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Das Transformationspotenzial der Blockchain-Technologie – im Gespräch mit Jens Hachmeister

30. Aug 2018

Das Transformationspotenzial der Blockchain-Technologie – im Gespräch mit Jens Hachmeister

Blockchain und die Distributed Ledger-Technologie (DLT) ist sicherlich eine der innovativsten Transformationstechnologien für Finanzmärkte. Die Gruppe Deutsche Börse hat bereits in mehrere Blockchain-Initiativen investiert und erschließt die Potenziale dieser neuen Technologie. Der neugegründete Bereich „DLT, Crypto Assets and New Market Structures“ wird sich auf die weitere Entwicklung auf einem gruppenweiten Level fokussieren. Wir haben mit Jens Hachmeister, der die Einheit leitet, über die Bedeutung von Blockchain, das neue Team und seine eigene Motivation, dieses Wachstumsfeld für die Gruppe voranzutreiben, gesprochen.

Wie passt DLT/Blockchain in unsere Strategie „Roadmap 2020“ und warum ist die Technologie so wichtig für die Finanzmarktinfrastruktur?

Jens Hachmeister: Die Gruppe Deutsche Börse ist bereits einer der führenden europäischen Kapitalmarkt-Infrastrukturanbieter, und wir streben eine Expansion auch auf internationaler Ebene an. Um unseren Ambitionen gerecht zu werden, verfolgt das Wachstumsprogramm „Roadmap 2020“ eine Drei-Säulen-Strategie. Eine dieser Säulen sind Investitionen in vier neue Schlüsseltechnologien: Cloud, Big Data & Analytics, Robotik & Künstliche Intelligenz sowie DLT/Blockchain.

Aus Sicht der Deutschen Börse bildet die DLT/Blockchain-Technologie eine wichtige Gelegenheit, um neue Marktstrukturen zu schaffen, neue Produkte in unsere bestehenden Strukturen einzubauen und unsere bisherigen Angebote zu verbessern. Ihr Potenzial erstreckt sich über unsere gesamte Wertschöpfungskette – Pre-IPO/Listing, Handel und Clearing, Abwicklung und Verwahrung und sogar das Daten- und Analytics-Geschäft. Natürlich sind die Erwartungen hoch und nicht alle können erfüllt werden; Blockchain wird nicht die Antwort auf alle unsere Fragen sein. Die digitale Wirtschaft ist allerdings auf dem Weg zur Dezentralisierung. In Zukunft wird es mehr Peer-to-Peer-Marktplätze und weniger Intermediäre geben. In dieser Hinsicht hat Blockchain das Potenzial, disruptiv auf die Kapitalmarktinfrastruktur zu wirken. Es handelt sich ja um einen dezentralen Ledger für alle Transaktionen in einem Peer-to-Peer-Netzwerk, in dem die Teilnehmer Transaktionen bestätigen können, ohne dass eine zentrale Zertifizierungsstelle erforderlich ist. Auch viele andere Branchen haben die Bedeutung der Technologie erkannt.

Die Gruppe Deutsche Börse war bereits mit einigen Initiativen im Bereich von Blockchain aktiv. Nun hat der Vorstand beschlossen, ein engagiertes Team für DLT, Crypto Assets and New Market Structures zu bilden, um das Thema weiter voranzutreiben. Was ist von dem neuen Ansatz zu erwarten?

Jens Hachmeister: Wir beobachten, dass mehrere Marktangebote, die auf der DLT/Blockchain-Technologie basieren, bereits die gesamte Wertschöpfungskette der Gruppe durchdringen und unsere traditionelle Marktinfrastruktur infrage stellen. Hierzu zählen Innovationen zur Eigenkapitalfinanzierung durch Initial Coin Offerings (ICOs), dezentrale Sekundärmarktplätze oder Blockchain-basierte Verwahrlösungen, um nur mal einige zu nennen. Die Deutsche Börse ist hier mit einer ersten Phase der Ideenfindung und Sondierung tätig. Wir haben in verschiedene Initiativen investiert, um zunächst ein fundiertes Verständnis für die Trends, die Technologie und deren Potenziale für die traditionellen Segmente unserer Wertschöpfungskette zu schaffen.

Diese explorativen Schritte wurden bisher jedoch nicht gruppenweit koordiniert. Um das volle Potenzial der Technologie für unsere Geschäfte auszuschöpfen, Effizienzsteigerungen und Erträge zu erzielen, wird ein über alle Geschäftsbereiche koordinierter Ansatz eine größere Wirkung haben.

Alle Initiativen im Bereich DLT/Blockchain werden nun von einem Team in einem gemeinsamen gruppenweiten Ansatz gesteuert. Selbstverständlich werden wir eng mit den Geschäftsbereichen und der IT zusammenarbeiten. Außerdem stehen wir in engem Kontakt mit Kollegen von Group Legal und Group Regulatory Strategy.

Können Sie uns mehr über das neue Team und dessen Aufbau erzählen?

Jens Hachmeister: Das neue Team besteht aus 24 Mitgliedern mit mir als Leiter und Eric Leupold als meinem Stellvertreter. Alle Mitglieder haben sich aufgrund ihrer ausgewiesenen DLT/Blockchain-Expertise oder ihres Engagements in bereits laufenden Initiativen für das Team qualifiziert. Jeder von ihnen bringt Fähigkeiten an den Tisch, die wir brauchen, um die Gruppe Deutsche Börse als relevanten Spieler in der DLT/Blockchain-Arena zu positionieren.

Das Team ist in einer Projektstruktur entlang unserer verschiedenen Initiativen aufgestellt; je ein funktionaler Teamleiter betreut und fördert diese Initiativen. Außerdem wird es zwei Programm-Manager als Schnittstellen geben, die alle Initiativen koordinieren. Wir haben eine Menge Arbeit vor uns und die nächsten Monate sind entscheidend. Dennoch: Ich bin davon überzeugt, dass wir hervorragende Köpfe haben, mit denen wir diese Herausforderungen meistern können.

Jens Hachmeister, Sie haben Ihre Expertise in vielen verschiedenen Bereichen der Gruppe Deutsche Börse eingebracht. Jetzt leiten Sie das Blockchain-Team. Was sind die Herausforderungen und was treibt Sie an?

Jens Hachmeister: Betrachtet man das Tempo des technologischen Fortschritts und das Transformationspotenzial der Blockchain-Technologie, so stehen wir wahrscheinlich am Beginn einer neuen Ära, die für die gesamte Branche disruptiv sein könnte. Die Herausforderung besteht darin, dass wir nicht genau wissen, wohin das alles führen wird. Die Möglichkeiten, die diese neue Technologie bietet, sind faszinierend und es ist großartig, die Gelegenheit zu haben, hoffentlich bedeutende Beiträge zu leisten und dieses Thema für die Gruppe voranzutreiben. Mein Team und ich sind sehr motiviert, diese Reise für die Deutsche Börse voranzutreiben, da ich persönlich von dem großen Potenzial für unser Unternehmen überzeugt bin.

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