Service Navigation

Erfolgreich im Deutsche Börse FinTech Hub, Teil 3: Fintura

02. Jun 2017

Erfolgreich im Deutsche Börse FinTech Hub, Teil 3: Fintura

Der FinTech Hub ist eine Initiative zur Unterstützung der Fintech-Community in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet. Sie bietet Fintech-Start-ups wie Fintura neben gezielter Beratung und Vernetzung auch Co-Working-Arbeitsplätze und einen modernen Veranstaltungsort. Wir sprachen mit Dr. Gernot Overbeck, einem der Co-Gründer. Fintura betreibt ein Online-Vergleichsportal, über das kleine und mittlere Unternehmen (KMU) schnell und unkompliziert Finanzierungsvorhaben realisieren können.

Herr Overbeck, Sie sind einer der Gründer von Fintura. Können Sie sich selbst und Ihre Mitgründer kurz vorstellen?

Gernot Overbeck, CEO Fintura

Mein Name ist Gernot Overbeck. Ich bin Co-Gründer und CEO von Fintura und von Hause aus bin ich der „Nichtbanker“ von uns beiden. Ich bin Physiker. Mein erstes Start-up habe ich während meiner Promotionszeit am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie aufgebaut. Wir haben Lasermikroskope hergestellt und vertrieben. Danach war ich bei McKinsey & Company und Oliver Wyman. Danach habe ich dann mein zweites Start-up aufgebaut: ein Unternehmen für den Immobilienbereich, eine Software as a Service-Company. Danach war ich Partner bei einem mittelständischen Private Equity-Fonds. 2014 schließlich gründete ich mit Thomas Becher, meinem Co-Gründer, Fintura. Thomas ist Banker mit Herz und Seele. Er war Director bei der Deutschen Bank und hat 15 Jahre Erfahrung im KMU-Banking. Wir haben uns bei einem kleineren Beratungsprojekt bei der Deutschen Bank kennengelernt und haben uns dann vorgenommen, zusammen das KMU-Banking zu revolutionieren, weshalb wir im April 2014 Fintura gründeten.

Fintura ist ein Online-Finanzierungsportal für kleine und mittlere Unternehmen. Wie kamen Sie auf die Idee, gerade an dieser Stelle anzusetzen?

Wir haben uns den Markt angeschaut. Überall gibt es Vergleichsportale; man kauft Autos über Vergleichsportale, man bucht seine Reise über ein Vergleichsportal, man bucht sein Hotel über ein Vergleichsportal und die ein oder anderen suchen sich ihren Ehepartner über ein Vergleichsportal aus.  Im Bereich der KMU-Finanzierungen gab es das jedoch nicht. Und das, obgleich der KMU-Bereich der Kern der deutschen Wirtschaft ist: 82 Prozent der Azubis sind bei KMU beschäftigt, mehr als 50 Prozent der Wirtschaftsleistung in Deutschland wird durch KMU erbracht. Wir haben uns deshalb gesagt: „Das machen wir. Da gehen wir rein und stiften richtigen volkswirtschaftlichen Wert.“ Wir wollten nicht nur gründen, wir wollten auch etwas Sinnvolles machen. Gerade der Banking-Bereich hat ja im Rahmen der Finanzkrisen einiges an Imageschaden mitbekommen. Da fanden wir es sehr interessant, im Bereich Banking etwas zu gründen, was einen richtigen volkswirtschaftlichen Zweck hat.

Wie haben die Banken, mit denen Sie kooperieren – also Ihre Finanzpartner – das angenommen?

Die Finanzpartner waren sehr offen. Es gibt immer Unterschiede, es gibt immer die Innovativeren und die weniger Innovativen, aber insgesamt waren sie sehr offen. Die Banken haben im Hypothekenbereich mit Interhyp sehr gute Erfahrungen gemacht. Und es war klar, dass sich im KMU-Sektor etwas Entsprechendes – so etwas wie Fintura – entwickeln wird. Deshalb wurde unsere Initiative sehr gut aufgenommen.

Wie schnell funktioniert die Kreditvergabe bei Ihnen?

Für die Kreditvergabe haben wir einen Prozess, der innerhalb von 15 Minuten einen risikoadjustierten Zinsvergleich ermöglicht. Das ist unsere zentrale Value Proposition. Die Kreditvergabe dauert danach, wenn alle Dokumentation hochgeladen ist und der KMU-Unternehmer nicht irgendwelche Leichen im Keller versteckt hat – was auch immer das eine oder andere Mal auftaucht – 72 Stunden.

Wieso geht das so schnell? Auf Basis welcher Daten erfolgt diese erste Einschätzung?

Wir bereiten für die Banken die Unterlagen sehr gut auf. Und wir haben motivierte Ansprechpartner bei den Banken, die wissen: „Wenn wir erfolgreich sind, dann sind sie erfolgreich.“ Aber nicht jeder Kredit wird innerhalb von 72 Stunden zugesagt. Wenn wir hochkomplexe Fälle haben oder solche mit Volumina größer als 250.000 €, dann dauert das länger.

Wenn ich als Kunde zu Ihnen komme, was für Dokumente muss ich hochladen, was für Informationen muss ich Ihnen zunächst geben?

Am Anfang brauchen Sie uns nur die Information über Ihr Unternehmen zu geben, über Ihre Person und zum dritten natürlich über Ihr Finanzierungsprojekt. Dann ziehen wir den Creditreform Bonitätsindex und erstellen basierend auf dem Informationsstand automatisiert den Konditionsvergleich. Dieser Konditionsvergleich ist dann risikoadjustiert. Danach wählen Sie – als Kunde – den Finanzierungspartner aus. Danach laden Sie noch Dokumente wie die Jahresabschlüsse der letzten zwei Jahre und die aktuellen betriebswirtschaftlichen Auswertungen (BWAs) auf unsere Plattform hoch.

Kann ich bei Ihnen theoretisch jedes Finanzierungsvorhaben finanzieren lassen?

Grundsätzlich können Sie jedes Finanzierungsvorhaben bei uns finanzieren lassen, es muss jedoch gewerblich sein. Private Finanzierung machen wir nicht. Es gibt Ausschlussbranchen wie das Rotlichtmilieu oder Waffengeschäfte. Es gibt Branchen, die sind schwieriger als andere zu finanzieren, wie das Hotel- und Gaststättengewerbe. Generell können Sie aber alles über uns finanzieren, vorausgesetzt Ihre Bonität ist nicht zu schlecht und sie sind in der Lage, den Kredit zurückzuzahlen.

Wie verdienen Sie hierbei Ihr Geld?

Wir nehmen eine Provision. Die liegt bei 1,5 Prozent und zwar unabhängig vom Finanzierungspartner. Bezahlen muss der Finanzierungspartner, der den Abschluss gemacht hat. Unsere Finanzierungspartner sagen, das ist eine faire Provision für die Arbeit, die wir leisten. Im Gegenzug für unsere Provision reduzieren wir die Prozesskosten im Vertrieb und im Middle Office der Finanzierungspartner: Der Finanzierungspartner bekommt die Finanzierungsanfrage aufbereitet mit der Qualität, wie er es vom Erstvotum innerhalb der Bank kennt. Er steht bei Erhalt der Unterlagen nicht mehr im Wettbewerb zu anderen Finanzierungspartnern, denn der Kunde hat ja bereits zwischen den Alternativen gewählt. Damit hat der Finanzierungspartner diese Finanzierung sicher. Das reduziert Leerarbeiten für Finanzierungen, die der Finanzierungspartner an Wettbewerber verliert oder letztendlich ausschlägt. Da Prozesskosten das primäre Kostenproblem bei Banken im KMU-Bereich sind, helfen wir Finanzierungspartnern so, ihr zentrales Problem unter Kontrolle zu bekommen.

Wie sind Sie als Start-up zum Deutsche Börse FinTech gekommen?

Wir wurden angerufen und gefragt, ob wir kommen wollen. Da haben wir ja gesagt. Wir waren in Darmstadt und wollten eigentlich immer nach Frankfurt. Wir haben immer nach einer Gelegenheit gesucht und als die Deutsche Börse dann bei uns angeklopft hat, haben wir begeistert zugegriffen: das gesamte Setting ist einfach super.

Das heißt, der Standort bringt auch Vorteile für Sie?

Ja. Erst einmal ist Frankfurt als Standort signifikant besser als Darmstadt, weil man viel näher an den Banken ist, sich schnell auf einen Kaffee zusammensetzen kann. Bornheim als Standort ist sehr schön, der Sandweg und die Berger Straße um die Ecke haben ein wunderbares Flair. Der FinTech Hub ist ebenfalls grandios: die offene Architektur, glasgebaut, und hier der wunderschöne Balkon. Man kann sich als Fintech eigentlich nichts Besseres wünschen.

Wie hat sich Ihr Fintech entwickelt, seit Sie hier im FinTech Hub sind?

Wir haben die Personalanzahl verdoppelt auf nun insgesamt 12 Personen. Das angefragte Kreditvolumen hat sich in etwa verdreifacht, das gleiche gilt für das ausgezahlte Kreditvolumen. Wir haben inzwischen Finanzierungsvorhaben in einem Volumen von insgesamt fast 80 Mio. € vermittelt. Wir haben uns also sehr gut entwickelt.

Wie sehen jetzt die nächsten Schritte aus?

Der nächste Schritt ist für uns eine große Finanzierungsrunde, die wir jetzt „closen“ wollen, um damit eigentlich die Wachstumsphase und die Professionalisierungsphase einzuleiten. Wir haben nachgewiesen, dass das, was wir machen wollten, funktioniert und dass sowohl Finanzierungspartner als auch Kunden mitmachen. Es ist uns zum ersten Mal weltweit gelungen, einen risikoadjustierten Zinsvergleich „just in time“ darzustellen. Die Kunden mögen uns, sie kommen wieder. Jetzt müssen wir einfach schauen, dass wir die Organisation professionalisieren, das Produkt weiterentwickeln und den Marktauftritt verbessern und damit stark wachsen.

Welchen Umfang hatte die aktuelle Finanzierungsrunde?

Wir haben im Augenblick 2 Mio. € eingesammelt von privaten Investoren. Das hat sich über mehrere Tranchen verstreut. Jetzt denken wir über eine signifikant größere Summe nach.

Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!

Das Gespräch führte Claudia Aden.

Additional Information

Kontakt

Internet-Hotline

Servicezeiten: Mo-Fr, 9 – 18 Uhr MEZ

+49-(0) 69-2 11-1 16 70

info@​deutsche-​boerse.com