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Eurobörsentag 2018

25. Jun 2018

Eurobörsentag 2018„Wer glaubt, dass man auf Dauer eine starke Volkswirtschaft ohne einen starken Finanzmarkt haben kann, der irrt.“

Theodor Weimer, CEO der Deutsche Börse AG, und Claus Döring, Chefredakteuer der Börsen-Zeitung
© Börsen-Zeitung

Auf dem Eurobörsentag 2018 in Frankfurt plädierte Dr. Theodor Weimer, CEO der Gruppe Deutsche Börse, für die Stärkung des Finanzsektors in Deutschland. „Der Anteil des Finanzsektors an der Bruttowertschöpfung ist in Deutschland über die letzten Jahre kontinuierlich gesunken“, konstatierte Weimer. Er liege mit 4 Prozent am unteren Ende der OECD-Länder. Zum Vergleich: In Großbritannien und den USA erwirtschafte der Finanzsektor 7 Prozent der nationalen Wertschöpfung. „Das Finanzsystem ist der Blutkreislauf der Wirtschaft; die Industrie und ganz besonders der Mittelstand sind die Muskeln. Deshalb brauchen wir in Deutschland einen stärkeren Finanzsektor.“ Auch die negativen Zinsen hätten sich zu Ungunsten des deutschen Finanzmarkts ausgewirkt, so Weimer, da z. B. die Banken in ihrem Kerngeschäft nichts mehr verdienen würden.

Der 27. Eurobörsentag 2018 stand unter dem Motto “Brexit im Kontext der Kapitalmarkteffizienz, Chancen für den Finanzmarkt EU?“. Er wird organisiert von der Börsen-Zeitung, der Gruppe Deutsche Börse und pwc.

Der Brexit sei „politisch schmerzhaft, denn die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt hat sich gegen die EU entschieden“, so Weimer. Durch den Brexit würde der Finanzmarkt in Europa neu geordnet, daher biete der Brexit auch eine „historische Chance“, die der Finanzplatz Deutschland nutzen müsse, so Weimer. Die Politik müsse die Bedeutung des Finanzsystems erkennen und um den Finanzplatz Deutschland kämpfen – teilweise tue sie das auch bereits. Zudem dürfe Finanzmarktkompetenz nicht länger zu weiten Teilen ausgelagert sein, sondern die Finanzdienstleister müssten Kapitalmarktexpertise wieder in stärkerem Maße nach Deutschland und Frankfurt holen. Sein Plädoyer endete in dem Fazit: „Wir brauchen einen Fahrplan zum Ausbau des Finanzplatzes, und wir müssen darüber reden.“

Wie wichtig es ist, sich für einen starken Finanzplatz einzusetzen, zeigt das Clearing von außerbörslich gehandelten Zinsderivaten, das sog. Euro-Clearing. Das Clearing dieser Produkte findet derzeit zu rund 95 Prozent beim Londoner Clearinghaus LCH statt. Die Deutsche Börse biete über ihr Clearinghaus Eurex Clearing eine marktwirtschaftliche Lösung, erläuterte anschließend Erik Müller, CEO der Eurex Clearing AG, auf einem Panel zu den Herausforderungen und Auswirkungen des Brexit auf Kapitalströme.

Obwohl der regulatorische Prozess, um den künftigen Rahmen für das Euro-Clearing zu bestimmen, noch in vollem Gang ist, hat Eurex Clearing mit dem Partnerschaftsprogramm die geclearten Volumina bereits vervielfacht und den Marktanteil deutlich erhöht. Das Ziel für die Deutsche Börse formulierte Müller klar: „Wir wollen der Risikomanager werden für systemisch relevantes Eurogeschäft.“

Eric Leupold, Head of Department Pre-IPO and Capital Markets, wies in einem Panel zur Finanzierung von jungen Unternehmen auf durchaus spürbare Fortschritte in den vergangenen Jahren hin. Nicht zuletzt das Venture Network, der neue Index Scale und das Fintech-Hub der Deutschen Börse tragen hier vor Ort dazu bei, so Leupold. Dennoch ist in Deutschland noch viel zu tun, um die Finanzierung von jungen Wachstumsunternehmen sicherzustellen. Auch hier lautete das Fazit: Ohne einen starken Finanzmarkt geht es nicht.

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