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Aktienphobie: Neue Studie der Frankfurt School erklärt Anlageverhalten der Deutschen

Datum: 02. Dez 2019 | Deutsche Börse

Aktienphobie: Neue Studie der Frankfurt School erklärt Anlageverhalten der Deutschen


Die Frankfurt School of Finance & Management hat am Montag, 2. Dezember im Frankfurter Börsensaal ihre neue Studie „Zum Rätsel der Aktienmarktteilnahme in Deutschland“ vorgestellt. Wissenschaftler der Frankfurt School und der Goethe-Universität kommen in ihrer Studie, die von der Deutschen Börse beauftragt wurde, zu dem Schluss, dass die Kombination von Risikoaversion und überschätztem Risiko, das vor allem durch ein Informationsdefizit entsteht, die Deutschen von einer vermehrten Aktienanlage abhält.

Geringes Wissen und Verlustängste: Nur 16 Prozent der Deutschen nehmen am Aktienmarkt teil

Die Aktienmarktteilnahmequote in Deutschland lag im Jahr 2018 bei nur 16 Prozent – im Vergleich zu den USA mit bis zu 54 Prozent ein geringer Anteil. Laut der Studie liegt das vor allem daran, dass die Deutschen ihr Finanzwissen als zu gering einschätzen und äußerst risikoscheu sind. Über 50 Prozent der Nicht-Aktienbesitzer bewerten die Aussage „Mir fehlt das Wissen, wie man am Aktienmarkt investiert“ als „eher zutreffend“ oder „voll zutreffend“. Allerdings sind für eine Anlage in börsengehandelten Indexfonds, wie sie von zahlreichen Wissenschaftlern empfohlen wird, solche Kenntnisse nur in geringem Umfang notwendig: „Viele wissen nicht, dass man vieles nicht wissen muss“, so Prof. Dr. Michael Grote, Mitautor der Studie und Professor für Corporate Finance an der Frankfurt School. Auch die Angst vor einer ökonomischen Katastrophe sowie grundsätzliche Verlustangst sind weitverbreitete Hindernisse für die Teilnahme am Aktienmarkt.

„Beim Thema Aktienkultur ist Deutschland ein Entwicklungsland. Trotz umfangreicher Aufklärungsarbeit verändert sich die Zahl der Aktionäre seit Jahren kaum“, erklärt Nicolas Nonnenmacher, Bereichsleiter bei der Deutschen Börse. „Die vorliegende Studie bietet erstmals eine detaillierte wissenschaftliche Grundlage für die Aktien-Aversion der Deutschen, bestätigt Vermutungen und bietet neue Erkenntnisse. Jedem steht nun frei, hieraus Maßnahmen abzuleiten, um die Aktienkultur in Deutschland nachhaltig zu verbessern.“

Persönliche Erfahrungen und Emotionen spielen bei der Wertpapieranlage ebenfalls eine große Rolle. Lediglich 23 Prozent der Personen, die keine Aktien besitzen, verbinden ein gutes Gefühl mit der Vorstellung, selbst Aktionär zu sein. Bei den Aktienbesitzenden sind dies dagegen 61 Prozent. Letztere verbinden mit einem Aktienbesitz auch vermehrt positive Begriffe – wie Gewinn und Chance, Stolz oder Freude. Die Gedanken der Nicht-Besitzer drehen sich viel stärker um Verluste und Risiken.

„Deutschland ist eine der reichsten Volkswirtschaften der Welt. Dennoch investieren die Deutschen in einem sehr geringen Ausmaß in Aktien. Sie verschenken damit mittel- und langfristig Rendite. Nach wie vor sind die Deutschen äußerst risikoscheu. Eine gezielte Aufklärung über die tatsächlichen Risiken und Chancen einer Anlage in Aktien wäre sicher hilfreich“, erklärt Michael Grote.

Geschlechterunterschiede: Frauen nehmen in Deutschland noch weniger am Aktienmarkt teil

Die Wissenschaftler beleuchten in ihrer Erhebung auch Geschlechterunterschiede. Dabei haben sie herausgefunden, dass Frauen hierzulande mehr Unsicherheiten in Bezug auf Aktien haben als Männer. Ein zu geringes Finanzwissen geben Frauen deutlich häufiger als Hindernis für die Aktienmarktteilnahme an als Männer. Zudem geben 70 Prozent der befragten Frauen „Nervosität bei selbst kleinen Verlusten“ an – dagegen nur 54 Prozent der Männer.

Methodik und Teilnehmende der Studie

Die Ergebnisse der Studie beruhen auf einer für Deutschland nach Alter, Geschlecht und Bundesland repräsentativen Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, die im Mai 2019 durchgeführt wurde. Die Auswertung der Umfrage basiert auf 2.761 Studienteilnehmenden.

Die gesamte Studie und druckfähige Grafiken können unter www.boerse-frankfurt.de/studie abgerufen werden.