Service Navigation

Sustainable Finance

Sustainable Finance

Klimawandel, Migration, fortschreitende Digitalisierung und Etablierung von sozialen Standards: aktuelle globale Herausforderungen erfordern eine nachhaltigere Entwicklung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – dieser Transformationsprozess wird auch die Kapitalmärkte stark beeinflussen. Welche Aspekte spielen beim Thema Sustainable Finance (nachhaltige Finanzwirtschaft) eine Rolle? Welche Rahmenbedingungen und neue Strukturen braucht es? Und welche Initiativen treiben das Thema voran?

Worum geht es bei Sustainable Finance?

Aktuelle globale Entwicklungen wie der Klimawandel, aber auch Migration, die fortschreitende Digitalisierung und die Etablierung von sozialen Standards stellen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft vor große Herausforderungen. Dazu zählen der zukunftsfähige Umbau ganzer Industriezweige, die Erreichung des 2-Grad-Ziels und die Realisierung der nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen sowie die Gegenfinanzierung der Schäden durch den Klimawandel. Dies alles wird global einen hohen Finanzierungsbedarf mit sich bringen.

Auch wenn es ein wachsendes Bewusstsein für neue Chancen und Risiken gibt, die mit diesem Wandel einhergehen und Sustainable Finance zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, so weist die wirtschaftliche Umsetzung am Markt noch deutlichen Nachholbedarf auf. Um diesen Veränderungen zeitnah Rechnung zu tragen, muss auch in der Finanzindustrie ein Umdenken stattfinden: es müssen konkrete Strukturen etabliert und Nachhaltigkeitskriterien grundlegend in das gesamte Finanzwesen einbezogen werden. Das bedeutet, dass Investitionsstrategien wie das mittel- bis langfristig angelegte Impact Investing, die bisher eher ein Nischendasein führen, mehr und mehr im Mainstream der internationalen Kapitalmärkte ankommen müssen.

Letztendlich geht es darum, Stabilität und Zukunftsfähigkeit von Finanzmärkten zu gewährleisten, indem die Auswirkungen von unternehmerischem Handeln, die Betrachtung von langfristigen Chancen und Risiken im Kerngeschäft sowie Nachhaltigkeitskriterien als Grundlage von Investitions- und Anlageentscheidungen berücksichtigt werden. Nur in einem solchen Umfeld kann die Finanzdienstleistungsbranche ihrer Verantwortung im Rahmen der Finanzierung globaler Transformationsprozesse in vollem Umfang gerecht werden.

Rolle als Infrastrukturanbieter

Als Infrastrukturanbieter möchte die Deutsche Börse Märkte nicht nur bereitstellen, sondern sie auch aktiv gestalten. Dies tut sie im Bewusstsein ihres öffentlich-rechtlichen Auftrags und mit dem Ziel integre, transparente und sichere Strukturen zu etablieren. Genau hier liegen der gesellschaftliche Wertbeitrag einer Börse und ihre Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung, denn die nachhaltige Ausrichtung der Finanzindustrie ist eng verbunden mit der weiteren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung und der Erhaltung der Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Deutschland.

 

Die Finanzmärkte zukunftsfähig zu machen kann jedoch nur mit vereinten Kräften gelingen. Aus diesem Anlass hat die Deutsche Börse zusammen mit weiteren Akteuren zwei Nachhaltigkeitsinitiativen ins Leben gerufen.

Green and Sustainable Finance Cluster Germany

Das „Green and Sustainable Finance Cluster Germany“ ist eine Nachhaltigkeitsinitiative am Finanzplatz Deutschland und hat sich im April 2018 aus der Accelerating Sustainable Finance-Initiative der Deutschen Börse und dem Green Finance Cluster des Hessischen Wirtschaftsministerium zusammengeschlossen. Das neue Cluster verfolgt das Ziel, die nachhaltige Entwicklung und den damit verbundenen Transformationsprozess in der Finanzbranche weiter voranzutreiben. Dabei nutzt das Cluster die gebündelte Finanzmarktexpertise, um Finanzmarktstrukturen zukunftsfähig zu machen – sowohl national als auch europaweit.

In seinem aktuellen Baseline-Report hat das Green and Sustainable Finance Cluster Germany den Status quo zu nachhaltiger Finanzierung in Deutschland untersucht. Auf dieser Grundlage hat das Cluster vier Handlungsfelder definiert, innerhalb derer konkrete Projekte ausgearbeitet werden.

Auf europäischer Ebene gestaltet das Cluster den Prozess der nachhaltigen Entwicklung aktiv mit: es unterstützt die Umsetzung des Aktionsplans zu Sustainable Finance der EU-Kommission und ist dort Mitglied der Technical Expert Group.

Die Geschäfte des Clusters werden gleichberechtigt von Kristina Jeromin, Head of Group Sustainability der Gruppe Deutsche Börse, und Karsten Löffler, Co-Head Frankfurt School – UNEP Collaborating Centre for Climate & Sustainable Energy Finance, geführt.

Das Cluster ist als Verein organisiert. Die aktuellen Sponsoren sind BNP Paribas Germany, Commerzbank AG, DekaBank Deutsche Girozentrale, Deutsche Bank AG, Deutsche Börse AG, DZ BANK AG Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank, Helaba, KfW Bankengruppe und Metzler Asset Management GmbH. Sitz des Clusters ist die Frankfurt School of Finance & Management.

Die im Cluster fortgeführte Accelerating Sustainable Finance-Initiative wurde 2017 von der Deutschen Börse und wichtigen Akteuren des Finanzplatzes Frankfurt gegründet. In diesem Zusammenhang unterzeichneten die Teilnehmer mit der „Frankfurter Erklärung“ eine gemeinsame Absichtserklärung zur Schaffung nachhaltiger Infrastrukturen in der Finanzwirtschaft. Die Unterzeichner der Frankfurter Erklärung unterstützen das neue Green and Sustainable Finance Cluster Germany.

Hub for Sustainable Finance Germany

Im Sommer 2017 haben die Deutsche Börse und der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) den „Hub for Sustainable Finance Germany“ (H4SF) gegründet. Der Hub ist ein offenes Netzwerk von Finanzmarktakteuren und weiteren Stakeholdern, die aktiv zu einem nachhaltigen Finanzsystem in Deutschland beitragen. Der Fokus liegt dabei auf Aspekten der Regulierung, marktgerechten Instrumenten und Kriterien, die eine nachhaltige Entwicklung des Finanzsystems fördern.

So diskutiert der Hub aktuell zentrale Thesen zur Entwicklung und Stärkung einer nachhaltigen Finanzwirtschaft in Deutschland. Diese werden als Grundlage für konkrete Empfehlungen an die Bundesregierung dienen und berücksichtigen die wichtigsten Punkte des Sustainable Finance Cluster, aus dem Zwischenbericht der High-Level Expert Group on Sustainable Finance der EU-Kommission, der PRI Roadmap für Deutschland, dem Diskussionspapier zu Sustainable Finance des RNE und den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) des Finanzstabilitätsrats.

Netzwerk und Partnerschaften

Das Thema Sustainable Finance gewinnt weltweit an Bedeutung und am Markt entwickeln sich entsprechende Strukturen. Diese können aber nur mit allen Akteuren gemeinsam etabliert werden. Hinsichtlich der Initiativen und deren möglicher Anschlussfähigkeiten tauscht die Deutsche Börse sich regelmäßig mit Partnern aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik aus – national und international.

Neben der Kooperation mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung ist die Deutsche Börse als Mitglied wie auch im Vorstand von econsense, dem Forum für Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft, aktiv. Aber auch der Austausch mit anderen Finanzplätzen – beispielsweise im Rahmen der Sustainable Stock Exchanges (SEE)-Initiative der Vereinten Nationen, dem Network of Financial Centres for Sustainability oder auch der Sustainability Working Group der World Federation of Exchanges (WFE) – gibt wichtige Impulse um nachhaltige Finanzwirtschaft weiter voranzutreiben.

Nachhaltige Produkte und Services

Mit rund 100 Nachhaltigkeitsindizes bietet die Gruppe Deutsche Börse auch ein eigenes Service- und Produktportfolio an, z. B. die Indexfamilien STOXX® ESG Leaders und STOXX® Low Carbon. Das Volumen beläuft sich auf rund 12,5 Mio. €. Derzeit sind zwei ETFs mit Nachhaltigkeitsfokus an der Börse Frankfurt handelbar: der FlexShares STOXX® Global ESG Impact-Index und der FlexShares STOXX® USA ESG Impact-Index. Wir verstehen es als unsere Verantwortung als Kapitalmarktorganisator diese Thematik in der wirtschaftlichen Umsetzung weiter voranzutreiben.

Bedeutung von ESG-Daten

Im Zusammenhang mit nachhaltigen Finanzen sind Kennzahlen aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Environmental, Social and Governance, ESG) und deren Veröffentlichung von großer Bedeutung. Kerngeschäftsbasierte ESG-Daten erlauben eine ganzheitlichere und vor allem zukunftsorientierte Bemessung des Unternehmenswertes und sind als erweiterte Finanzkennzahlen unverzichtbar. Denn Klima- und Umweltrisiken, soziale Faktoren und Aspekte der Unternehmensführung werden für den Finanzsektor zur Risikobewertung eine essentielle Rolle spielen.

Investoren, Vermögenseigentümern und -verwaltern dienen die im Rahmen der Berichterstattung bereitgestellten Informationen beispielsweise dazu, mit ihren Anlageentscheidungen verbundenen Chancen und -risiken besser zu erkennen und fundierte Entscheidungen treffen zu können. Unternehmen können anhand der Erhebung von ESG-Daten Risiken entlang ihrer Wertschöpfungskette identifizieren und entsprechend bewältigen, um so ihren mittel- und langfristigen Geschäftserfolg zu sichern.

Und nicht zuletzt sorgt mehr Transparenz über mögliche sektorübergreifende Risiken für größere Stabilität an den Kapitalmärkten. Laut dem Peer Review Report der internationalen Expertenkommission, die die Umsetzung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie alle vier Jahre bewertet, ist der Beitrag der Finanzindustrie bis dato jedoch noch unterentwickelt. Die Deutsche Börse unterstützt die Initiative der Task Force on Climate-related Financial Disclosures als wichtigen Impuls zur intensiveren Auseinandersetzung mit diesen Risiken und Auswirkungen als finanzrelevante Größen.