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Historie der FWB

Historie der FWB

Messen, Münzen, Wechselbriefe - 11. bis 17. Jahrhundert

Die Frankfurter Messe auf dem Römerberg
© Historisches Museum Frankfurt am Main

Die Wurzeln der Frankfurter Wertpapierbörse reichen bis zum mittelalterlichen Messewesen zurück. Zu Maria Himmelfahrt im Jahr 1150 wird erstmals die Frankfurter Herbstmesse erwähnt. Vermutlich ist diese im 11. Jahrhundert als Erntemesse entstanden. Seit Kaiser Ludwig der Bayer im Jahre 1330 das Angebot um eine Frühjahrsmesse erweitert hatte, wurde die Stadt zu einem Ort mit bedeutendem Waren- und Geldverkehr. Durch den Messehandel entwickelte sich aus der Warenproduktion im Kundenauftrag die Produktion von Gütern für einen offenen, überregionalen Absatzmarkt.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war Frankfurt aufgrund seiner berühmten Messen so wohlhabend geworden, dass Luther die Stadt als 'Silber- und Goldloch' des Deutschen Reiches bezeichnete. Mit der Einwanderung der wegen ihres protestantischen Glaubens verfolgten Kaufleute aus den Niederlanden und Frankreich etablierte sich im Laufe des 16. Jahrhunderts in Frankfurt auch der Großhandel und das Bankgeschäft. Kaufleute aus weiten Teilen Europas kamen nach Frankfurt, um Handel zu treiben.

Da es weder in Europa noch im Deutschen Reich eine einheitliche Währung gab und die Länder in viele kleine Wirtschaftsräume mit jeweils eigenem Geldsystem zerfielen, wurde in Frankfurt mit den unterschiedlichsten Münzsorten bezahlt. Hierdurch erwies sich das Geldwesen in Frankfurt als äußerst schwierig. Die unübersichtliche Fülle an Zahlungsmitteln und die ungebundenen Wechselkurse ermöglichten Wucher und Betrügereien. Um dieser überhand nehmenden Münzverwilderung zu begegnen, fanden sich im Jahre 1585 Messekaufleute zusammen, um einheitliche Wechselkurse festzulegen. Dieses Ereignis gilt heute als Geburtsstunde der Frankfurter Wertpapierbörse.

Kurszettel der Frankfurter Börse von 1727 (Ausschnitt)
© Historisches Museum Frankfurt am Main

Von nun an traf sich regelmäßig zur Messezeit ein Kreis von Kaufleuten, um im Sortenverkehr die einheitlichen und verbindlichen Preise zu aktualisieren. Die Bezeichnung 'Burs' oder 'Börse' ist für diese Versammlung bereits seit 1605 schriftlich belegt.

Der Begriff 'Börse' stammt aus dem 15. Jahrhundert aus dem belgischen Brügge. Er umschrieb eine regelmäßige Versammlung reicher italienischer Händler auf dem Platz 'ter buerse'. Benannt war dieser Marktplatz nach dem dort ansässigen Patriziergeschlecht 'van der Beurse' (lat. 'bursa' - Tasche, Geldbörse).

1625 erschien der erste amtliche Kurszettel, welcher die Durchschnittskurse für zwölf Geldsorten aufführte. Der älteste noch vorhandene Frankfurter Kurszettel stammt aus dem Jahre 1721. Er enthielt 16 Münzkurse. Anfangs fanden die Treffen noch auf dem freien Platz vor dem Frankfurter Rathaus, dem 'Römer', statt. Erst im Jahre 1694 bezog man das Haus 'Großer Braunfels' am Liebfrauenberg. Damit nutzte man das bedeutendste und geräumigste Gebäude der Stadt als festen Versammlungsort.

Das Haus Braunfels auf dem Liebfrauenberg
© Historisches Museum Frankfurt am Main

1666 wurde die erste Börsenordnung, eine 'Ordnung in Wechsel- und Kaufmannsgeschäfften' erlassen, was die Etablierung einer offiziellen Börsenverwaltung zur Folge hatte. Zunächst wurden an der Börse nur Wechselgeschäfte mit Münzen und 'Wechselbriefen' getätigt.