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Derivate – seit Jahrtausenden ein Grund zum Handeln

16. Sep 2020

Derivate – seit Jahrtausenden ein Grund zum Handeln

200 Jahre Aktienhandel in Frankfurt: Alles begann mit der Aktie der Österreichischen Nationalbank. Seitdem haben sich zahllose Unternehmen über die Börse finanziert – und Anleger in eben jene Unternehmen investiert. In unserer Reihe „Evolution of Exchange Trading“ blicken wir aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Ursprünge und Meilensteine des Börsenhandels zurück.

Derivate sind keineswegs eine Erfindung der Börsenneuzeit. Von den Zeiten der babylonischen Herrscher über das Mittelalter bis hin zum heutigen elektronischen Handel haben sie immer eine wichtige Rolle in der Finanzgeschichte gespielt. Basierend auf einer Vereinbarung über einen Basiswert und der erklärten Absicht, Bargeld oder andere Waren innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens zu tauschen, sind Derivate eine Möglichkeit, Vermögenswerte zu investieren und abzusichern, ohne diese selbst jemals tatsächlich besitzen zu müssen.

Die Sumerer brannten bereits 8000 v. Chr. kleine Tonplatten, die als Versprechen an eine Gegenpartei galten, bis zu einem bestimmten Datum eine bestimmte Menge von Waren zu liefern. Auf der Grundlage des eingeprägten Zeitrahmens und der Platten selbst versprachen die Verkäufer, diese Güter zu liefern. Dieser Tausch fungierte im Wesentlichen als eine Art Termingeschäft, das abgewickelt wurde, sobald der Verkäufer seine Waren bis zu dem auf der Wertmarke eingebrannten Datum geliefert hatte.

Aristoteles berichtet um 330 v. Chr. in seinem Werk „Politik“ von Thales von Milet, der aufgrund astronomischer Berechnungen bereits im Winter eine üppige Olivenernte für den kommenden Herbst voraussah. Er sprach mit allen Besitzern von Olivenölpressen in der Gegend und handelte das Recht aus, die Pressen zur Erntezeit gegen eine geringe Gebühr nutzen zu dürfen. Die Olivenernte übertraf tatsächlich alle Erwartungen, Thales von Milet verkaufte sein Nutzungsrecht mit einem erheblichen Aufschlag weiter und wurde reich. Eine der ersten Call-Optionen der Geschichte.

Um 1500 wurde in Antwerpen zum ersten Mal formell ein festes Gebäude für Händler errichtet. Das Gebäude wurde als „Börse“ bekannt und Händler aus ganz Europa boten hier ihre Waren an. Sie verkauften jedoch zum ersten Mal keine realen Waren mehr. Stattdessen kauften und verkauften sie die Rechte an den Waren, indem sie mit Wechseln handelten. Die Händler eliminierten so das Transportrisiko ihrer Waren und schufen ganz nebenbei einen europäischen Finanzmarkt.

Zur gleichen Zeit entwickelte sich auch in Amsterdam ein Derivatemarkt. Bisher wurden Terminkontrakte ausschließlich auf physische Waren gehandelt. Amsterdam war die erste Börse, an der Derivate auf Wertpapiere wie Optionen, Future-ähnliche Kontrakte und andere derivative Instrumente basierten.

1848 entstand mit dem Chicago Board of Trade (CBOT) die erste Getreide-Terminbörse in den Vereinigten Staaten. 1851 wurde hier der erste time contract (Zeitvertrag) auf die zukünftige Lieferung einer bestimmten Menge Mais zu einem festgelegten Preis gehandelt. Das Board of Trade wurde zu einem der größten Terminmärkte der Welt und existiert noch heute noch als CME Group.

In Frankfurt wurden 1989 erstmals von Banken emittierte Optionsscheine auf den Markt gebracht, die nicht mehr Teil einer Optionsanleihe, sondern als eigenständige Anlageinstrumente für Privatanleger ausgegeben wurden. In der Folgezeit nahm das Angebot an derivativen Finanzprodukten immer stärker zu und auch Privatanleger können jetzt überproportional an der Wertentwicklung einer Aktie oder eines anderen Basiswertes teilhaben, von fallenden Kursen profitieren oder auch ein Depot gegen Kursverluste absichern.

1998 entstand mit unserer Tochtergesellschaft Eurex Exchange eine der führenden Derivatebörsen weltweit, mit einem jährlichen Handelsvolumen von weit über 1 Milliarde Kontrakten.

In den 1990ern wurde der Handel dann elektronisch, was den weltweiten Handel mit Derivaten, Wertpapieren und Rohstoffanlagen ermöglichte. 2019 wurden allein in Deutschland mehr als 1,7 Millionen derivative Anlage- und Hebelprodukte für Privatanleger gehandelt.

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