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Algo/HFT

Algorithmischer Handel/HFT

MiFID II/MiFIR bezeichnen algorithmischen Handel als Handel mit einem Finanzinstrument, „bei dem ein Computeralgorithmus die einzelnen Auftragsparameter automatisch bestimmt, z. B. ob der Auftrag eingeleitet werden soll, Zeitpunkt, Preis bzw. Quantität des Auftrags oder wie der Auftrag nach seiner Einreichung mit eingeschränkter oder gar keiner menschlichen Beteiligung bearbeitet werden soll“.

Beteiligte Firmen müssen nicht nur gewährleisten, dass sie die für die Robustheit ihrer Systeme notwendige technische Infrastruktur unterhalten. Ihre Risikokontroll- und Betriebskapazitäten müssen darüber hinaus gewährleisten, dass sie bestimmte algorithmische Handelsschwellen einhalten und die Platzierung fehlerhafter Orders oder sonstiges Fehlverhalten vermeiden können, das zu Marktverzerrungen führt bzw. diese verstärkt oder gegen Marktmissbrauchs- oder Handelsplatzbestimmungen verstößt.

Vorkehrungen für die Geschäftskontinuität müssen dafür sorgen, dass die operative Robustheit getestet und überwacht wird. Wertpapierfirmen sind verpflichtet, den zuständigen Behörden auf deren Aufforderung jederzeit eine Beschreibung der Art ihrer algorithmischen Handelsstrategien und Einzelheiten über die Handelsparameter oder Limiten, denen das System unterliegt, die wesentlichen bestehenden Compliance- und Risikokontrollen sowie über Tests ihres Systems zu übermitteln.

Eine Wertpapierfirma, die in Verfolgung einer Market-Making-Strategie algorithmischen Handel betreibt, muss sicherstellen, dass „dieses Market Making während eines festgelegten Teils der Handelszeiten des Handelsplatzes kontinuierlich betrieben wird“. Dieser festgelegte Teil ist in den technischen Regulierungsstandards anzugeben, wobei die Besonderheiten des gehandelten Finanzinstruments sowie die Liquidität, Größe und Art des Marktes, an dem es gehandelt wird, zu berücksichtigen sind. Auch hier sollten geeignete Systeme und Kontrollen vorhanden sein.

Handelsplätze müssen einen Beitrag zur Vermeidung von Verzerrungen leisten, die durch den algorithmischen Handel verursacht werden. Zu diesem Zweck müssen sie Vorkehrungen treffen, um den Handel bei Bedarf zu unterbrechen, Mindestgrößen für Tick Sizes festlegen und das Verhältnis von unausgeführten Aufträgen zu Geschäften begrenzen. Darüber hinaus müssen sie den Händlern auf ihren Systemen Gelegenheit bieten, Algorithmen zu testen, und sie in die Lage versetzen, den algorithmischen Handel, seine Muster und die verantwortlichen Personen zu identifizieren.

Damit die zuständigen Behörden diese Art des Handels wirksam überwachen und nötigenfalls begrenzen oder stoppen können, müssen alle betreffenden Orders entsprechend gekennzeichnet werden. Die Kennzeichnung dient dem Zweck, algorithmisch herbeigeführte Orders identifizieren und unterscheiden zu können, um sie den verschiedenen Algorithmen zuordnen zu können, von denen sie stammen, sowie die Strategien algorithmischer Händler bewerten zu können. In diesem Zusammenhang verpflichten MiFID II/MiFIR die ESMA zu regelmäßigen Konsultationen mit nationalen Experten, um mit Entwicklungen der Handelstechnologie und -praxis Schritt zu halten.

Hochfrequenter algorithmischer Handel

Hochfrequenter algorithmischer Handel ist nach MiFID II/MiFIR eine Untergruppe des algorithmischen Handels.

Nach MiFID II/MiFIR ist hochfrequenter algorithmischer Handel eine Technik, die gekennzeichnet ist durch

  • eine Infrastruktur zur Minimierung von Netzwerklatenzen und anderen Verzögerungen bei der Orderübertragung (Latenzen) über Kollokation, Proximity Hosting oder direkten elektronischen Hochgeschwindigkeitszugang,
  • die Entscheidung des Systems über die Einleitung, das Erzeugen, das Weiterleiten oder die Ausführung eines Auftrags ohne menschliche Intervention, und
  • ein hohes untertägiges Mitteilungsaufkommen in Form von Aufträgen, Quotes oder Stornierungen.

Firmen, die sich am hochfrequenten algorithmischen Handel beteiligen, müssen alle platzierten, ausgeführten und stornierten Orders und Offerten an Handelsplätzen in der Reihenfolge des zeitlichen Ablaufs und in genehmigter Form korrekt speichern. Diese Informationen sind den zuständigen Behörden auf deren Verlangen zur Verfügung zu stellen.

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