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25 Jahre Deutsche Börse AG – Schlaglichter auf ein besonderes Unternehmen

11. Dez 2017

25 Jahre Deutsche Börse AG – Schlaglichter auf ein besonderes UnternehmenDr. Jörg Franke

Um den ersten Chef der Deutschen Börse AG, Werner G. Seifert, ranken sich nicht nur zahlreiche Anekdoten. Auch manche seiner Bonmots sind Teil der urbanen Mythen des Finanzplatzes Frankfurt. So verglich er seinen Führungsstil mit dem improvisierten Zusammenspiel einer Jazzcombo – für den bekennenden Hammond-Orgel-Spieler ein naheliegender Vergleich.

„Just another company“: eine ganz normale Firma?

Am bezeichnendsten für die hemdsärmeligen und in mancher Hinsicht auch wilden 90er Jahre war jedoch sein Vergleich der Bedeutung der Deutschen Börse mit derjenigen einer Keksfabrik. Das war eine prägnante Veranschaulichung einer Parole, die damals umging und deutlich blutleerer klang: „just another company“ – eine ganz normale Firma, wie man das vielleicht in Standardsprache übersetzen könnte.

Nicht nur kommunikativ entsprach die Parole von der „ganz normalen Firma“ dem Zeitgeist. Sie gab den – auch vom damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Breuer vorangetriebenen – Startschuss für einen Prozess, der das deutsche Börsenwesen ebenso wie den Finanzplatz Frankfurt und nicht zuletzt auch den Wirtschaftsstandort Deutschland grundlegend verwandeln sollte: den Prozess der, technisch gesprochen, „Demutualisierung“ – also der schrittweisen Aufhebung der ursprünglichen, quasi-genossenschaftlichen Struktur, in der Eigentümer und Marktteilnehmer identisch waren.

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Sie war deshalb zeitgemäß, weil sich der Börsenhandel in den 90er Jahren elektronisierte und die alte Struktur den notwendigen Wandel aus Eigeninteressen am Erhalt der gemütlichen Welt von einst verhindert hätte. Zu diesem Zweck war es vielleicht auch hilfreich, die Rede von der Sonderstellung der Börse, ihrer hoheitlichen Aufgaben zum Trotz, etwas zu relativieren.

Technologische Aufrüstung, organisatorische Integration

Auf die Gründung der AG folgte eine rasante technologische Aufrüstung sowie eine Zusammenführung der zum Teil über ganz Deutschland verteilten Puzzleteilchen des Börsenhandels. Es entstand bis zum Jahr 2000 ein integrierter und sich rasant internationalisierender Konzern, der Wertpapier- und Derivatehandel sowie das Datengeschäft und die Abwicklung und Verwahrung unter seinem Dach vereinte. Der vielleicht wichtigste Meilenstein war der Zusammenschluss der Deutschen Terminbörse mit ihrem Schweizer Äquivalent zu Eurex und deren Integration in die Gruppe Deutsche Börse. Durch überlegene Technologie und exponentiell steigende Liquidität konnte der Finanzplatz Frankfurt seinem bis dahin haushoch überlegenen Konkurrenten London die Hoheit über den Handel in Futures auf deutsche Staatsanleihen abringen und sich die Terminbörse – innerhalb von nur neun Jahren nach dem Start – zur umsatzstärksten der Welt katapultieren.

Mit dem Börsengang des Börsenträgers Deutsche Börse AG im Jahr 2001 – die konsequente Fortsetzung der AG-Gründung – war die Demutualisierung komplett. Die alten Anteilseigner machten Kasse, und bei der Deutschen Börse vollzog sich eine deutliche Hinwendung zur Internationalität nicht nur der Kunden, sondern auch der Anteilseigner.

Das damalige Management rief mit diesen kühnen und durchaus visionären strategischen Schritten nun allerdings Investoren auf den Plan, die sich einen eigenen Reim auf die Geschichte machten – und die Gruppe in Einzelteile filetieren wollten. Anlass dazu war neben der prall gefüllten Kriegskasse der damalige Versuch einer Eroberung der Börse Londons, der aber am Widerstand „aktiver Investoren“ scheiterten.

Restabilisierung trotz Finanzkrise

Die Höhen und Tiefen der internationalen Kapitalmärkte waren voll in Frankfurt angekommen. Sie riefen aber auch versöhnlichere Geister auf den Plan: Der neue Vorstandsvorsitzende Reto Francioni verhinderte mit viel diplomatischem Geschick nicht nur die von den „aktiven Investoren“ unter den Anteilseignern geforderte Zerschlagung, sondern er trieb auch die vertikale und horizontale Integration des Börsenkonzerns weiter voran. Mit ruhiger Hand und viel Fingerspitzengefühl steuerte er die Deutsche Börse, die sich unter seiner Ägide von der bloßen integrierten Börsenorganisation zum Finanzmarktinfrastrukturanbieter weiterentwickelte, durch die Finanzkrise, die 2007 begann und deren Folgen bis heute nicht ausgestanden sind.

Allerdings scheiterte auch Francionis großes Fusionsprojekt: der transatlantische Zusammenschluss mit der NYSE – diesmal allerdings nicht an einem Aufstand der Anteilseigner, die das Projekt sogar begrüßten, sondern an den Bedenken der EU-Kartellwächter.

In den letzten Jahren seiner zehnjährigen Amtszeit trieb er noch die Expansion nach Asien voran und konnte mit verschiedenen Partnerschaften mit den wichtigsten Kapitalmarktinstitutionen Chinas Erfolge erzielen. Auch die vollständige Übernahme des sehr erfolgreichen Indexanbieters STOXX wurde bereits in seiner Amtszeit angestoßen.

„Another company“: eine Klasse für sich!

Carsten Kengeter wurde von Aufsichtsratschef Joachim Faber an die Spitze der AG bestellt, weil er ihm zutraute, die Deutsche Börse an den immer schnelleren internationalen Wandel anzupassen. Angesichts der Steigerung der Elektronisierung zur Digitalisierung war und ist dies dringend geboten – „Börse 4.0“ ist das Stichwort, das Kengeter dafür ins Spiel gebracht hat.

Kengeter kann darauf verweisen, dass er die Unternehmenskultur stärker auf Innovation, Schnelligkeit, Kundennähe und Agilität getrimmt hat. Nur wenige bezweifelten, dass generell ein Zusammenschluss mit der LSE gut für Europa gewesen wäre. Leider hat allen, die wie er für die europäische Sache kämpfen, nicht nur, aber auch das Brexit-Votum der Briten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zugleich ist dadurch erneut klargeworden: Börsen sind eben nicht „just another company“ – sondern, wie Reto Francioni dies in einem jüngst erschienenen Börsenhandbuch ausdrückt: „another company“ – eine Klasse für sich.

Der Artikel ist zuerst in der Börsenzeitung vom 9. Dezember 2017 erschienen.

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