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Der erste Tag an der Börse

Der erste Tag an der Börse

Diese Bilder kennt fast jeder: Der Vorstand eines Unternehmens läutet stimmungsvoll die Börsenglocke auf dem Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse. Mit der ersten Preisfeststellung startet für das Unternehmen offiziell der Handel an der Börse. Doch wie wird der erste Börsenpreis festgestellt? Und welche Rolle kommt der Börse dabei zu?

Klaus Schäfer, CEO der Uniper SE, läutete mit der Börsenglocke den Handel ein. Hauke Stars (Mitglied des Vorstands, Deutsche Börse AG) begrüßte das Energieunternehmen auf dem Parkett.

Am Tag des Börsengangs werden die Aktien eines Unternehmens erstmals an der Börse gehandelt und können fortan von Anlegern im Rahmen eines öffentlich geregelten und überwachten Handels ge- und verkauft werden. Die Kapitalaufnahme des Unternehmens ist zu diesem Zeitpunkt längst abgeschlossen. Denn bereits im Vorfeld, im sogenannten Emissions- oder Primärmarkt, hat das Unternehmen seine Aktien an Investoren verkauft und damit  Kapital eingesammelt.

Mit dem ersten Tag an der Börse beginnt der Handel der Unternehmensanteile im sogenannten Sekundärmarkt. Gleichzeitig ist dieser Tag auch Ende des monatelangen Emissionsprozesses. Zahlreiche Akteure sind eingebunden, bis am Tag des Börsengangs schließlich der Handel an der Börse beginnen kann.

Die Akteure beim Börsengang

  • Der Emittent, also das  Unternehmen, dessen Wertpapiere künftig an der Börse gehandelt werden sollen, gibt Wertpapiere aus und bietet sie mit Hilfe eines Bankenkonsortiums interessierten Investoren vor dem Börsengang zum Kauf an (sogenannte Zeichnung)
  • Konsortialbanken unterstützen den Emittenten sowohl beim Verkauf seiner Wertpapiere als auch der Organisation des Börsengangs und übernehmen mit ihm die Prospekthaftung
  • Wird der Emittent von mehreren Konsortialbanken unterstützt, übernimmt der Konsortialführer die Koordination der Aufgabenverteilung zwischen den übrigen Konsortialbanken und dem Emittenten
  • Die an das elektronische Handelssystem der Frankfurter Wertpapierbörse angeschlossenen Handelsteilnehmer geben über Computer ihre Kauf- oder Verkaufangebote in Form von Orders ab, die im elektronisch geführten Orderbuch der Börse gesammelt werden und Grundlage der Börsenpreisfeststellung sind
  • Der Spezialist ist ein von der Börse beauftragter Handelsteilnehmer, der für bestimmte Wertpapiere fortlaufend Kauf- und Verkaufangebote abgibt und damit für genügend Angebot und Nachfrage im Börsenhandel sorgt (sogenannte Liquidität)
  • Designated Sponsors sind ebenfalls von der Börse beauftragte Handelsteilnehmer, die neben den Spezialisten für genügend Angebot und Nachfrage im Börsenhandel sorgen und damit die von ihnen betreuten Wertpapiere handelbar halten
  • Die Abteilung Listing der Deutsche Börse AG betreut den formalen Prozess der Börsenzulassung
  • Die Abteilung Market Supervision der Deutschen Börse begleitet den Börsengang und wickelt die Kommunikation mit den Handelsteilnehmern bis zur Feststellung des ersten Börsenpreises ab. Sie steht dem Konsortialführer für sämtliche Fragen zum Ablauf der IPO-Auktion zur Verfügung
  • Die Handelsüberwachungsstelle (HÜSt) der Frankfurter Wertpapierbörse überwacht nicht nur das Zustandekommen des ersten Preises am ersten Handelstag, sondern in der Folge lückenlos den gesamten Handel und alle weiteren Preisfeststellungen
  • Die Geschäftsführung der Frankfurter Wertpapierbörse genehmigt die Zulassung der Wertpapiere des Emittenten zum Börsenhandel

Der Weg bis zum ersten Handelstag

Podcast

"Mythen rund um Börsengänge"

Podcast (2:52) mit Cord Gebhardt, Geschäftsführer der Frankfurter Wertpapierbörse

Der Weg zum eigentlichen Börsengang beginnt mit zwei Verwaltungsverfahren, für die zwei unterschiedliche Behörden zuständig sind. Zunächst prüft die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin, den vom Emittenten und der Konsortialbank erstellten Prospekt. Erfüllt dieser alle gesetzlichen Voraussetzungen, erteilt die BaFin die Erlaubnis, die Wertpapiere öffentlich anzubieten. Damit kann, noch vor dem Börsenhandel, der Verkauf der Wertpapiere an interessierte Investoren beginnen.

Im Anschluss prüft die Frankfurter Wertpapierbörse, ob der Emittent und dessen Wertpapiere die gesetzlichen Zulassungsvoraussetzungen für den Börsenhandel erfüllen. Praktisch wird diese Aufgabe von der Abteilung Listing der Deutsche Börse AG betreut. Liegen alle formalen Zulassungsvoraussetzungen vor, erteilt die Geschäftsführung der Frankfurter Wertpapierbörse die Zulassung der Wertpapiere zum Börsenhandel. Die Börsenzulassung gleicht dabei einer Baugenehmigung: Die Formalien stimmen. Eine Bestätigung oder gar Garantie, dass das Haus auch wirtschaftlich betrieben werden kann, ist damit allerdings nicht verbunden. Nach der Börsenzulassung darf der Börsenhandel beginnen.

Während des gesamten Prozesses wird der Emittent von Konsortialbanken begleitet. Den Banken kommt eine wichtige Rolle zu: Sie übernehmen gemeinsam mit dem Emittenten die sogenannte Prospekthaftung – sie haften also für die angegebenen Informationen im Emissionsprospekt.

Das Event „Börsengang“

 

Handel an der Frankfurter Wertpapierbörse

An der Frankfurter Wertpapierbörse gibt es zwei verschiedene Handelsplätze: Hoch liquide Wertpapiere, für die im Börsenhandel jederzeit genügend Angebot und Nachfrage vorhanden ist, werden über den vollelektronischen Börsenplatz Xetra gehandelt. Hier unterstützen Designated Sponsors den Handel bei Bedarf durch zusätzliche Kauf- und Verkaufangebote.

Weniger liquide Wertpapiere werden am Handelsplatz Börse Frankfurt gehandelt, wo Spezialisten dauerhaft Angebot und Nachfrage sicherstellen.

Der Tag des Börsengangs

Am Tag des Börsengangs startet die Vorhandelsphase ab 7.00 Uhr. Die Handelsteilnehmer können jetzt ihre Aufträge eingeben.

Um 9.00 Uhr startet die Aufrufphase (Call IPO): Die ersten indikativen Preise werden nach dem Meistausführungsprinzip ermittelt und exklusiv dem Konsortialführer zur Verfügung gestellt Auf Basis dieser ersten Indikationen legt der Konsortialführer die Preisspanne fest, in der sich der potentielle Auktionspreis bewegen muss. Die Preisspanne wird über das Xetra Newsboard und über boerse-frankfurt.de veröffentlicht. Die Aufrufphase dauert mindestens 15 Minuten, kann sich aber je nach Orderbuchlage verlängern.

Während der gesamten Dauer der Aufrufphase steht die Market Supervision in engem Kontakt mit dem Konsortialführer, informiert ihn über Veränderungen der Orderbuchsituation, pflegt und veröffentlicht die Preisspanne und steuert die IPO-Auktion. Die Handelsteilnehmer können während der Aufrufphase jederzeit Aufträge eingeben, ändern oder löschen.

Gleichzeitig gibt der Spezialist am Handelsplatz Börse Frankfurt erste indikative Kauf- und Verkaufaufträge (Quotes) in das Handelssystem ein, die auch online und über die Anzeigetafel im Handelssaal veröffentlicht werden. Diese indikativen Quotes sind identisch mit der veröffentlichten Preisspanne auf Xetra.

Ablauf der Xetra IPO-Auktion

Hält der Konsortialführer die Preisbildung für abgeschlossen, wird das Xetra-Orderbuch gesperrt. Kauf- und Verkaufaufträge können damit nicht mehr eingegeben, verändert oder gelöscht werden. Diese Sperrung wird als Freeze-Phase bezeichnet. Liegen besondere Umstände vor, kann der Konsortialführer das Orderbuch wieder entsperren lassen und in die Call-IPO-Phase zurücksetzen. Kauf- und Verkaufaufträge können dann wieder erteilt werden. In diesem Fall sowie bei einer Veränderung der IPO Matching Range muss das Orderbuch für mindestens weitere zehn Minuten geöffnet bleiben, damit andere Handelsteilnehmer reagieren können. Erst danach darf das Orderbuch wieder gesperrt und der erste Preis festgestellt werden.

Der erste Preis

Sobald das Handelssystem den ersten Preis festgestellt hat, ruft der Spezialist diesen im Börsensaal aus. Der Preisausruf hat an sich keine relevante Bedeutung mehr, da an der Frankfurter Wertpapierbörse kein klassischer Parkett-Handel mehr stattfindet, bei dem Börsengeschäfte durch mündlichen Zuruf von Kauf- und Verkaufangeboten abgeschlossen werden. Im Anschluss daran läutet ein Vorstand des Börsenneulings die Börsenglocke.

Nach der ersten Preisfeststellung beginnt der reguläre Börsenhandel und die Handelsteilnehmer können fortlaufend ihre Kauf- und Verkaufaufträge eingeben. Im Xetra-Handel schließt sich unmittelbar an die IPO-Auktion eine weitere Auktion an, die etwa fünf Minuten dauert. Dabei werden alle Kauf- und Verkaufaufträge im System gegenübergestellt und der nächste Preis nach dem Meistausführungsprinzip ermittelt. Danach startet der fortlaufende Handel. Am Handelsplatz Börse Frankfurt beginnt der Handel in der sogenannten fortlaufenden Auktion.

Der nun Tag für Tag ermittelte Preis im Börsenhandel ist der Wert, den Investoren dem betreffenden Wertpapier und damit dem Emittenten beimessen.

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