Service Navigation

Der Übergang in die MiFID II-Welt – im Gespräch: Alexandra Hachmeister

01. Feb 2018

Der Übergang in die MiFID II-Welt – im Gespräch: Alexandra Hachmeister„Der Start war gut“

  • Chief Regulatory Officer der Deutschen Börse lobt gründliche Vorbereitung der Marktteilnehmer
  • Die Deutsche Börse zieht eine insgesamt positive Bilanz des Übergangs in die neue Mifid-II-Welt.
  • Anpassungsbedarf werde sich in Zukunft vor allem durch den Brexit ergeben.

Alexandra Hachmeister, Chief Regulatory Officer
„Man kann unter dem Strich sagen: Der Start war gut. Wir sind sehr zufrieden, auch wenn eine solche Umstellung natürlich nicht friktionslos abläuft.“ Alexandra Hachmeister, Chief Regulatory Officer der Deutschen Börse, spricht im Hinblick auf die Vorbereitung auf den 3. Januar, an dem die neu gefasste EU-Marktrichtlinie (Mifid II) in Kraft getreten ist, von einer „guten Abstimmung“ zwischen Marktteilnehmern, Börse und Regulierern. „Alle hatten Interesse an einem erfolgreichen Start, und wir haben das gemeinsam gestemmt.“ Auf die Frage nach Friktionen weist Hachmeister darauf hin, dass die Börse im Vorfeld zusammen mit den Marktteilnehmern die Funktionsweise der Handelssysteme gründlich getestet habe. „Unsere Marktteilnehmer waren bereit.“ Es seien seit 3. Januar jedoch erhebliche Datensätze für das Reporting zu kreieren. „Bis das perfekt läuft, haben wir zusammen mit Marktteilnehmern und Regulierern noch einige Nacharbeiten zu erledigen. Das ist für mich aber nicht überraschend.“  Eine vor dem Mifid-II-Start geäußerte Befürchtung sei schon mal nicht eingetreten, nämlich eine große Zurückhaltung von Akteuren im Handel aus Unsicherheit. „Wir können das nicht bestätigen. In den ersten zehn Tagen nach der Einführung war das Handelsvolumen im Vergleich zum Vorjahr sehr stabil“, berichtet Hachmeister. Dies gelte sowohl für den Kassa Handel auf Xetra als auch für die Terminbörse Eurex.

Kennzahlen neu berechnen

Der Bedarf für Anpassungen ergibt sich nach Hachmeisters Einschätzung vor allem aus dem britischen EU-Austritt in rund 14 Monaten. Als Beispiel nennt sie die Berechnung der Liquidität einzelner Finanzinstrumente, in die derzeit mit London noch der größte europäische Finanzmarkt einfließt. Mit dem Brexit müssten diese Liquiditätskennzahlen neu berechnet werden. „Der Adjustierungsbedarf wird sehr deutlich“, sagt Hachmeister. „Ich gehe davon aus, dass die Regulatoren sich bereits Gedanken darüber machen, wie dies funktionieren kann. “  Aus der Liquiditätsfrage ergäben sich auch Konsequenzen für das Marketmaking und die Best Execution, also die bestmögliche Order-Ausführung. „Hier wird man, ohne das Regelwerk selbst gleich zu verändern, eine Adjustierung vornehmen müssen‘‘, ist Hachmeister überzeugt. Da Großbritannien künftig voraussichtlich ein Drittstaat gegenüber der EU sein wird, stünden zudem Entscheidungen über die Äquivalenz an.

Hinsichtlich etwaiger unbeabsichtigter Konsequenzen von Mifid II und der Frage, inwieweit sie regulatorische Korrekturen erfordern, sagt Hachmeister: „Die Frage dabei wird sein, ob man genügend Evidenz hat. Die dafür benötigten Daten wird man erst einmal sammeln müssen.“

Einige Dinge könne man pragmatisch lösen, für andere müsse man den Gesetzestext ändern. Möglicher Anpassungsbedarf ergibt sich ihren Worten zufolge auch aus den Aktivitäten von Dark Pools, also intransparenten Handelsplattformen. „So wie Mifid II konstruiert ist, sollte es nicht zu einer Zunahme des Dark Trading führen, sondern den transparenten Orderflow stärken. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das gelingt, aber das müssen wir jetzt erst einmal beobachten.“  Die bisherige Datenerhebung verläuft ihren Angaben zufolge ,,grundlegend gut“, auch weil die ESMA eine ,,pragmatische Lösung‘‘ für die Nutzung des Legal Entity Identifier (LEI) anbiete. „Wir müssen das Delisting von Instrumenten auf jeden Fall vermeiden“, betont Hachmeister. „Wir arbeiten jetzt hart daran sicherzustellen, dass Investoren in Frankfurt Zugang zu einem der weltweit größten Angebote an Wertpapieren behalten.“ „Wenn Mifid II von allen sauber implementiert worden ist, werden die Märkte transparenter, sicherer und stabiler sein“, bilanziert Hachmeister. Die neu gesammelten Daten erhöhten das Transparenzniveau, der Investorenschutz werde gestärkt. „Mifid II ist ein unglaublich komplexes Regelwerk, aber ich habe Vertrauen, dass es das richtige ist.“

Von Stefan Schaaf, Frankfurt
Der Artikel ist zuerst in der Börsenzeitung vom 1. Februar 2018 erschienen.

Additional Information

Kontakt

Internet-Hotline

Servicezeiten: Mo-Fr, 9 – 18 Uhr MEZ

+49-(0) 69-2 11-1 16 70

info@​deutsche-​boerse.com