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Ankur Kamalia: Neue Ideen für Investitionen

02. Mrz 2017

Ankur Kamalia: Neue Ideen für InvestitionenInnovationen fördern mit Corporate Venture Capital


Weltweit erleben wir eine Zunahme der Finanzierung von Unternehmen in der frühen Wachstumsphase durch Corporate Venture Capital (Wagniskapital). Im dritten Quartal 2016 machte diese Art der Finanzierung bereits rund 30 Prozent aller Fintech-Deals weltweit aus. DB1 Ventures, der Corporate Venture Capital-Arm der Deutschen Börse, will strategischer Partner der Wahl sein für Unternehmen, die für die Strategie der Gruppe Deutsche Börse von Bedeutung sind. Doch nach welchen Kriterien entscheidet DB1 Ventures über die Auswahl der Unternehmen? Wie wählen wir neue Partner aus? Wir sprachen mit Ankur Kamalia, Managing Director von DB1 Ventures und Group Venture Portfolio Management.


Herr Kamalia, was hat die Deutsche Börse hauptsächlich zur Gründung von DB1 Ventures bewogen?

Wir wollten unseren Ansatz der Investitionsaktivitäten im Venture-Bereich institutionalisieren und professionalisieren. Durch die Errichtung von DB1 Ventures haben wir eine Anlagestrategie sowie einen Anlageprozess definiert. Wir sind davon überzeugt, dass wir als Organisation unsere Investitionsagenda – sei es im Bereich  Technologie,  Produkte oder Business Development – mithilfe neuer und innovativer Lösungen von anderen Unternehmen weiterentwickeln können. Wir wollen ein größeres Ökosystem aufbauen und betreiben, zu dem wir neue Produkte und Partnerschaften hinzufügen; durch die Zusammenarbeit mit Fintech-Unternehmen vergrößern wir auch unseren technologischen Fußabdruck und unseren Umsatz. Auch soll eine formalisierte Plattform für Wagniskapital uns ein bisschen beweglicher machen bei der Weiterentwicklung unseres Betriebsmodells, das bedarfsgerecht angepasst werden kann.

DB1 Ventures hat erst kürzlich neue Partner erworben. Können Sie uns zu diesen etwas sagen?

Angefangen haben wir 2016 mit unserer Investition in die Digital Asset Holdings, eine Distributed-Ledger-Technologiefirma mit Sitz in New York, die kapitalmarktorientierte Anwendungen entwickelt. Damit können wir unsere Präsenz und Agenda im Hinblick auf die Blockchain-Technologie weiter verstärken, was für die Deutsche Börse strategisch wichtig ist. Gegen Ende 2016 haben wir uns an drei neuen Ventures beteiligt: figo ist ein in Hamburg ansässiger Anbieter von Banken-API (application programming interface, Schnittstellen zur Anwendungsprogrammierung). Wir haben außerdem die Gründung eines Joint Venture mit der Naga Group unter dem Namen Switex angekündigt, das es uns ermöglicht, einen Marktplatz für virtuelle Computerspiel-Gegenstände einzurichten. Das war eine interne Idee unserer Kollegen, die wir am Markt einführen wollen. Schließlich haben wir in den ersten deutschen Wachstumsfonds für schnell expandierende B2B-Softwarefirmen, der Digital Growth Fund I von Digital+ Partners, investiert.  

Was ist das Besondere an diesen Unternehmen? Was hat Sie von der Partnerschaft mit ihnen überzeugt?

Wir prüfen bestimmte Kriterien: Erstens kommt es auf die Geschäftsidee oder Technologie an und darauf, ob diese für die Deutsche Börse relevant ist, d. h. ob sie zu unserer langfristigen Zielsetzung passt. Zweitens zählen die Qualität und der Enthusiasmus des Unternehmers und des Managementteams sowie ihre Fähigkeit, ein Unternehmen ins Leben zu rufen und es zum Wachsen zu bringen. Schließlich sehen wir uns die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells und das Erfolgspotenzial an und gehen der Frage nach, wie und wo wir Werte beitragen können.

Nehmen wir figo als Beispiel. Bei figo haben wir die Chance, gemeinsam infrastrukturtechnische Lösungen für den Finanzsektor zu erarbeiten, was seit der Payment Services Directive 2 (PSD2) für Banken von besonderer Bedeutung ist. figo expandiert schnell und das Geschäft ist von weltweiter Relevanz. Durch die Zusammenarbeit mit figo können wir ihre API-Technologien im Rahmen unserer gesamten API-Struktur nutzen. Das Managementteam ist sehr stark und hat das Geschäft in Deutschland bisher zu gutem Wachstum geführt. Durch unsere Beteiligung können sie vertikal wachsen und profitieren von der Glaubwürdigkeit eines sicheren und neutralen Infrastrukturanbieters wie wir es sind.

Wie finden Sie diese Firmen?

Wie generieren wir Transaktionen? Zunächst einmal erhalten wir als Deutsche Börse zahlreiche Anfragen von Unternehmen, die mit uns zusammenarbeiten wollen. Jetzt, wo wir eine definierte Investitionsstrategie haben, können wir die Schwerpunktbereiche aus Sicht strategischer Anlagen in Minderheitsbeteiligungen präziser identifizieren. Zweitens haben wir diese Kernbereiche in einem Bericht über Kapitalmärkte und Fintech-Unternehmen dokumentiert, den wir im vergangenen Jahr vielfach veröffentlicht haben. Auch dadurch haben wir Anfragen erhalten. Drittens nehmen wir aktiv an Branchenkonferenzen, Accelerators und Veranstaltungen teil, um die aus Anlagesicht richtigen potenziellen Partner oder mögliche Koinvestoren zu finden, sei es in Asien, in den USA oder in Europa. Viertens sehen wir uns überall proaktiv nach Gelegenheiten um, die zu unseren speziellen geschäftlichen Anforderungen passen. Und schließlich darf man nicht vergessen, dass wir ein fantastisches Netz von über 5.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und anderen Stakeholdern haben, die uns weiterempfehlen.
Letztes Jahr haben wir insgesamt gut 250 Anlagechancen bewertet; davon haben wir dann nach sorgfältiger Prüfung lediglich drei oder vier für eine Investition ausgewählt. Wie Sie sehen, ist es sehr wichtig, proaktiv zu sein.

Es ist entscheidend, dass wir die Häufigkeit und Zahl der für uns relevanten Investmentchancen weiterhin steigern. Nur so haben wir eine größere Auswahl aus qualitativ hochwertigen Unternehmen.

Welche Teile unserer Wertschöpfungskette werden Sie als nächstes in Angriff nehmen?

Wir investieren in Technologien, mit deren Hilfe wir das richtige Fundament für die Finanzmärkte errichten können, wie etwa Blockchain, Sicherheitslösungen, API-Technologien, Cloud Computing, maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz. Zweitens wollen wir uns an relevanten Kapitalmarktanwendungen beteiligen, die auf dem neuesten Stand der Technologie sind. Unser unmittelbarer Fokus liegt auf dem Datengeschäft; wir prüfen gerade neue Chancen und Unternehmen in diesem Bereich. Der zweite Aspekt, auf den wir uns in den nächsten sechs Monaten konzentrieren werden, ist die Optionalität neuer Produkte oder geografischer Regionen.

Zielen Sie auf ein bestimmtes Volumen ab?

Als strategisches Anlageinstrument lassen wir uns nicht durch ein bestimmtes Volumen einschränken. Im Allgemeinen planen wir drei bis fünf neue Investitionen pro Jahr, jeweils zwischen 5–15 Millionen €. Wir haben keine Kennzahl, die besagt, in wie viele Deals wir pro Jahr investieren müssen. Ich halte das für richtig, da alles andere zu schlechten Anlageentscheidungen führen könnte.

Ist es eher Ihr Ziel, Geld zu verdienen oder zu unserem Strategieplan passende Investitionen zu finden?

Das ist eine gute Frage. Um sie gleich zu beantworten: Es geht darum, Investitionen zu finden, die zu unserem strategischen Plan passen. Die Umsätze stammen von den erreichten strategischen Zielen und den unmittelbaren Anlageerträgen oder Umsatzchancen durch Partnerunternehmen.

Herr Kamalia, was ist für Sie das Besondere an der Arbeit in Deutschland?

Ich bin unglaublich dankbar und glücklich, bei der Deutschen Börse zu sein, da die Menschen hier einfach fantastisch sind. Sie haben mir das Gefühl gegeben, zu Hause zu sein. Ich bin in ein neues Land und ein vollständig neues Unternehmen gekommen und kannte keine Menschenseele in diesem Land. Es waren 15 tolle Monate und ich glaube, dass für mich persönlich die Menschen hier den Unterschied ausgemacht haben.

Vielen Dank, Herr Kamalia.

Das Gespräch führte Jürgen Pfeiffer

Lebenslauf

Ankur Kamalia kam im November 2015 als Head of Venture Portfolio Management und Managing Director von DB1 Ventures zur Gruppe Deutsche Börse. Zuvor verwaltete er ein Investment-Portfolio für ein Family Office sowie für einen Hedgefonds in Asien.

Als Managing Director bei UBS war er für die Strategie der Global Investment Banking Division in London verantwortlich und arbeitete auf den Corporate Finance-/Kapitalmärkten in New York, Hongkong und Singapur. Ankur Kamalia hat einen MBA der Kenan-Flagler Business School der Universität von North Carolina in Chapel Hill.

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