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Finalisten für den Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2019 bekannt gegeben

Datum: 05. Nov 2018 | Deutsche Börse Photography Foundation

Finalisten für den Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2019 bekannt gegeben

Die Künstler der Shortlist sind: Laia Abril, Susan Meiselas, Arwed Messmer und Mark Ruwedel

Die vier Finalisten für den Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2019 sind Laia Abril, Susan Meiselas, Arwed Messmer und Mark Ruwedel.

Die renommierte jährliche Auszeichnung feiert in diesem Jahr ihr 22-jähriges Bestehen. Sie wurde von der Londoner Photographers' Gallery ins Leben gerufen und wird gemeinsam mit der Deutsche Börse Photography Foundation vergeben. Nominiert werden Künstler und Projekte, die in den vorangegangenen zwölf Monaten einen bedeutenden Beitrag zum Medium Fotografie in Europa geleistet haben.

Die diesjährigen Finalisten erforschen mit unterschiedlichen fotografischen Ansätzen und Bildsprachen eine Vielfalt an aktuellen Themen. Ihre Projekte befassen sich mit politischen und genderbezogenen Debatten, ebenso wie mit sozialer Ungerechtigkeit und Menschenrechtsfragen. Dabei reichen ihre künstlerischen Strategien von konzeptionellen Ansätzen bis zur eigenen Bildproduktion. Die Werke der Finalisten werden zunächst von 8. März - 2. Juni 2019 in der Photographersˈ Gallery und anschließend in der Unternehmenszentrale der Deutschen Börse in Eschborn/Frankfurt gezeigt.

Der Gewinner der mit 30.000 £ dotierten Auszeichnung erfolgt am 16. Mai 2019 wird im Rahmen einer Preisverleihung in der Photographersˈ Gallery in London bekanntgegeben.

Die Finalisten und ihre Projekte:

Laia Abril (geb. 1986, Spanien) wurde für ihr Buch On Abortion (Dewi Lewis Publishing, November 2017) nominiert.

Laia Abril, Illegal Instrument Kit, 2018, © Laia Abril, 2018

On Abortion ist eine visuelle Recherche, die sich mit der Geschichte, der Gegenwart und der aktuellen Entwicklung des Themas Abtreibung befasst und die kontinuierliche Verletzung der Selbstbestimmungsrechte von Frauen aufzeigt. Seit Jahrhunderten suchen Menschen nach Möglichkeiten, riskante oder ungewollte Schwangerschaften zu beenden. Zwar gibt es heutzutage sichere und effiziente Mittel für den Abbruch einer Schwangerschaft, dennoch sind viele Frauen gezwungen, auf altertümliche, illegale oder riskante Methoden zurückzugreifen. So kommt es jedes Jahr zu etwa 47.000 Todesfällen durch missglückte Eingriffe. In dieser sorgfältig recherchierten Arbeit dokumentiert Abril die physischen und psychischen Gefahren, die mit dem mangelnden Zugang zu einem legalen, sicheren und kostenlosen Schwangerschaftsabbruch verbunden sind. Ihre Sammlung aus Bild-, Audio- und Textmaterial belegt auf eindrückliche Weise, welche Folgen riskante Methoden der Abtreibung haben. Das gesammelte Material wirft komplexe ethische und moralische Fragen rund um diese Thematik auf und stellt die verschiedenen gesellschaftlich bedingten Beweggründe, Stigmata und Tabus dar, die in Bezug auf Abtreibung noch immer vorherrschen. On Abortion ist das erste Kapitel von Abrils länger angelegtem Projekt, A History of Misogyny.

Susan Meiselas (geb. 1948, USA) wurde für die Ausstellung Mediations (Jeu de Paume, Paris, 6. Februar – 30. Mai 2018) nominiert.

Susan Meiselas, Dee and Lisa on Mott Street, Little Italy, New York, 1976, © Susan Meiselas, 2018

Susan Meiselas gilt als eine der weltweit führenden Dokumentarfotografinnen. Erstmals bekannt wurde sie für ihre Arbeiten, die zwischen 1978 und 1983 in den Konfliktzonen Zentralamerikas entstanden sind; besonders eindringlich sind ihre Fotografien, die die Revolution in Nicaragua dokumentieren. Meiselas‘ Ansatz ist einfühlsam, sie arbeitet mit ihren Sujets oft über einen längeren Zeitraum. Ihre Motive umfassen eine Vielzahl schwieriger Themen rund um ethnische und religiöse Konflikte, Menschenrechte und die Sex-Industrie. Meiselas bedient sich in ihren Arbeiten unterschiedlicher Methoden, so kombiniert sie fotografische Essays, Installationen, Audios, Film und gedrucktes Material. Mediations ist die umfassendste Retrospektive von Meiselas’ Arbeit in Europa, bei der Fotoserien aus den 1970er-Jahren bis zur Gegenwart zu sehen sind. Die Ausstellung zeigt ihren einzigartigen Ansatz als Künstlerin, die ständig die Bedeutung des Bildes in Bezug auf den Kontext hinterfragt, in dem es erscheint.

Arwed Messmer (geb. 1964, Deutschland) wurde für seine Ausstellung RAF – No Evidence / Kein Beweis (ZEPHYR|Raum für Fotografie, Mannheim, 9. September – 5. November 2017) nominiert.

Arwed Messmer, RAF No Evidence/Kein Beweis, 2017, © Arwed Messmer: research, concept and editing; source: Berlin Police Historical Collection, 2018

Diese Arbeit spannt den Bogen von den Anfängen bis zum Ende der Roten Armee Fraktion (RAF). Die linksextremistische Vereinigung, 1970 entstanden, verübte im Verlauf von über dreißig Jahren eine Reihe von gewalttätigen Terroranschlägen in Deutschland. Messmer konzentriert sich in seiner Arbeit auf den Zeitraum von 1967 bis 1977. Er zeichnet die Beteiligung der Gruppe an Ereignissen wie den Studentenunruhen 1968 und der Gewaltentladung des „Deutschen Herbsts“ 1977 nach. Seine Arbeit basiert auf einer Vielzahl von Bildquellen aus verschiedenen staatlichen Archiven, darunter eine umfassende Sammlung an erkennungsdienstlichen Aufnahmen, Tatortbildern und Dokumentarfotografien. Das Spektrum reicht hier von banalen Aufnahmen bis hin zu surreal anmutenden Bildern. Indem er die Werkzeuge und Materialien, die bei polizeilichen Ermittlungen und der Rekonstruktion von Tatorten zum Einsatz kommen, in einen neuen Kontext stellt, untersucht Messmers „Erzählung“, wie Bilder, die ursprünglich für die Beweisaufnahme bei Straftaten gemacht wurden, einen anderen Blick auf die Vergangenheit eröffnen.

Mark Ruwedel (geb. 1955, USA) wurde für die Ausstellung Artist and Society: Mark Ruwedel (16. Februar – 16. Dezember 2018, Tate Modern, London) nominiert.

Mark Ruwedel, Columbia & Western #8, 1999, © Mark Ruwedel, 2018

Mit seinen Fotografien, die über einen Zeitraum von vielen Jahren in Nordamerika entstanden sind, geht Mark Ruwedel der Frage nach, welche Spuren geologische, historische und politische Ereignisse in der Landschaft hinterlassen. Die Arbeiten in dieser Ausstellung stammen aus der Zeit von 1995 bis 2012 und sie zeugen von Ruwedels Interesse an der Geschichte der Fotografie sowie an den konzeptionellen Kunstformen der 1960er und 1970er Jahren. Mark Ruwedel verbindet in seinen Arbeiten dokumentarische und konzeptuelle Ansätze der bildlichen Darstellung. Oftmals fotografiert er dabei immer wieder dasselbe Motiv. Sein Werk ist aber auch von der „Land Art“ beeinflusst, wie seine Bilder von weiten Landschaften, stillgelegten Bahnstrecken, verlassenen Atomtestgeländen und verlassenen Wohnhäusern belegen. Mit der Verwendung von altmodischen Fotopapieren, der traditionellen Entwicklung in der Dunkelkammer und handgeschriebenen Bildunterschriften verweisen seine Werke auf eine historische fotografische Praxis. Sein Faible für den fotografischen Belichtungsprozess sowie den Objektcharakter von Fotografien zeigt sich zudem an den handgefertigten Büchern, die einen wesentlichen Teil seiner künstlerischen Arbeit darstellen.

Jury und Begründungen 2019

Die Jury für den Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2019 setzt sich zusammen aus: Sunil Gupta, Künstler, Schriftsteller und Kurator; Diane Dufour, Direktorin des Le Bal, Paris; Felix Hoffmann, Hauptkurator der C/O Berlin; Anne-Marie Beckmann, Direktorin, Deutsche Börse Photography Foundation, Frankfurt. Brett Rogers, Direktorin, The Photographersˈ Gallery, London ist weiterhin Jury-Vorsitzende ohne Stimmrecht.

Brett Rogers, Direktorin, The Photographersˈ Gallery: „Der Deutsche Börse Photography Foundation Prize wurde vor mehr als 20 Jahren ins Leben gerufen um Fotokünstler mit besonderer künstlerischer Begabung auszuzeichnen und zu fördern. Die Auszeichnung ist nach wie vor ein wichtiger Gradmesser für Innovation, Originalität und Qualität in der zeitgenössischen Fotografie. Jedes Jahr werden für den Preis Künstler nominiert, die sich auf einzigartige Weise mit dem Medium Fotografie auseinandersetzen und die Bildsprache und Möglichkeiten der Fotografie erweitern. Die Finalisten 2019 setzen diese Tradition fort und stehen für die unzähligen Möglichkeiten, wie sich fotografische Bilder mit der heutigen Welt auseinandersetzen. Ob die Künstler nun einen dokumentarischen oder konzeptuellen Ansatz verfolgen (Ruwedel, Meiselas, Abril) oder Archivmaterial verwenden (Messmer) – alle vier verbindet ein großes Maß an persönlichem Engagement sowie ein unverfälschtes Bewusstsein für und der Bezug zu Geschichte und Gegenwart.“

Anne-Marie Beckmann, Direktorin der Deutsche Börse Photography Foundation sagte: „Wir freuen uns, die vier Finalisten des Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2019 vorzustellen. Die diesjährige Shortlist verweist eindrucksvoll auf die Vielfalt des Mediums Fotografie als künstlerische Ausdrucksform sowie auf seine Relevanz in der heutigen Zeit. Die gezeigten Projekte umfassen klassische Schwarz-Weiß-Fotografien ebenso wie archivbasierte Positionen, und setzen sich mit höchst aktuellen Themen ebenso auseinander wie mit Vergangenheitsbewältigung. Wir freuen uns sehr darauf, sie 2019 in unseren Räumlichkeiten zu präsentieren - dem Jahr, in dem wir das 20-jährige Bestehen unserer Kunstsammlung feiern.“

Über die Deutsche Börse Photography Foundation

Die Deutsche Börse Photography Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt. Die Schwerpunkte der Stiftungsaktivitäten liegen im Bereich Sammeln, Ausstellen und Fördern von zeitgenössischer Fotografie. Im Jahr 1999 hat die Gruppe Deutsche Börse mit dem Aufbau ihrer Sammlung zeitgenössischer Fotografie begonnen. Der weitere Ausbau der Art Collection Deutsche Börse, die aktuell rund 1.800 Arbeiten von über 120 internationalen Künstlern umfasst, gehört zu den zentralen Aufgaben der Stiftung. Die Sammlung und ein wechselndes Ausstellungsprogramm sind öffentlich zugänglich. 2019 feiert die Art Collection Deutsche Börse ihr 20-jähriges Bestehen, das das ganze Jahr über mit einem besonderen Programm gefeiert wird. Gemeinsam mit der Photographersˈ Gallery in London vergibt die Foundation jährlich den renommierten Deutsche Börse Photography Foundation Prize. Die Förderung von jungen Künstlern ist der Stiftung ein besonderes Anliegen. Sie unterstützt diese in Form von Auszeichnungen, Stipendien, Ausstellungen und Kooperationen mit anderen Institutionen, wie dem Foam Talents Programm des Foam Fotografiemuseum Amsterdam. Weitere Schwerpunkte sind die Unterstützung von Ausstellungsprojekten internationaler Museen und Institutionen sowie der Ausbau von Plattformen für den wissenschaftlichen Austausch über das Medium.

Geschichte des Deutsche Börse Photography Foundation Prize

Der Photography Prize wurde 1997 von der Photographersˈ Gallery ins Leben gerufen und gilt als einer der renommiertesten internationalen Kunstpreise, der im Laufe der Jahre vielen Fotografen den Weg zu einer großen Karriere geebnet hat. Bis zum Beginn der Zusammenarbeit zwischen der Photographers' Gallery und der Gruppe Deutsche Börse als Titelsponsor im Jahr 2005 war der Preis noch unter dem Namen Citigroup Photography Prize bekannt. Seit 2016 wird der Preis unter dem Namen Deutsche Börse Photography Foundation Prize vergeben, die gemeinnützige Stiftung widmet sich der Sammlung, Ausstellung und Förderung zeitgenössischer Fotografie. Gewinner des Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2018 war Luke Willis Thompson für sein filmisches Portrait autoportrait. Weitere ehemalige Gewinner sind Trevor Paglen, Paul Graham, Juergen Teller, Rineke Dijkstra, Richard Billingham, John Stezaker und Adam Broomberg & Oliver Chanarin.

The Photographers' Gallery

Die Photographers' Gallery eröffnete 1971 in der Great Newport Street in London als erste unabhängige Galerie mit Schwerpunkt Fotografie im Vereinigten Königreich. In dieser ersten öffentlichen Galerie des Landes wurden seither viele namhafte Künstler der internationalen Fotografie ausgestellt, darunter Juergen Teller, Robert Capa, Sebastião Salgado und Andreas Gursky. Die Galerie hat wesentlich dazu beigetragen, zeitgenössische britische Fotografen wie Martin Parr und Corinne Day bekannt zu machen. Im Jahr 2009 zog die Galerie in die 16-18 Ramillies Street in Soho um und bewältigte damit den ersten Schritt in ihrem Plan, ein Zuhause für die Fotografie des 21. Jahrhunderts zu schaffen. In den letzten vier Jahrzehnten hat der Erfolg der Photographers' Gallery dazu beigetragen, Fotografie als eine anerkannte Form der Kunst zu etablieren, neues Publikum für die Fotografie zu gewinnen und ihr einen festen Platz im Zentrum der visuellen Kunst zu verschaffen.

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