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DAX unter der Lupe

03. Mär 2020

DAX unter der Lupe

Am 4. März wird die Zusammensetzung der DAX-Familie überprüft. Aber wie genau läuft so eine Überprüfung ab? Wir haben uns das von Veronika Kylburg, die als Produktentwicklerin bei Qontigo primär die DAX-Indexfamilie betreut, erklären lassen.

Veronika Kylburg

Die Überprüfung der DAX-Familie steht vor der Tür. Wie oft wird denn überprüft?

Einmal jährlich im September findet eine ordentliche Anpassung des DAX-Index statt. Die Indizes MDAX, SDAX und TecDAX werden halbjährlich im März und September überprüft. Zusätzlich findet jeweils in den verbleibenden Quartalsendmonaten, wie auch jetzt im März, eine Überprüfung der Indexzusammensetzung auf Basis der sogenannten „Fast-Entry“ und „Fast-Exit“-Regeln statt. Dazu kommen noch außerplanmäßige Anpassungen, zum Beispiel wenn der Free Float eines Unternehmens im Rahmen einer Übernahme unter 10 Prozent fällt. 

Wie genau müssen wir uns so eine Überprüfung vorstellen?

Die Unternehmen im DAX werden auf Basis von Free Float-Marktkapitalisierung und Liquidität selektiert. Um diese Größen für alle Unternehmen im Prime Standard zu vergleichen wird monatlich eine sogenannte Rangliste erstellt. Die Kursdaten und den Orderbuchumsatz erhalten wir von Xetra, andere Parameter, wie z.B. die Anzahl der Aktien zur Berechnung der Marktkapitalisierung wird von unserem Research-Team bestimmt. Dazu werden eine Vielzahl an öffentlichen Informationen, wie z.B. Unternehmensmeldungen ausgewertet. 

Bei der Überprüfung wenden wir ganz transparente Regeln an, um die Top 30 Werte zu bestimmen. Im März beispielsweise sind das die „Fast-Entry“ und „Fast-Exit“-Regeln, die uns helfen zu ermitteln welche Unternehmen neu reinkommen oder rausfliegen. Aber ehrlichgesagt passiert das beim SDAX und MDAX öfter als beim DAX, der relativ konstant ist.

Die Indexanpassungen Im März, Juni und Dezember haben den Zweck, neben der ordentlichen Überprüfung im September, signifikanten Verschiebungen auf der Rangliste kurzfristig Rechnung zu tragen. Diese können beispielsweise durch Großemissionen entstehen, die zeitnah im Index berücksichtigt werden oder durch Unternehmen, die z.B. durch starken Kursrückgang nicht mehr die notwendige Größe (Free Float-Marktkapitalisierung) aufweisen.

Warum bildet der DAX eigentlich 30 Unternehmen ab?

Den DAX Index gibt es bereits seit 1988 und er wurde schon damals auf 30 Werte festgelegt. Im Zusammenspiel mit seinen Familienmitgliedern MDAX und SDAX deckt er damit rund 97 Prozent der Free Float-Marktkapitalisierung im Prime Standard ab, was eine sinnvolle Größe ist. Eine Erweiterung des DAX-Index auf beispielsweise 50 Titel würde aus internationaler Sicht eine Erweiterung auf Unternehmen auf Mid-Cap Niveau bedeuten, bereits jetzt ist die Differenz zwischen größtem und kleinstem Unternehmen immens. Zum Verständnis, wir sprechen von einer Bandbreite zwischen 6 Mrd. und 129 Mrd. EUR Free Float-Marktkapitalisierung. Dies hätte außerdem auch Implikationen auf die Zusammensetzung von MDAX und SDAX, die sich weiter in Richtung Small-Cap bewegen würde. Auch die Liquidität würde erheblich darunter leiden. 

DAX hat sich weltweit als Benchmark und Barometer für die deutsche Wirtschaft etabliert. Der Index ist Basiswert für rund 150.000 Finanzprodukte. Es sind zurzeit 17 ETFs auf den DAX aufgelegt, mit einem investierten Vermögen von 14,2 Mrd. Euro. Eine Größenveränderung würde sich auch auf die Risiko- und Rendite-Charakteristiken und auf die Handelbarkeit auswirken, sowie in den Handelskosten niederschlagen.

Es gibt ja mehrere DAX-Varianten. Warum hat sich der Performance-Index durchgesetzt?

Alle Auswahlindizes werden als Kursindizes (bilden die reine Kursentwicklung ab), als Performance-Indizes (berücksichtigt die vollständige Reinvestition der Dividenden) und als Net Return-Indizes (berücksichtigt die steuerbereinigte Reinvestition der Dividenden) berechnet. Der DAX wird üblicherweise in der Variante als Performance-Index betrachtet.

Aus Perspektive des Investors bildet ein Performance-Index Dividendenzahlungen besser ab. Bei einem Preisindex gehen diese Zahlungen für den Investor aus Indexsicht verloren. Aus Perspektive des Unternehmens ist es so, dass Firmen grundsätzlich drei Möglichkeiten haben, Gewinne zu verwenden: Erstens Bargeld, um die Dividende auszuschütten, zweitens ins Unternehmen re-investieren, oder drittens eigene Aktien zurückkaufen. Ein Performance-Index ist also eine Art Incentivierung, Dividenden auszuschütten. 

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