Deutsche Börse AG startet breit angelegtes Wachstumsprogramm und berichtet Q2-Ergebnis

Erschienen am: 28.07.2015

Wachstumsprogramm „Accelerate“ für alle Unternehmensbereiche/Fokus auf Kundenorientierung und Effizienzgewinnen/Schaffung von 50 Mio. € zusätzlicher Investitionskapazität ab 2016/Angehobene Mittelfristprognose mit Nettoerlösen von 2,8 bis 3,2 Mrd. € und einem EBIT von 1,55 bis 1,75 Mrd. € bis 2018/Anhaltende Volatilität an den Märkten ermöglicht starkes Q2-Ergebnis

Die Deutsche Börse AG setzt das gruppenweite Wachstumsprogramm „Accelerate“ auf. Das Unternehmen hat eine intensive Überprüfung seiner strategischen Ausrichtung sowie der Organisationsstrukturen und Geschäftsprozesse vorgenommen. Mit dem Programm „Accelerate“ verfolgt die Deutsche Börse das Ziel, agil, ambitioniert, effektiv und mit starkem Kundenfokus am weltweiten Wettbewerb der Kapitalmarkt-Infrastrukturanbieter teilzunehmen. Um dieses strategische Ziel zu erreichen, nimmt das Unternehmen ein breites Spektrum von Initiativen auf.
Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse AG, sagte dazu: „Wir haben die gesamte Gruppe Deutsche Börse mit allen Unternehmensbereichen einer intensiven Überprüfung der strategischen Ausrichtung und der Organisationsstrukturen unterzogen. Das Unternehmen befindet sich auf dem richtigen Weg, aber mit dem „Accelerate“-Programm werden wir nun Wachstum durch eine Vielzahl von neuen Initiativen absichern und mittelfristig beschleunigen. Unsere klare Vision ist, die Gruppe Deutsche Börse langfristig zum weltweit präferierten Marktinfrastrukturanbieter mit Spitzenposition in allen Tätigkeitsfeldern auszubauen.
Bei Verbesserungen der Organisation will der Börsenkonzern durch einen gruppenweiten Ansatz bei Vermarktung, Innovation und Betrieb sich verändernde Kundenbedürfnisse besser erfüllen und ungenutzte Vertriebspotenziale sukzessive erschließen. Zur Förderung der Neuausrichtung und für eine intensivierte Zusammenarbeit hat die Deutsche Börse zum 1. Juli bereits ein bereichsübergreifend besetztes Management-Komitee eingerichtet. Hierarchieabbau und Reduzierung der Komplexität werden die Entscheidungsgeschwindigkeit und die Agilität der Gruppe deutlich erhöhen. Im Bereich Erfolgsmessung und Vergütungssysteme sind verbesserte Anreizstrukturen und stärkere direkte GuV-Verantwortung für eine intensivierte Leistungsorientierung auf allen Ebenen geplant. Die Deutsche Börse möchte damit auch die branchenbesten Talente anziehen. Im Zuge der Überarbeitung der mittelfristigen Finanzplanung wurden in den vergangenen Wochen die organischen Wachstumsinitiativen der Gruppe intensiv überprüft und werden nun teilweise neu priorisiert. Dabei verfolgt das Unternehmen die beschleunigte Expansion in neue Märkte und Anlageklassen. In geografischen Wachstumszentren wie Asien wird die Deutsche Börse ihre vorhandenen Initiativen mit gesteigerter Fokussierung und neuen Kompetenzen weiter ausbauen. Insgesamt wurde im Rahmen der Überarbeitung der Finanzplanung zusätzliches organisches Wachstumspotenzial bis 2018 identifiziert. Bei den externen Wachstumsoptionen liegt der aktuelle Fokus auf der Stärkung bestehender Wachstumsfelder sowie auf dem Eintritt in neue Anlageklassen und Dienstleistungen. Beispiele hierfür sind die angekündigten Akquisitionen von STOXX, um die strategische Flexibilität im schnell wachsenden Indexgeschäft zu erhöhen, und 360T, die dem Unternehmen die hochattraktive Anlageklasse Devisen erschließt. Bei der Auswahl wird das Unternehmen diszipliniert vorgehen und nur nachhaltig Wertschaffendes externes Wachstum verfolgen. Im Bereich Kapitalallokation überprüft das Unternehmen künftig das Geschäftsportfolio und seine Beteiligungen fortlaufend, um sich auf die vielversprechendsten Initiativen zu konzentrieren. Festhalten wird die Gruppe an ihrer sehr soliden Bilanzstruktur und an ihrer attraktiven Ausschüttungspolitik.
Als Bestandteil der Überprüfung der strategischen Ausrichtung seiner bestehenden Aktivitäten hat der Börsenkonzern die Transparenz der organischen strukturellen und zyklischen Wachstumsziele erhöht, sowie zusätzliches Wachstumspotenzial identifiziert. Um die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells zu untermauern, wurden klare Gewinnwachstumsziele eingeführt. Die Gruppe kalkuliert daher auf Basis des aktuellen Geschäftsportfolios, der Fortsetzung einer Erholung der Weltwirtschaft sowie mittelfristig steigender Zinsen mit einem Wachstum der Nettoerlöse von 5 bis 10 Prozent pro Jahr. Beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) und dem Konzern-Jahresüberschuss hat sich das Unternehmen ein Wachstum in einer Größenordnung von 10 bis 15 Prozent zum Ziel gesetzt. Damit ergibt sich für das Jahr 2018 eine Zielbandbreite der Nettoerlöse von 2,8 bis 3,2 Mrd. € und des EBIT von 1,55 bis 1,75 Mrd. €, inklusive der kürzlich angekündigten Akquisitionen. Zur verbesserten Steuerung seiner Kostenbasis hat das Unternehmen im Zuge der Überprüfung drei Prinzipien zum Kostenmanagement festgelegt. Zum einen soll die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells nachhaltig sichergestellt werden. Hierbei wird die Kostenbasis so ausgesteuert, dass einstelliges Nettoerlöswachstum in stabilen operativen Kosten und zweistelliges Nettoerlöswachstum in einem Kostenanstieg von rund 5 Prozent resultiert. Zum anderen wird eine weitere und kontinuierliche Verbesserung der operativen Effizienz angestrebt. Primär soll hierbei der Fokus auf Kundenbedürfnisse zu einer Verbesserung der Qualität und Effizienz der Dienstleistungen führen. Zusätzlich werden inflationäre Effekte wie Gehaltssteigerungen intern kostenneutral ausgeglichen. Um das Wachstum weiter zu beschleunigen, plant das Unternehmen außerdem, Freiräume für weitere Investitionen zu schaffen. Mit Hilfe von Hierarchieabbau, Zusammenlegung von Funktionen in Kompetenzzentren und einer weiteren Verbesserung bei Einkauf und Beschaffung will das Unternehmen ab 2016 rund 50 Mio. € zusätzliche Investitionskapazität freisetzen. Dies wird einmalig rund 60 Mio. € Restrukturierungskosten im Jahr 2015 erfordern. Hierzu wurden bereits erste Gespräche mit Arbeitnehmervertretern aufgenommen.
„Unsere neue Mittelfristplanung fokussiert stärker auf die Skalierbarkeit unseres Geschäftsmodells. Primär streben wir hierzu ein Nettoerlöswachstum von bis zu 10 Prozent pro Jahr bis 2018 an. Zudem werden strukturelle Effizienzsteigerungen Ende 2016 ihre volle Wirkung entfalten, um sicherzustellen, dass unsere Gewinnziele erreicht werden“, kommentierte Carsten Kengeter.
<b>Q2/2015 Ergebnis</b>
Die Nettoerlöse der Gruppe stiegen um 19 Prozent gegenüber denen des Vorjahresquartal auf 583,1 Mio. € (Q2/2014: 491,2 Mio. €). Maßgeblich dafür waren die gestiegene Aktienmarkt-und Zinsvolatilität, sowie die anhaltend positiven Entwicklungen in der Wertpapierverwahrung und -verwaltung (Clearstream) sowie dem Marktdatengeschäft (Market Data + Services). Als Bestandteil der Nettoerlöse lagen die Nettozinserträge aus dem Bankgeschäft bei 14,1 Mio. € (Q2/2014: 13,2 Mio. €). Seit dem ersten Quartal 2015 enthalten die Nettozinserträge auch Zinserträge bzw. -aufwendungen aus der Anlage der von Kunden hinterlegten Barsicherheiten im Clearinghaus von Eurex. Die Vorjahreswerte wurden entsprechend angepasst.
Die operativen Kosten lagen in der Berichtsperiode mit 307,7 Mio. € planmäßig über denen des Vorjahres (Q2/2014: 254,4 Mio. €). Hauptgründe hierfür waren Konsolidierungseffekte und höhere Investitionen in Wachstumsinitiativen und Infrastruktur. In den operativen Kosten waren Sondereffekte von 11,8 Mio. € (Q2/2014: 5,1 Mio. €) enthalten, die sich größtenteils aus Kosten für Effizienzprogramme und Unternehmenszusammenschlüsse zusammensetzen. Bereinigt um diese Einmaleffekte stiegen die Kosten wie erwartet um 19 Prozent auf 295,9 Mio. € (Q2/2014: 249,3 Mio. €).
Dazu Gregor Pottmeyer, Finanzvorstand der Deutsche Börse AG: „Wir haben im zweiten Quartal deutlich von einer Revitalisierung der Märkte und der Zunahme der Volatilität profitieren können. Die Verbesserung unserer Nettoerlöse um 19 Prozent und des bereinigten EBIT um 18 Prozent dokumentieren dies eindrücklich. Damit liegen wir zum Halbjahr bei beiden Kennzahlen am oberen Ende der Prognosebandbreite für das laufende Geschäftsjahr.“
Das Beteiligungsergebnis belief sich auf –4,0 Mio. € (Q2/2014: 1,8 Mio. €). Bereinigt um eine Wertberichtigung der Anteile an der Bondcube Limited in Höhe von 3,9 Mio. €, lag das Beteiligungsergebnis bei –0,1 Mio. € (Q2/2014: 1,5 Mio. €).
Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) der Gruppe Deutsche Börse stieg in der Berichtsperiode auf 271,4 Mio. € (Q2/2014: 238,6 Mio. €). Ohne die beschriebenen Sondereffekte erzielte die Gruppe ein EBIT von 287,1 Mio. €, was einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr von 18 Prozent entspricht (Q2/2014: 243,4 Mio. €).
Das Finanzergebnis der Gruppe belief sich auf –17,8 Mio. € (Q2/2014: –13,2 Mio. €). Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr geht zurück auf einen negativen Währungseffekt in Höhe von 3,9 Mio. € im Zusammenhang mit gestiegenen Beständen an US-Dollar, nachdem im ersten Quartal 2015 ein Gewinn von 18,1 Mio. € angefallen war.
Die bereinigte effektive Gruppensteuerquote für das zweite Quartal 2015 lag wie geplant bei 26,0 Prozent (Q2/2014: 26,0 Prozent). Damit belief sich der Konzern-Periodenüberschuss der Gruppe auf 175,1 Mio. € (Q2/2014: 159,3 Mio. €). Ohne die beschriebenen Sondereffekte lag der Konzern-Periodenüberschuss bei 187,7 Mio. € (Q2/2014: 165,2 Mio. €).
Das unverwässerte Ergebnis je Aktie belief sich auf Basis des gewichteten Durchschnitts von 184,2 Mio. Aktien auf 0,95 € (Q2/2014: 0,87 €). Bereinigt um die genannten Sondereffekte lag das unverwässerte Ergebnis je Aktie bei 1,02 €, was einem Anstieg von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht (Q2/2014: 0,90 €).