpfend auf die Emissionstätigkeit im Wertpapierbereich sowie das Liquiditätsmanagement auswirken. Sollte die Geldmarktpolitik wider Erwarten restriktiver werden, hätte dies positive Folgen für die Emissionstätigkeit im Wertpapierbereich, die Nutzung der Dienstleistungen im Sicherheiten- und Liquiditätsmanagement und die Nettozinserträge im Bankgeschäft. Die Ende 2015 vollzogene Zinswende in den USA wird die Nettozinserträge 2016 bei gleichem Liquiditätsbestand steigen lassen, da ein signifikanter Teil der Kundengelder in US-Dollar gehalten wird.

In Bezug auf die Kundenstruktur geht das Unternehmen weiterhin davon aus, dass sich die Konsolidierung in der Finanzbranche fortsetzen wird und sich Kunden im nationalen und internationalen Geschäft von Clearstream zusammenschließen werden. Die dann größeren Kunden würden von höheren Rabatten profitieren, was zu einem Rückgang der durchschnittlichen Entgelte führen könnte. Die Deutsche Börse steht im Bereich der Abwicklung und Verwahrung von internationalen Anleihen in einem besonders intensiven Wettbewerb, rechnet für den Prognosezeitraum aber nicht mit größeren Auswirkungen des Wettbewerbs auf ihre Nettoerlöse bzw. einem Verlust von Marktanteilen.

Segment Market Data + Services

Ziel des Segments ist der beschleunigte Ausbau der Technologieführerschaft und der Expertise im Marktdatenbereich, indem alle entsprechenden Kräfte im Unternehmen in einer eigenen, marktorientierten Geschäftseinheit zusammengeführt sind. Dies soll mittel- bis langfristig ungehobene Wachstumspotenziale eröffnen.

Im Prognosezeitraum rechnet das Unternehmen mit einem leichten Anstieg der Nettoerlöse im Bereich Market Data + Services. Diese Erwartung beruht auf der kontinuierlichen Erweiterung der Produktpalette in allen Bereichen und der zunehmenden Vermarktung dieser Produkte in Wachstumsregionen. Von dieser Entwicklung sollte insbesondere das Indexgeschäft der Gruppe profitieren. Zudem sieht die Gruppe in Anbetracht des strukturell deutlich wachsenden Marktes für passiv verwaltete Vermögen einen zusätzlichen Wachstumstreiber, der die Nachfrage nach Indexlizenzen für Exchange Traded Funds weiter stärken sollte. Neben dem Vertrieb der Indexlizenzen partizipiert die Gruppe auch an wachsenden Anlagevolumina in diesen Produkten. Die Gruppe sieht sich vor diesem Hintergrund gut aufgestellt, ihre global ausgerichtete Indexpalette zunehmend auch im asiatischen Markt positionieren zu können.

 

Weiterentwicklung der Preismodelle

Für den Prognosezeitraum rechnet die Deutsche Börse mit anhaltendem Preisdruck in einigen ihrer Geschäftsbereiche. Das Ziel des Unternehmens ist dabei, den Preisdruck über die kontinuierliche Verbesserung der Produkte und Dienstleistungen sowie über selektive Anreize für preiselastisches Geschäft abzufedern.

Langfristig gesehen ist damit zu rechnen, dass die durchschnittlichen Nettoerlöse pro relevanter Einheit (z. B. Handels- oder Clearingentgelte pro Transaktion, Entgelte für Verwahrdienstleistungen) in allen Bereichen der Gruppe leicht zurückgehen. Dies resultiert aus den gestaffelten Preismodellen, die bei einem Wachstum der Geschäftsaktivität der Kunden dazu führen, dass der Ertrag pro Einheit zurückgeht.