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Historie der FWB

Historie der FWB

Bürger, Fürsten, Neue Börsen - 18. und 19. Jahrhundert

Die Alte Börse am Paulsplatz, 1845
© Historisches Museum Frankfurt am Main

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts begann ein regelmäßiger Handel mit Schuldscheinen und Anleihen. Damit entstand ein Markt, der auch Nichtkaufleuten zur Anlage ihrer Vermögen offen stand. 1707 konstituierte sich aus den Börsenvorstehern eine offizielle Vertretung der Frankfurter Kaufleute, die 'Deputierten der Kaufmannschaft'. 1808 ging daraus die Handelskammer hervor und übernahm die Trägerschaft der Börse: Die 223 Jahre zuvor als private Veranstaltung einiger Kaufleute gegründete Börse, wurde damit zu einer öffentlich-rechtlichen Institution.
Schon Ende des 18. Jahrhunderts begann an der Frankfurter Börse der Handel mit Staatspapieren. 1779 platzierte das Bankhaus Bethmann die erste Millionenanleihe für den deutschen Kaiser in Wien. Um diese gewaltige Summe überhaupt vermitteln zu können, gab das Bankhaus erstmals 'Partialobligationen' in Frankfurt aus. Jeder, der über ausreichend Geld verfügte, konnte bei der Bank diese Wertpapiere kaufen. Damit beteiligte sich der Anleger faktisch an der Millionenanleihe und verschaffte sich ein Anrecht auf einen Teil der regelmäßigen Zinseinkünfte. Durch dieses von dem Bankhaus Bethmann eingeführte Instrumentarium der 'Kapitalvermittlung' war es den Frankfurter Banken zukünftig möglich, hohe Anleihesummen aufzubringen.

Mit dem Aufstieg des Frankfurter Bankhauses Rothschild zum führenden Kapitalvermittler der europäischen Fürstenhäuser entwickelte sich die Stadt zu einem internationalen Kapitalmarkt und neben London und Paris zur Weltbörse. Dieser Bedeutung entsprachen die beengten Unterkünfte im Hause Braunfels immer weniger. Aus diesem Grunde wurde Mitte des 19. Jahrhunderts ein eigenes repräsentatives Börsengebäude, die heute so genannte 'Alte Börse', an der Paulskirche nach Plänen des Frankfurter Architekten Friedrich Peipers erbaut und 1843 eröffnet.

Die Alte Börse am Paulsplatz, 1845
© Historisches Museum Frankfurt am Main

Mit der industriellen Revolution in Deutschland entdeckte man die Vorzüge der Finanzierungsmöglichkeiten kostspieliger Projekte durch die Ausgabe von Aktien. 1820 wurde mit den Anteilsscheinen der österreichischen Nationalbank erstmals eine Aktie in Frankfurt gehandelt. Der Schwerpunkt des Frankfurter Börsenhandels lag jedoch weiterhin auf dem Handel mit Obligationen. Im Gegensatz zu den anderen großen Börsen Europas standen die Frankfurter den immer beliebter werdenden Anteilsscheinen zahlreicher Aktiengesellschaften vorerst reserviert gegenüber. Die Frankfurter Börse entwickelte sich bis 1850 vor allem zu einem Hauptort für sichere Staatsanleihen und Fonds, was ihr den Ruf des 'soliden Frankfurts' einbrachte. Frankfurt wurde zum 'Tor des Kapitalexports', denn von hier platzierte man ausländische Anleihen auch an den anderen europäischen Börsen.

1879 wurde die 'Neue Börse' eingeweiht. Den bekannten Frankfurter Architekten Heinrich Burnitz und Oskar Sommer war bei der Planung des Gebäudes eine äußerst glückliche Verbindung von Funktionalität und Repräsentation gelungen. Neben dem Hauptbahnhof und der Alten Oper gehört die 'Neue Börse' auch heute noch zu den bedeutendsten Frankfurter Bauwerken der Wilhelminischen Epoche.

Die Neue Börse in Frankfurt, 1895
© Historisches Museum Frankfurt am Main

Auch als im Zuge der Gründerjahre und des Wirtschaftsaufschwungs unzählige Firmen zu Aktiengesellschaften wurden (zwischen 1870 und 1874 gab es allein in Preußen 857 Gründungen), verhielt sich Frankfurt diesen Wertpapieren gegenüber zögerlich. Nach wie vor galt Frankfurts Aufmerksamkeit amerikanischen Anleihen und internationalen Staatspapieren. Dank seiner engen Kontakte zum Ausland konnte Frankfurt auch in den Jahren, in welchen Berlin als Hauptstadt des 1871 neu gegründeten Deutschen Reiches zum bedeutendsten Börsenplatz des Reiches wurde, seinen internationalen Rang und die Rolle einer Zentralbörse behaupten. Ende des 19. Jahrhunderts erkannte man in Frankfurt, dass eine Anpassung an die allgemeine wirtschaftliche Situation im Reich unumgänglich war. Um sein Ansehen als Wirtschaftszentrum nicht zu gefährden, änderte Frankfurt seine Wirtschaftspolitik und bemühte sich entgegen früheren Bestrebungen um umfangreichere Industrieansiedlungen und intensivierte den Handel mit Aktien. Mit dieser Entwicklung zur Aktienbörse begegnete man zugleich der Dominanz der Berliner Börse und bot nun vor allem süddeutschen Unternehmen bei der Kapitalbeschaffung eine Alternative zur Hauptstadtbörse. Erst das Börsengesetz von 1896 schuf eine einheitliche Organisation der 29 Wertpapierbörsen in Deutschland. Damit wichen auch die bisherigen lokalen Bestimmungen in Frankfurt einer reichsweiten Regelung, die noch bis heute weitgehend maßgeblich geblieben ist.