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Ashwin Kumar und Eric Müller beschreiben das neue Konzept einer besicherten digitalen Währung: Das Beste aus zwei Welten

24. Jan 2017

Ashwin Kumar und Eric Müller beschreiben das neue Konzept einer besicherten digitalen Währung: Das Beste aus zwei Welten

Die Deutsche Börse hat ein Modell für die risikolose Peer-to-Peer-Übertragung von Geschäftsbankgeld über eine Blockchain-basierte Infrastruktur entwickelt und nutzt dabei die Funktionalitäten eines zentralen Kontrahenten (CCP). Ashwin Kumar, Global Head of Product Development bei der Gruppe Deutsche Börse, und Eric Müller, Vorstandsvorsitzender von Eurex Clearing beschreiben im Interview das neue Konzept einer besicherten digitalen Währung („Collateral Coin“).

Herr Müller, was genau ist ein Collateral Coin? Was unterscheidet dieses von anderen Blockchain-Konzepten?

Eric Müller: Die „Collateralised Colored Coin“-Infrastruktur, kurz „CollCo“, ist ein Instrument zur Durchführung von Zahlungen auf der Blockchain, deren Erfüllung durch ein Clearinghaus sichergestellt ist. Dabei können wir Kreditrisiken reduzieren, indem die Transaktionen bei unserem zentralen Kontrahenten Eurex Clearing besichert werden.

Eric Müller, Vorstandsvorsitzender von Eurex Clearing, dem Clearinghaus der Deutschen Börse

Wie funktioniert der CollCo im Detail?

Eric Müller: Die Teilnehmer eines Clearinghauses stellen Geschäftsbankgeld über die Blockchain bereit. Jedes Clearing-Mitglied kann einen eigenen Colored Coin in Form sogenannter Tokens ausgeben, wenn es im Gegenzug beim CCP Sicherheiten hinterlegt. 

In unserem Konzept hat jede Bank eine eigene Farbe. Wenn ein Clearing-Mitglied oder dessen Kunden auf der Blockchain handeln und der Colored Coin in den Besitz einer anderen Bank oder eines Kunden der anderen Bank wechselt, nimmt er die zugewiesene Farbe der anderen Bank an und wird damit zum Geschäftsbankgeld der anderen Bank. Das Clearinghaus überträgt den jeweiligen Betrag der Sicherheit auf das Sicherheitenkonto der anderen Bank.

Herr Kumar, welche Vorteile birgt dieses Konzept?

Ashwin Kumar: CollCo ermöglich den Echtzeit-Transfer von Geschäftsbankgeld in Form von Tokens, unterstützt durch die Fähigkeiten unseres zentralen Kontrahenten Eurex Clearing im Umgang mit Sicherheiten.

Geschäftsbankgeld ist stets mit einem Bonitätsrisiko in Bezug auf die ausgebende Bank verbunden. In der „realen Welt“ wird dieses Risiko minimiert, indem die Verbindlichkeiten von Bank A und Bank B miteinander verrechnet und die verbleibenden Beträge mit Zentralbankgeld beglichen werden. Mit CollCo werden die Risiken in Echtzeit eliminiert, indem die Sicherheit zeitgleich mit den digitalen Coins übertragen wird. Jeder Kunde hält nur Coins der eigenen Bank und trägt somit nur ein Kreditrisiko in Bezug auf die eigene Bank.

Ashwin Kumar, Global Head of Product Development, Gruppe Deutsche Börse

Wer stellt sicher, dass in diesem Prozess die Spielregeln eingehalten werden?

Eric Müller: Die Gesamtaufsicht über CollCo liegt bei einer vertrauenswürdigen Drittpartei - z.B. einem Clearinghaus - und beinhaltet eindeutige Regeln und Prozesse, einschließlich Verfahren für Anforderungen an die gestellten Sicherheiten und das Management eventueller Ausfälle. Die Infrastruktur beinhaltet zudem einen speziellen Zugang für Prüf- und Aufsichtsverfahren.

Die Drittpartei ist für die Eingabe und Entnahme von Colored Coins in die bzw. aus der Blockchain verantwortlich und stellt sicher, dass über die Colored Coins in angemessener Weise Buch geführt wird. Zudem kann sie Banken oder Clearinghäuser in die CollCo-Infrastruktur neu aufnehmen. Diese können dann wiederum ihre Kunden in die Infrastruktur einbringen. Dabei müssen sie sich natürlich ebenfalls an die Regeln und Vorschriften des Clearinghauses halten und dieses darüber informieren.

Gibt es bereits potenzielle Anwendungsbereiche für das Konzept?

Ashwin Kumar: Mit CollCo sollen nicht nur bekannte Anwendungsbereiche verbessert, sondern auch potenzielle neue Anwendungsfälle entwickelt werden. Hierzu zählen u.a. der Umgang mit Sicherheitenanforderungen, Zahlungen ohne Kreditrisiko und die Zug-um-Zug-Übertragung von Vermögenswerten auf der Blockchain. Durch die Schnittstelle zwischen Eurex Clearing und dem Zentralverwahrer der Gruppe, Clearstream, könnte CollCo außerdem die Funktion einer digitalen Abwicklungswährung übernehmen, was Effizienzsteigerungen bei Post-Trade-Prozessen wie Abwicklungsdiensten und dem Asset Servicing verspricht.

Was sind nun die nächsten Schritte?

Eric Müller: Wir werden nun die Meinung von Kunden, Aufsichtsbehörden und Zentralbanken zu dem neuen Konzept einholen. Ein funktionsfähiger technischer Prototyp auf Grundlage einer Hyperledger-Struktur befindet sich derzeit in der Entwicklung. Zudem haben wir ein Patent angemeldet.

Wie passt dieses Projekt zu Ihren anderen Initiativen in dem Bereich?

Ashwin Kumar: CollCo fügt sich perfekt in die Blockchain-Aktivitäten der Gruppe ein. Wir wollen das große Potenzial der Distributed-Ledger-Technologie erforschen. Durch die Integration dieser Technologie in unsere etablierte Post-Trade-Infrastruktur und das bestehende Serviceangebot möchten wir Effizienzsteigerungen erzielen und gleichzeitig untersuchen, welche neuen Geschäftsmöglichkeiten sich aus dieser Technologie ergeben könnten.   

Zu den jüngsten Blockchain-Aktivitäten der Gruppe Deutsche Börse zählen die Entwicklung einer Blockchain-Lösung für den grenzüberschreitenden Sicherheitentransfer in Kooperation mit der „Liquidity Alliance“ sowie die Entwicklung eines funktionsfähigen Prototyps für die auf der Blockchain-Technologie basierende Abwicklung von Wertpapiertransaktionen in Kooperation mit der Bundesbank. Wir sind außerdem Premium-Mitglied des Hyperledger-Projekts der Linux Foundation und durch eine Minderheitsbeteiligung im Board of Directors der Digital Assets Holdings vertreten, einem New Yorker Unternehmen, das Blockchain-Software vor allem für Finanzintermediäre entwickelt.

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