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Scale: ein ganzheitliches Ökosystem für Wachstum

05. Mai 2017

Scale: ein ganzheitliches Ökosystem für WachstumInterview mit Renata Bandov über das neue KMU-Segment der Deutschen Börse

Renata Bandov, Head of Section, Pre-IPO & Capital Markets

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind in Deutschland mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert, u. a. weil sie bisher vorwiegend über Banken finanziert wurden, sich aber künftig mehr auf einen funktionierenden Kapitalmarkt verlassen müssen. Scale, unser neues Börsensegment für Wachstumskapital, soll nun kleineren und mittleren Unternehmen dabei helfen, das notwendige Kapital aufzubringen, damit sie auf die künftigen Herausforderungen reagieren können. Darüber sprachen wir mit Renata Bandov, Head of Section, Pre-IPO & Capital Markets.

Frau Bandov, das neue Börsensegment Scale ist jetzt acht Wochen alt. Ihr erstes Fazit?
Bislang haben wir sehr positives Feedback erhalten, sowohl aus dem Markt und von Kunden als auch von der Bundesregierung. 42 Aktien und 12 Anleihen notieren mittlerweile in Scale. Mit der IBU-tec advanced materials AG hat bereits das erste IPO stattgefunden und wir haben den Scale All Share Index aufgelegt, der alle Werte im Segment abbildet.

Wie kam es denn zu Scale?
2015 hatte uns die Bundesregierung aufgefordert, ein neues Börsensegment für Start-ups zu schaffen. Unsere Antwort darauf war das Deutsche Börse Venture Network, eine vorbörsliche Plattform, auf der wir Start-ups erfolgreich mit Investoren aus aller Welt zusammenbringen. Die Unternehmen im Venture Network, die sich in der Late Stage-Phase befinden, beschäftigten sich dann zunehmend mit der Suche nach dem richtigen Segment für ihr IPO, also ihren Börsengang. Der Entry Standard, unser ehemaliges Segment im Freiverkehr, war jedoch nicht mehr attraktiv, weder für Unternehmen noch für Investoren. Daher haben wir uns mit allen Marktteilnehmern zusammengesetzt und über 200 Gespräche geführt – mit Unternehmen, Investoren und Banken, aber auch mit Kanzleien und Agenturen. Es ergab sich ein einheitliches Bild: Wir brauchen kein reines Start-up-Segment, sondern ein KMU-Segment. Entscheidend ist hierbei, dass die Listingvoraussetzungen zu den einzelnen Zielgruppen passen. Faktoren wie Visibilität, Transparenz, Vergleichbarkeit, Liquidität und Investorendiversifikation spielen eine wichtige Rolle. Scale reflektiert das.

Für welche Unternehmen ist das neue Segment besonders geeignet?
Da lohnt zunächst der Blick auf die gesamteuropäische Perspektive: Ein wichtiges Ziel der Kapitalmarktunion ist es, Unternehmen einen zusätzlichen Finanzierungspfad aufzuzeigen. Scale schafft da ein attraktives Angebot, mit dem wir ganz gezielt kleine und mittlere Unternehmen aller Branchen ansprechen. Das neue Segment ist breit aufgestellt, von der Software- über die Automobilindustrie, Bio- und Medizintechnik bis zu Finanzdienstleistungen. Die Unternehmen sollen etabliert in ihren Märkten sein und auch bereits Erfahrungen mit Investoren gesammelt haben.

Was zeichnet Scale aus?
Scale verlangt im Gegensatz zum Entry Standard höhere Standards bei den Einbeziehungs- und Folgepflichten und verfügt über neue Services für Emittenten. Gerade kleine Firmen werden von den unabhängigen Research Reports profitieren. Anleger und Investoren wiederum erhalten dadurch mehr Informationen zu den Unternehmen und können sie besser miteinander vergleichen. Die Zeichnungsfunktion DirectPlace verbreitert die Investorenbasis und erhöht die Reichweite bei der Platzierung. Die Deutsche Börse Capital Market Partner – das sind Kapitalmarktexperten – begleiten die Unternehmen sowohl bei der Einbeziehung als auch nach einem Börsengang oder einer Anleiheemission. All diese Maßnahmen tragen zu einer höheren Visibilität der Unternehmen bei – und das vereinfacht die Ansprache bei Investoren und bietet die Möglichkeit, das eigene Unternehmen wirksam am internationalen Kapitalmarkt zu positionieren.

Welche Anforderungen müssen Unternehmen für Scale erfüllen und was passiert mit Unternehmen, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen?
In Scale werden ausschließlich Unternehmen aufgenommen, die die Spielregeln berücksichtigen. Sie müssen über eine Marktkapitalisierung von mindestens 30 Mio. € verfügen und bestimmte Kennzahlen erfüllen, z. B. hinsichtlich Umsatz, Eigenkapital, Jahresüberschuss oder Mitarbeiterzahl. Der Capital Market Partner hat zudem die Pflicht, Emittenten anhand einer Due Diligence unter rechtlichen und finanziellen Gesichtspunkten zu prüfen und zu bestätigen, dass sie für Scale geeignet sind. Als Börsenbetreiber tragen wir nicht nur gegenüber den Unternehmen eine Verantwortung, sondern auch gegenüber den Investoren.

Sie erwähnten gerade den Deutsche Börse Capital Market Partner. Was tut dieser Partner und welche Vorteile bietet er den Unternehmen?
Ein Börsengang ist hochkomplex und erfordert daher eine optimale Vorbereitung. Unternehmen brauchen vor und nach dem Börsengang kompetente und informierte Experten, die sie unterstützen. Die Deutsche Börse Capital Market Partner erfüllen genau diese Aufgabe. Sie müssen sich bei uns akkreditieren lassen und einschlägige Erfahrungen im Primär- und Sekundärmarkt nachweisen. Wir stellen somit sicher, dass sie mit den notwendigen Prozessen und den anspruchsvollen Regulierungs- und Listingvoraussetzungen vertraut sind. Zu diesem Expertenkreis zählen Banken, Finanzdienstleistungsinstitute, Wirtschaftsprüfer, Steuerberatungen, Rechtsberatungen, Investor Relations- und Public Relations-Agenturen, Research Provider, IPO-Berater und Designated Sponsors.

Vielen Dank, Frau Bandov!

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