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Handelsplätze

Handelsplätze

Mit der erklärten Absicht, den Handel weitestgehend von nicht geregelten hin zu geregelten Handelsplätzen zu verlagern, strukturieren MiFID II/MiFIR die Infrastruktur um, an der Finanzinstrumente gehandelt werden sollen. Alle Handelssysteme für Finanzinstrumente sollen entweder als einer der nachfolgend beschriebenen multilateralen Handelsplätze oder als systematischer Internalisierer „ordnungsgemäß geregelt und zugelassen“ sein.

Geregelte Märkte und multilaterale Handelssysteme (MTFs)

Nach MiFID II/MiFIR ist ein geregelter Markt ein von einem Marktbetreiber betriebenes und/oder verwaltetes multilaterales System, das die Interessen einer Vielzahl Dritter am Kauf und Verkauf von Finanzinstrumenten innerhalb des Systems zusammenführt oder das Zusammenführen fördert. Im Gegensatz zu organisierten Handelssystemen (Organised Trading Facilities, OTFs) müssen Geschäfte an geregelten Märkten auf nichtdiskretionäre Weise ausgeführt werden.

Geregelte Märkte stellen eine Art von organisiertem Handelssystem dar, die multilateralen Handelssystemen (Multilateral Trading Facilities, MTFs) sehr ähnlich ist. Anders als bei einem MTF stellt der Betrieb eines geregelten Marktes jedoch weder eine Anlagetätigkeit noch eine Wertpapierdienstleistung gemäß MiFID II/MiFIR dar. Die Anforderungen an die Eignung der Geschäftsführung und den operativen Aufbau unterscheiden sich jedoch nicht von jenen, die von Wertpapierfirmen verlangt oder durch eine Anlagetätigkeit erzeugt werden.

Ein multilaterales Handelssystem (MTF) ist ein multilaterales System, das von einer Wertpapierfirma oder einem Marktbetreiber betrieben werden kann. Wie ein geregelter Markt zeichnet es sich dadurch aus, dass „es die Interessen einer Vielzahl Dritter am Kauf und Verkauf von Finanzinstrumenten zusammenführt“. Auch dürfen Geschäfte wie an einem geregelten Markt nicht nach dem Ermessen des Betreibers ausgeführt werden. Geregelte Märkte und MTFs sind nicht auf bestimmte Arten von Instrumenten beschränkt. Sie dürfen nicht für eigene Rechnung und gegen ihr eigenes Buch handeln. In all diesen Punkten unterscheiden sie sich von OTFs.

Organisierte Handelssysteme (OTFs)

Mit den organisierten Handelssystemen (OTFs) wurde eine vollkommen neue Kategorie von Handelsplätzen für Nichteigenkapitalinstrumente geschaffen, namentlich Anleihen, strukturierte Finanzprodukte, Emissionszertifikate und Derivate. Wie die bestehenden geregelten Märkte und MTFs für Aktien und Eigenkapitalinstrumente dürfen OTFs keine Orders gegen das eigene Buch ausführen (außer im Handel mit Staatsanleihen).

Anders als geregelte Märkte und MTFs ist OTF-Betreibern jedoch die Orderausführung auf diskretionärer Basis erlaubt, sofern dabei die Vorhandelstransparenzanforderungen eingehalten werden und die Ausführung nicht gegen die Interessen ihrer Kunden erfolgt. Das heißt, sie müssen sich an das Best Execution-System halten. OTFs steht es frei, Orders zu platzieren oder zurückzunehmen und zu entscheiden, in welchem Umfang Kundenorders innerhalb ihres Systems zusammengeführt werden.

Umgekehrt können OTFs Verhandlungen zwischen Kunden in Fällen erleichtern, in denen sie kompatible Handelsinteressen von Kunden annehmen. Ein OTF darf keine Verbindung zu einem systematischen Internalisierer in einer Weise herstellen, dass die Interaktion von Aufträgen in einem OTF und Aufträgen oder Offerten in einem systematischen Internalisierer ermöglicht wird. Ein OTF darf auch nicht mit einem anderen OTF verbunden werden.

Systematische Internalisierer (SIs)

Obwohl es sich nicht um einen Handelsplatz im klassischen Sinne des Wortes handelt, ist es aufgrund der Rolle eines systematischen Internalisierers (SI) und der Änderungen am System sinnvoll, den SI im Zusammenhang mit Handelsplätzen zu erörtern.

Das Konzept eines SI wurde ursprünglich bereits 2007 eingeführt. Im Rahmen von MiFID I war es jedoch auf den Aktienhandel beschränkt und es wurden keine Angaben darüber gemacht, wann der Handel mit bestimmten Instrumenten systemrelevant wird.

In MiFID II/MiFIR werden SIs definiert als „Wertpapierfirmen, die in organisierter und systematischer Weise häufig in erheblichem Umfang Handel für eigene Rechnung treiben, wenn sie Kundenaufträge außerhalb eines geregelten Marktes, eines MTF oder eines OTF ausführen“.

Ob „in erheblichem Umfang“ gehandelt wird, bemisst sich von nun an entweder nach dem Anteil, den der außerbörsliche (over-the-counter, OTC) Handel am Gesamthandelsvolumen der Wertpapierfirma in einem bestimmten Finanzinstrument hat, oder nach dem Umfang des OTC-Handels der Wertpapierfirma, bezogen auf das Gesamthandelsvolumen in der Europäischen Union in einem bestimmten Finanzinstrument.

Werden festgelegte Schwellenwerte erreicht oder überschritten, die den SI-Status begründen, gelten eine Reihe von Transparenz-, Best Execution- und Meldepflichten. Wertpapierfirmen müssen Kursofferten für liquide Aktien und Eigenkapitalinstrumente veröffentlichen, mit denen sie in ihrer Eigenschaft als SI handeln. Sie müssen die von ihren Kunden erhaltenen Orders betreffend Finanzinstrumente, für die sie als SIs agieren, zu den zum Zeitpunkt des Ordereingangs offerierten Kursen ausführen.

Unter Umständen gelten einige Ausnahmen in Bezug auf Handelsvolumen und/oder -kurse. SIs müssen ferner Quartalsberichte über die Ausführungsqualität erstellen. Unter anderem müssen diese Berichte Angaben zu Kurs, Datum und Ausführungsort, aber auch konkrete Informationen wie Ausfallzeiten und Anzahl der fehlgeschlagenen Transaktionen enthalten. Darüber hinaus müssen sie den zuständigen Behörden Referenzdaten über die außerbörslichen Derivate übermitteln, für die sie als SIs agieren.

SIs unterliegen zwar strengen regulatorischen Anforderungen, anders als ein Handelsplatz dürfen sie jedoch die Kauf- und Verkaufsinteressen Dritter nicht zusammenführen.

Systematische Internalisierer

Was ist ein SI? Was sind die Kriterien für einen SI gemäß MiFID II/MiFIR und wie unterscheiden sie sich von MiFID I? Wo liegen die quantitativen Schwellenwerte?

RTS und ITS

Technische Regulierungsstandards (RTS) und technische Durchführungsstandards (ITS) werden von der Europäischen Aufsichtsbehörde ausgearbeitet und von der Europäischen Kommission angenommen. Lesen Sie mehr darüber, wie sie ausgearbeitet werden und in Kraft treten.