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Erfolgreich im Deutsche Börse FinTech Hub, Teil IV

23. Jun 2017

Erfolgreich im Deutsche Börse FinTech Hub, Teil IVsavedroid – die App, die sparen hilft

Der FinTech Hub ist eine Initiative zur Unterstützung der Fintech-Community in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet. Sie bietet Fintech-Start-ups wie savedroid neben gezielter Beratung und Vernetzung auch Co-working-Arbeitsplätze und einen modernen Veranstaltungsort. Wir sprachen mit Dr. Yassin Hankir, einem der Gründer von savedroid – einer App, mit der man automatisch Geld für seine Wünsche sparen kann.  

Herr Hankir, Sie sind einer der Gründer von savedroid. Stellen Sie bitte kurz sich und Ihre Kollegen vor.

Ich habe Anfang 2013, vor savedroid, schon ein anderes Fintech, vaamo/Robo-Advice, mitgegründet und war dort für zweieinhalb Jahre. Vorher habe ich vier Jahre bei McKinsey Banken beraten und davor habe ich hier an der Goethe-Uni in Frankfurt VWL studiert und in BWL promoviert.  Mein Co-Founder auf der technischen Seite, unser CTO Tobias Zander, ist purer „Techie“. Er hat noch auf dem Atari angefangen zu programmieren und dementsprechend seit über 15 Jahren Entwicklungserfahrung.  Er war vorher CTO bei einer Web-Agentur hier in Frankfurt. Dann haben wir als Dritten im Bunde Marco Trautmann. Marco ist Wirtschaftsinformatiker, der lange Jahre im Beratungsbereich gearbeitet hat. Erst bei Accenture, dann bei McKinsey.  Dann hat er seinen Beraterjob an den Nagel gehängt und sich in unser Start-up-Abenteuer gestürzt.

Wie sind Sie drei zusammengekommen?

Ich wusste, welche Leute ich brauche, denn ich hatte eine konkrete Frage: Wie kann ich für Otto Normalverbraucher eine mobile App bauen, die ihm hilft, in ganz alltäglichen Situationen regelmäßig Geld zur Seite zu legen und dies so zu automatisieren, dass es Spaß macht zu sparen? Als ich meine Mitgründer, Tobias und Marco, kennengelernt habe, war schnell klar, dass es mit den beiden sowohl inhaltlich als auch persönlich am besten passen würde.

Wie kam es zu der Idee, Leuten beim Sparen zu helfen?

Gegründet haben wir das Unternehmen im September 2015 als feststand: Wir drei sehen dafür einen echten Business Case – ein Problem, das eigentlich jeder hat. Man will in den Sommerurlaub fahren oder einen neuen Laptop kaufen, hat aber das Geld nicht – das muss man ansparen. Und darum dreht es sich bei savedroid. Hier helfen wir, mit kleinen Beträgen, die nicht weh tun, ans Ziel zu kommen. Die meisten haben eben nicht die Selbstdisziplin, dieses Geld beiseitezulegen. Genau dafür wollten wir eine Lösung, am besten automatisiert, so dass der Nutzer gar nichts mehr selbst machen muss. Deswegen haben wir auch gesagt: „Lass uns nicht große Beträge sparen, sondern lass uns mal 2 € hier, mal 5 € dort sparen.“ So kamen wir dann Stück für Stück zu unserer Idee.

Wie kamen Sie zum Deutsche Börse FinTech Hub?

Der erste Kontakt ergab sich über die Frankfurter Fintech-Community. Da haben wir davon erfahren, dass die Deutsche Börse mit den Plänen spielt, einen FinTech Hub zu eröffnen. Wir fanden es gut, dass die Deutsche Börse gesagt hat: „Wir machen das jetzt einfach mal.“ Das hat uns als Start-up am Ende überzeugt. Bei anderen Initiativen hat mich gestört, dass sehr viel erzählt wurde, aber am Ende wenig herumkam. Bei der Deutschen Börse war es exakt das Gegenteil. Vielleicht kann man das aus der Konzernperspektive gar nicht so stark wahrnehmen, aber für ein Start-up sind vier Wochen eine lange Zeit. Unser Planungshorizont ist jetzt z. B. erst einmal bis Herbst. Natürlich haben wir Pläne für danach, aber der Fokus ist immer sehr kurzfristig. Und diese Geschwindigkeit bei der Deutschen Börse – das fanden wir super! Das hat uns überzeugt und bewogen, uns auf jeden Fall zu bewerben.

Sicherlich nicht zu vernachlässigen ist auch, dass es beim Recruiting ein super Vorteil ist, die Berger Straße vor der Haustüre zu haben. Als Start-up können wir nicht die höchsten Gehälter bezahlen und die Arbeitszeiten sind überdurchschnittlich. Da hilft es natürlich, wenn wir ein Büro haben, das top gelegen ist.

Was waren Ihre Anforderungen? Was für eine Art von Hilfe haben Sie sich vorgestellt?

Die Infrastruktur ist mit Abstand der wichtigste Punkt, weil das in Frankfurt eines der größten Probleme ist. Es ist wahnsinnig schwierig für ein Start-up in Frankfurt, zentral gelegenen, bezahlbaren Büroraum zu finden. Ein weiterer Punkt ist natürlich der Austausch mit den anderen Start-ups und den Kollegen vom Deutsche Börse Venture Network. Auch wenn wir an ganz unterschiedlichen Themen arbeiten, stehen wir am Ende des Tages doch vor ganz ähnlichen Herausforderungen: einen Tipp für einen guten Steuerberater, eine Softwarelösung für unser Marketing-Tracking oder eine Empfehlung im Bereich Design. Das Gute unter Start-ups ist aber, dass man auch negatives Feedback offen teilt. Das ist extrem wertvoll, weil es viel Zeit spart.

Beim Deutsche Börse Venture Network war ganz klar das Thema Vertrauen grundlegend. Das Label der Deutschen Börse ist extrem wertvoll. Wenn man sagt, die Deutsche Börse hat sich das angeschaut, hat Auswahlkriterien festlegt und gesagt, „Okay, die nehmen wir mit rein“, dann hilft das natürlich enorm in der Außenwirkung.

Was waren die Kriterien? Was wollte die Deutsche Börse von Ihnen?

Dass wir ein nachhaltiges Geschäftsmodell haben, das es übermorgen auch noch geben wird. Die Kollegen haben uns genau angeschaut: Wer steht eigentlich dahinter? Gibt es eine gewisse finanzielle Grundausstattung, sodass das Geld nicht morgen ausgeht? Macht die Idee Sinn in dem Markt? Wer ist das Team, welchen Hintergrund haben die Gründer, gibt es schon Mitarbeiter? Schließlich will die Deutsche Börse nicht heute einen FinTech Hub eröffnen und zwei Monate später, wenn die Journalisten nachfragen, sind alle vier Start-ups insolvent. Dann ist die Deutsche Börse natürlich auch an Innovationen interessiert und sagt sich: Start-ups arbeiten ständig an Innovation. Kann man hier nicht auch – zumindest von der Kultur her – einen gewissen Wissenstransfer ankurbeln?

Zurück zu savedroid. Wie funktioniert das jetzt genau und für wen ist es interessant?

Ein paar Fakten: Wir sind relevant für jüngere Leute. 80 Prozent unserer User sind unter 40 Jahre alt, 50 Prozent unter 30. Die meisten unserer User haben ihre Girokonten bei der Sparkasse. Dann haben wir auch einen sehr ausgewogenen Mix zwischen Männern und Frauen. Jetzt, nachdem wir unser Design, unser Marketing umgestellt haben, haben wir bei den neuen Usern sogar mehr Frauen als Männer.

Und wie spart man?

Man installiert die savedroid-App kostenlos entweder für iOS oder für Android. Nach dem Download wählt man aus, auf welchen Wunsch man sparen möchte. Das ist vorkategorisiert: Urlaub, Auto, technisches Gerät und vieles mehr. Dann wählt man einen Zielbetrag, den man erreichen möchte und bis wann und wie man darauf sparen möchte. Egal, was ich in meinem Leben tue, ich kann alles in eine Sparregel verwandeln, solange es über das Smartphone technisch erfassbar ist oder sich auf dem Girokonto, das mit der App verbunden ist, abspielt.

Eine Sparregel setzt dabei immer auf der Wenn-dann-Logik auf. Die kann man frei konfigurieren. Zum Beispiel: Immer, wenn ich mit der EC-Karte zahle, dann runde auf den nächsten Euro oder auf die nächsten zwei Euro auf. Oder, wenn ich mein Gehalt auf mein Girokonto bekomme, dann immer x Prozent beiseitelegen. Ich kann auch sagen, immer wenn ich Sport mache und ein bestimmtes Ziel erreiche, will ich x Euro sparen. Das Geld geht dabei immer vom Girokonto auf ein Sparkonto.

Ganz neu ist – und da gehen wir in die Richtung künstliche Intelligenz – dass man unseren kleinen Droiden, unseren kleinen Roboter, autonom entscheiden lässt, wann und wieviel gespart werden soll. Wie funktioniert das? Der Nutzer erteilt unserer App Lesezugriff auf das Girokonto. In der Regel sind das sechs Monate zurück alle Kontoumsätze. Diese Kontoumsätze füttern wir in ein Machine Learning-Tool, das sämtliche Kombinationen rechnet, um Muster zu finden. Ausgaben und Einnahmen werden kategorisiert: das Gehalt, die Miete, regelmäßige Abbuchungen für den Handyvertrag, Strom etc. Das wird genutzt, um eine Vorhersage zu treffen, wie sich der Girokontostand dieses Users sehr wahrscheinlich entwickeln wird. Diese Vorhersage legen wir dann gegen den tatsächlichen Kontostand. Wenn dieser Nutzer z. B. mehr Geld auf dem Girokonto hat, als er braucht, um durch den Monat zu kommen, dann interpretieren wir das als Sparpotenzial. Innerhalb dieses Sparpotenzials legt der Algorithmus automatisch einen Teil auf das separate Sparkonto zur Seite, das unsere Partnerbank, die Wirecard Bank, führt.

Der nächste Schritt ist eine Vorabberechnung, ob man sein Ziel auch tatsächlich erreichen kann – mit einem konkreten Hinweis: „So wirst du dein Ziel nicht erreichen, aber hier ist eine Lösung für dich.“ Wir wollen zukünftig auch die Möglichkeit bieten, noch mehr Geld zu sparen, indem wir helfen, Fixkosten zu reduzieren. Dadurch, dass die App auf das Girokonto zugreift, sehen wir, wofür der Nutzer sein Geld ausgibt, d. h. wir können Laufzeitverträge, wie einen Stromvertrag, identifizieren. Dann vergleichen wir am Markt, ob dieser Stromvertrag günstig ist. Wenn es einen günstigeren gibt, schlagen wir dem Nutzer diesen vor. Er kann dann in unserer App den Stromvertrag auch wechseln.

Wie verdienen Sie Ihr Geld?

Genau mit dem letzten Schritt, nämlich dem Thema Vertragswechsel. Wenn der Kunde sagt: „Ich wechsele!“ Dann bekommen wir in dem Moment von dem neuen Anbieter eine Provision. Letzten Endes ähnlich wie Check24 sein Geld verdient oder Verivox – nur mit dem Unterschied, dass der User bei uns nicht den Vertragswechsel anstoßen muss. Wir nehmen ihm die Aufgabe des Suchens und des Optimierens ab und er bekommt die Lösung auf dem Silbertablett geliefert.

Wie viele Leute machen schon mit?

Wir haben jetzt schon weit mehr als 150.000 Downloads. Das liegt über unseren Erwartungen, denn es hat sich herausgestellt, dass wir mit dem Angebot schon vom Start weg eine deutlich breitere Zielgruppe erreichen konnten als erwartet.

Was sind die nächsten Schritte?

Der unmittelbar nächste Schritt ist es jetzt, das Feature Vertragsoptimierung in der App auszurollen. Dann wollen wir die Zahl der Downloads noch weiter steigern. Unser Ziel ist es, im Sommer  200.000 Downloads zu erreichen. Das ganz, ganz große Ziel für dieses Jahr – Richtung drittes Quartal – ist das Thema Series A-Finanzierungsrunde.

Wofür genau wollen Sie das frische Geld?

In erster Linie für das Thema User-Wachstum, insbesondere im internationalen Kontext. Wir wollen möglichst schnell mit dieser Idee auch in andere europäische Länder: als allererstes nach Frankreich. Die Sparquote in Frankreich ist tatsächlich noch höher als in Deutschland und der Markt ist sehr groß.

Letzte Frage: Welchen Umfang soll diese Series A-Finanzierung haben?

Wir haben uns ein ambitioniertes Ziel gesetzt, wir wollen einen zweistelligen Millionen Euro Betrag aufnehmen. Das ist für eine Series A schon sportlich, das ist uns bewusst. Wir glauben aber, dass wir dieses Volumen auch tatsächlich brauchen, um super schnell unterwegs zu sein und savedroid erfolgreich als europäisches Fintech zu positionieren. Gegeben unserer sehr guten Traktion, glauben wir, dass der Betrag machbar ist. Man braucht auch ein großes Ziel, an dem man hart arbeitet. Ansonsten wäre es langweilig.

Viel Erfolg und danke.

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