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Luke Willis Thompson mit dem Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2018 ausgezeichnet

Datum: 18. Mai 2018 | Deutsche Börse Photography Foundation

Luke Willis Thompson mit dem Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2018 ausgezeichnet

Der Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2018 ist am Donnerstagabend, 17. Mai 2018, in der Photographers’ Gallery in London an den neuseeländischen Künstler Luke Willis Thompson verliehen worden. Die renommierte und mit 30.000 GBP dotierte Auszeichnung wurde Thompson für autoportrait, ein filmisches Portrait über Diamond Reynolds, verliehen.

Luke Willis Thompsons Installation zeigt den 35 mm Schwarz-Weiß-Film autoportrait, ein stummes Portrait von Diamond Reynolds. Reynolds musste am 6. Juli 2016 in Minnesota, USA mitansehen, wie ihr Partner Philando Castile von einem Polizisten erschossen wurde. Reynolds hatte die Situation unmittelbar nach den tödlichen Schüssen gefilmt und über Facebook Live veröffentlicht. Ihr Video wurde daraufhin mehr als sechs Millionen Mal angeklickt. Im November 2016 nahm Thompson Kontakt zu Reynolds und ihrem Anwalt auf und schlug Reynolds eine künstlerische Zusammenarbeit vor, um eine ästhetische Antwort auf die Videoaufnahme von Reynolds zu finden. Dieses Werk soll mit dem öffentlichen Bild von Reynolds brechen, welches durch die Momentaufnahme einer Frau im Angesicht von Gewalt und einem nicht versiegenden Nachrichtenfluss geprägt wurde.

Der Gewinner wurde von der Jury für den Deutsche Börse Photography Prize 2018 ausgewählt, die sich zusammensetzt aus: Duncan Forbes, Kurator und Gastlektor an der Westminster University; Gordon MacDonald, Kurator und Editor; Penelope Umbrico, Künstlerin; Anne-Marie Beckmann, Direktorin der Deutsche Börse Photography Foundation; sowie Brett Rogers, Direktorin The Photographers’ Gallery als Jury-Vorsitzende ohne Stimmrecht.

Brett Rogers, Direktorin, The Photographers’ Gallery, sagte:

“Die diesjährige Entscheidung der Jury folgte langen und tiefgreifenden Diskussionen darüber, was die Fotografie heute maßgeblich auszeichnet. Dazu zählt ihre nahezu einzigartige Stärke, die öffentliche Aufmerksamkeit auf einige der dringlichsten sozialen und politischen Themen unserer Zeit zu lenken.

Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung für die Auszeichnung auf Luke gefallen. Mit seinem außergewöhnlichen und kompromisslosen Portrait, welches in Zusammenarbeit mit Diamond Reynolds entstanden ist, gelingt es ihm, der Protagonistin die Kontrolle über ihr eigenes Bild wieder zurückgegeben.

Als Anwärter auf einen Preis, der Fotografie auszeichnet, durchdringt autoportrait das Format des Bewegtbilds, das mit beeindruckender Qualität wie ein Standbild anmutet. Während es die Aufmerksamkeit auf die Materialität lenkt, fordert es die Zuschauer zugleich heraus, sich mit der persönlichen Darstellung in einer Umgebung, die sowohl intim wie auch kollektiv wirkt, auseinanderzusetzen. Thompsons Arbeit gibt einen wichtigen Impuls zu der Debatte über Urheberschaft und Verbreitung von Bildern.“

Anne-Marie Beckmann, Direktorin der Deutsche Börse Photography Foundation, sagte: „Wir gratulieren Luke Willis Thompson, dem Gewinner des Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2018. Mit seiner leisen filmischen Studie autoportrait leistet er einen bedeutenden Beitrag zur zeitgenössischen Fotografie. Autoportrait setzt sich mit der höchstrelevantesten Thematik von Selbstdarstellung und Recht am eigenen Bild in unserer heutigen komplexen Medienwelt auseinander. Wir freuen uns sehr, die Ausstellung bald im MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt zeigen zu können, wo die Arbeiten der vier Finalisten als Teil der Fotografietriennale RAY 2018 zu sehen sein werden.“

Luke Willis Thompson (geb. 1988, Neuseeland) besuchte die Elam School of Fine Arts University in Auckland und die Städelschule in Frankfurt am Main. Seine Arbeiten wurden bereits in Ausstellungen im Rahmen der São Paulo Biennale; der Montréal Biennale; der Asia Pacific Triennial, Queensland und der New Museum Triennial, New York gezeigt. Thompson ist 2014 mit Walters’ Prize ausgezeichnet worden und ist in diesem Jahr für den Turner Prize nominiert.

Die Arbeiten der diesjährigen vier Finalisten Mathieu Asselin, Rafal Milach, Batia Suter und Luke Willis Thompson sind noch bis 3. Juni in der Photographers‘ Gallery in London zu sehen. Anschließend wird die Ausstellung im Rahmen der Fotografietriennale RAY 2018 vom 22. Juni bis 9. September 2018 im MMK 3 desMMK Museum für Moderne Kunst gezeigt.

Die Arbeiten der diesjährigen Finalisten hinterfragen mit sehr unterschiedlichen visuellen Formaten die Produktion und Manipulation von Wissen und politischen Systemen. Sowohl gemeinsam als auch einzeln betrachtet regen die vier Projekte zu einer künstlerischen Erforschung der Mechanismen von Sichtbarkeit und Verschleierung an und hinterfragen die Bedeutung und Rolle der bildhaften Darstellung in der Gegenwartskultur.

2018 feiert der Photography Prize sein 21-jähriges Bestehen und behauptet seine Rolle als renommierte Auszeichnung von besonderer künstlerischer Begabung, herausragenden Leistungen und Innovation. Der Photography Prize wurde 1997 von der Londoner Photographers' Gallery ins Leben gerufen und wird gemeinsam mit der Deutsche Börse Photography Foundation vergeben. Der mit 30.000 £ dotierte Preis wird an einen lebenden Fotokünstler beliebiger Nationalität vergeben, der im Zeitraum vom 1. September 2016 bis 30. September 2017 in Form einer Ausstellung oder Publikation in Europa einen bedeutenden Beitrag zum Medium Fotografie geleistet hat. Der Photography Prize widmet sich dem Ausstellen fotografischer Arbeiten aus allen Genres, die außergewöhnliche Standpunkte und einen erfahrenen Umgang mit der fotografischen Praxis aufweisen.

Über die Deutsche Börse Photography Foundation

Die Deutsche Börse Photography Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt. Die Schwerpunkte der Stiftungsaktivitäten liegen im Bereich Sammeln, Ausstellen und Fördern von zeitgenössischer Fotografie. Im Jahr 1999 hat die Gruppe Deutsche Börse mit dem Aufbau ihrer Sammlung zeitgenössischer Fotografie begonnen. Der weitere Ausbau der Art Collection Deutsche Börse, die aktuell mehr als 1.700 Arbeiten von über 120 internationalen Künstlern umfasst, gehört zu den zentralen Aufgaben der Stiftung. Die Sammlung und ein wechselndes Ausstellungsprogramm sind öffentlich zugänglich. Die Förderung von jungen Künstlern ist der Stiftung ein wichtiges Anliegen. Die Aktivitäten der Foundation umfassen Auszeichnungen, Stipendien und Ausstellungen, z.B. Kooperationen mit dem Foam Talents Programm oder der Frankfurter Künstlerhilfe. Weitere Schwerpunkte sind die Unterstützung von Ausstellungsprojekten internationaler Museen und Institutionen sowie der Ausbau von Plattformen für den wissenschaftlichen Austausch über das Medium.

Geschichte des Deutsche Börse Photography Foundation Prize

Der Photography Prize wurde 1997 von der Photographers‘ Gallery ins Leben gerufen. Der Preis gilt als einer der renommiertesten internationalen Kunstpreise, der im Laufe der Jahre vielen Fotografen den Weg zu einer großen Karriere geebnet hat. Bis zum Beginn der Zusammenarbeit zwischen der Photographers' Gallery und der Gruppe Deutsche Börse als Titelsponsor im Jahr 2005 war der Preis noch unter dem Namen Citigroup Photography Prize bekannt. Seit 2016 wird der Preis unter dem Namen Deutsche Börse Photography Foundation Prize vergeben, die gemeinnützige Stiftung widmet sich der Sammlung, Ausstellung und Förderung zeitgenössischer Fotografie. Gewinnerin des Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2017 war Dana Lixenberg für ihre Publikation „Imperial Courts 1993-2015“ (Roma Publishing). Weitere ehemalige Gewinner sind Trevor Paglen, Paul Graham, Juergen Teller, Rineke Dijkstra, Richard Billingham, John Stezaker und Adam Broomberg & Oliver Chanarin.

The Photographers' Gallery

Die Photographers' Gallery eröffnete 1971 in der Great Newport Street in London als erste unabhängige Galerie mit Schwerpunkt Fotografie im Vereinigten Königreich. In dieser ersten öffentlichen Galerie des Landes wurden seither viele namhafte Künstler der internationalen Fotografie ausgestellt, darunter Juergen Teller, Robert Capa, Sebastião Salgado und Andreas Gursky. Die Galerie hat wesentlich dazu beigetragen, zeitgenössische britische Fotografen wie Martin Parr und Corinne Day bekannt zu machen. Im Jahr 2009 zog die Galerie in die 16-18 Ramillies Street in Soho um und bewältigte damit den ersten Schritt in ihrem Plan, ein Zuhause für die Fotografie des 21. Jahrhunderts zu schaffen. In den letzten vier Jahrzehnten hat der Erfolg der Photographers' Gallery dazu beigetragen, Fotografie als eine anerkannte Form der Kunst zu etablieren, neues Publikum für die Fotografie zu gewinnen und ihr einen festen Platz im Zentrum der visuellen Kunst zu verschaffen.

 

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