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Brexit – und was nun?Auswirkungen auf die Finanzwirtschaft

Am 23. Juni 2016 stimmte die britische Bevölkerung mit knapper Mehrheit für den Austritt ihres Landes aus der EU. Premierministerin Theresa May setzte daraufhin am 29. März 2017 den Rat der Europäischen Union offiziell über die Austrittsabsicht des Vereinigten Königreiches in Kenntnis. Mit dieser Ankündigung kam zum ersten Mal Artikel 50 des EU-Vertrags zur Anwendung, sodass die EU-Mitgliedschaft nun am 29. März 2019 automatisch endet. Seither wird verhandelt, wie das neue Verhältnis zwischen den beiden Parteien der EU und dem Vereinigten Königreich aussehen wird.

Copyright: Deutsche Börse AG

Wie geht es jetzt weiter?

Auch wenn 2018 zunächst eine vorläufige Übereinkunft über die Austrittsthemen und eine mögliche Übergangsfrist getroffen wurde: Der 29. März 2019, das Datum, an dem das Vereinigte Königreich die EU verlassen wird, rückt immer näher. Die nächsten Monate werden zeigen, ob es eine tragfähige Lösung geben wird oder ob das Vereinigte Königreich die EU am 29. März 2019 ohne ein Abkommen, Übergangsfristen und eine Einigung über die künftige Zusammenarbeit verlässt – dieses Szenario wird als „Cliff-edge Brexit“ bezeichnet.

Das größte Problem (nicht nur) für die Teilnehmer am Kapitalmarkt ist, dass das Ergebnis der Verhandlungen noch immer offen ist.

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Welche Auswirkungen auf die Finanzwirtschaft sind zu erwarten?

Der Brexit betrifft alle Arten von finanziellen Aktivitäten zwischen dem Vereinigten Königreich und den dann 27 Mitgliedsländern der EU. Bis zu 80 Prozent der EU-Aktivitäten auf den Finanzmärkten werden bislang über das Vereinigte Königreich abgewickelt. Der sog. „Passport“-Mechanismus macht es bisher möglich, aus einem Mitgliedsstaat heraus grenzübergreifende Finanzgeschäfte in der gesamten EU zu tätigen, ohne in jedem einzelnen der Mitgliedsländer eine Tochtergesellschaft haben zu müssen. Es bedeutet gleichzeitig, dass z. B. Handelsplätze, Clearinghäuser (Central Counterparties, CCPs), Transaktionsregister (TRs) und Zentralverwahrer (Central Securities Depositories, CSDs) ihre Mitglieder von überall in der EU betreuen dürfen. Sollte kein neues Abkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU zustande kommen, würde das Vereinigte Königreich als Drittland betrachtet werden müssen. Das heißt, Finanzunternehmen mit Sitz im Vereinigten Königreich würden ihre Passport-Rechte verlieren und könnten keine Geschäfte mehr mit den anderen 27 EU-Staaten machen. Das Gleiche gilt auch umgekehrt.

Im Wesentlichen blieben dann zwei Möglichkeiten für einen Zugang zum Binnenmarkt der EU:

  • Finanzdienstleistungsunternehmen, die bislang ihren Sitz im Vereinigten Königreich haben, gründen Tochterunternehmen in einem EU-Mitgliedsstaat, um einen EU-Passport zu erhalten.
  • Alternativ können Finanzdienstleistungsunternehmen auf Grundlage einer Äquivalenzentscheidung der Europäischen Kommission als Drittstaaten-Unternehmen Zugang zu den EU-Finanzmärkten erlangen.

Die erste Möglichkeit verlangt eine Verlegung des gesamten – oder wesentlicher Teile des –  Unternehmens in ein Mitgliedsland der EU. Die nationalen Aufsichtsbehörden haben bereits deutlich gemacht, dass sie sog. Briefkastenfirmen nicht akzeptieren werden. Auch sind die bestehenden EU-Drittstaatenregeln zur Finanzmarktregulierung (z. B. MiFID II/MiFIR, EMIR, CSDR) kein adäquater Ersatz für den EU-Passport.

Wie kann die Gruppe Deutsche Börse helfen?

Um die Auswirkungen des Brexits und die damit verbundene Unsicherheit für Marktteilnehmer zu minimieren, hat die Gruppe Deutsche Börse ein spezielles Brexit Transition Team eingerichtet. Dieses Team befasst sich mit sämtlichen Aspekten des Brexits und den potenziellen Folgen für die Marktteilnehmer entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Gruppe Deutsche Börse. Die Kollegen unterstützen unsere Kunden in ihrer individuellen Brexit-Strategie. Ziel ist es, den Kunden weiterhin sicheren Zugang zur Infrastruktur der Gruppe Deutsche Börse zu bieten.

Um gleichzeitig sicherzustellen, dass auch der dauerhafte Zugang zu derzeit im Vereinigten Königreich beheimateten Marktteilnehmern nach dem Brexit gewährleistet ist, haben wir das gruppenweite Brexit Readiness-Projekt ins Leben gerufen: Es dient dazu, die einzelnen Geschäftsbereiche auf die regulatorischen, rechtlichen und umsetzungsbezogenen Implikationen für alle relevanten Märkte und Produkte der Gruppe Deutsche Börse vorzubereiten. Auch unser Partnerschaftsprogramm für das Clearing von außerbörslich gehandelten Zinsderivaten soll den Marktteilnehmern die Vorbereitung auf den Brexit und die Zeit danach erleichtern. Weitere Dienstleistungen werden im ersten Quartal 2019 dazukommen, mit denen wir die Marktteilnehmer während und nach dem Brexit unterstützen, um dessen Folgen soweit wie möglich abzumildern.

Die Gruppe Deutsche Börse – we make markets work

Die Gruppe Deutsche Börse ist eine der größten Börsenorganisationen der Welt. Sie betreibt integre, transparente und sichere Märkte für Investoren, die Kapital anlegen, und für Unternehmen, die Kapital aufnehmen wollen. An diesen Märkten kaufen und verkaufen institutionelle Händler Aktien, Derivate und andere Finanzinstrumente nach klaren Regeln und unter strenger Aufsicht.

Heute ist die Gruppe Deutsche Börse mehr als nur ein Handelsplatz oder eine Börse – sie ist ein Finanzmarktinfrastrukturanbieter. Denn mit ihren Produkten und Dienstleistungen deckt sie die gesamte Wertschöpfungskette im Finanzgeschäft ab – ihre Geschäftsfelder reichen von der Wertpapierzulassung über den Handel, die Verrechnung und Abwicklung bis hin zur Verwahrung von Wertpapieren und anderen Finanzinstrumenten sowie Sicherheitenmanagement. Darüber hinaus bietet sie weltweit IT-Services, Indizes und Marktdaten.

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